Nach den Krawallen: Polizei fordert personalisierte Eintrittskarten in der Bundesliga

Nach den Krawallen : Polizei fordert personalisierte Eintrittskarten in der Bundesliga

Die Schlangen an den Stadionkassen könnten länger werden. Es drohen personalisierte Einlasskontrollen. Die Bilder vom letzten Bundesliga-Spieltag haben das Fass zum Überlaufen gebracht.

Hertha-Fans prügelten beim Gastspiel in Dortmund minutenlang auf Polizisten ein, nachdem die ihnen eine große Fahne abgenommen hatten, die ihnen vorher Deckung gab. Im Schutz der Flagge hatten sich Krawallmacher vermummt und zahlreiche Pyroraketen gezündet.

Es war ein Foul zu viel. „Es reicht, so geht es nicht weiter“, sagt Michael Mertens. Mertens ist selbst Fußballfan, aber hier spricht er in erster Linie als Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Sein oberster Dienstherr, Innenminister Herbert Reul (CDU), hat bereits registrierte Tickets bei „Risikospielen“ ins Gespräch gebracht. Mertens sagt, dass er keine „englische Verhältnisse“ haben wolle, wo tatsächlich jeder Stadiongänger bekannt ist. Aber mindestens die Gästefans sollten vorab registriert sein, denn fast immer gehe die Eskalation von hier aus. In Dortmund war den Hertha-Fans eine Choreographie erlaubt worden.

Man müsse über Verbote nachdenken, sagt Mertens. „Wenn unter dem Deckmantel einer Choreografie Pyrotechnik gezündet wird, die zu Verletzungen Unbeteiligter führt, hat das mit Fankultur nichts zu tun – das sind schlichtweg Straftaten.“ Für Pyrotechnik fordert der Gewerkschaft rigoros den Platzverweis. „Das ist nicht verhandelbar, oder muss erst jemand geopfert werden?“

Die Situation in den Profiligen habe sich verschärft, nachdem die Ultras vor ein paar Monaten den Dialog mit der Fußball Liga abgebrochen haben, ist seine Beobachtung. Gewaltbereite und gewaltsuchende Fans , gelistet in der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), nutzen solche publikumswirksamen Spiele, um Aufmerksamkeit zu generieren. “Der Fußball wird missbraucht.“

Fanblöcke seien längst „No-Go-Areas“ für Polizisten, beklagt Mertens. Stattdessen würden dort nicht selten willfährige Ordner eingesetzt, die „häufig von den Fan-Gruppierungen“ selbst ausgesucht würden. Auch das ist der Polizei ein Dorn im Auge. „Die Fan-Gruppe kontrolliert den Verein und nicht umgekehrt.“ Die Klubs stellen ihnen in den Stadien Räume zur Verfügung, zu denen sie selbst keinen Zugang haben. Die Folge: In den Tagen vor den Spielen würden große Schmähbanner, Pyro-Material oder meterlange Fahnenstangen eingeschmuggelt. Statt solche Gruppen zu ächten oder zu kontrollieren, werde häufig weggeguckt, weil Vorstände bei der Wiederwahl auf Stimmen angewiesen seien. Mertens ist es leid: „Wir haben den Punkt erreicht, an dem wir etwas ändern müssen.“ Die Deutsche Fußball Liga wollte zu den Vorschlägen gestern keinen Kommentar abgeben.

Mehr von Aachener Zeitung