Personalentscheidungen bei Borussia Mönchengladbach

Schwierige Personalentscheidungen : Hecking und die Qual der Wahl

Die Situation bei Borussia Mönchengladbach ist für Dieter Hecking im Vergleich zum Vorjahr eher ungewohnt. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten muss in diesen Tagen schwierige Personalentscheidungen treffen.

Zunächst steht die knifflige Kadernominierung für das heutige Heimspiel (18.30 Uhr) gegen den FC Schalke 04 an. Spätestens kurz vor dem Westduell folgt die ebenfalls nicht einfache Bestimmung der Startelf. „Ich bin kein Freund davon, wie das momentan in Deutschland gehandhabt wird. Einen 18er Kader zu benennen, halte ich für nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Coach und fügt hinzu: „Ich war selbst mal Spieler. Wenn dir ein Trainer sagt, dass du am Samstag nicht im Kader bist, dann fühlst du dich wie das fünfte Rad am Wagen.“

Rückblick, Dezember 2017: Die Fohlen empfangen Schalke zum Topspiel in der Bundesliga. Und Hecking sagt vor dem Match: „Ich bin keiner, der großartig rumjammert. Aber derzeit ist es echt grenzwertig.“ Es war die Zeit, in der sich die schwierige Personalsituation durch die vielen Verletzungen der Profis unerklärlich zuspitzte. Nun hat sich das Blatt gewendet.

Hecking hat für den heutigen Samstag zu viele fitte Spieler und muss einige unbequeme Entscheidungen treffen. „Es wird am Wochenende sicherlich den einen oder anderen Spieler treffen — ich kann die Nichtberücksichtigung dann aber nicht mit Leistung begründen“, bedauert Hecking vor dem Spiel. Vielmehr würden spieltaktische Überlegungen den Ausschlag geben. Definitiv fehlen werden heute Lars Stindl (Aufbautraining nach Sprunggelenk-OP), Josip Drmic (Rückenprobleme), Julio Villalba (Rückstand nach Muskelbündelriss) und Mamadou Doucouré (Aufbautraining nach Muskelverletzung).

Fragezeichen bei Raffael

Ein großes Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Raffael. Der 33-jährige Ex-Schalker hatte sich in der Länderspielpause im Testspiel gegen den VfL Bochum (2:1) eine Wadenblessur zugezogen. „Wir werden da kein Risiko eingehen. Nur wenn er 100 Prozent fit ist, steht er im Kader“, verdeutlicht der 54-Jährige. Die Entscheidung soll erst kurz vor dem Spiel fallen. Sollte die Zeit für der Ballzauberer nicht reichen, könnte die Stunde von Alassane Pléa schlagen. Borussias Rekordtransfer wurde in den ersten beiden Saisonspielen gegen Leverkusen und Augsburg jeweils eingewechselt. Bei den Fuggerstädtern gelang dem 25-jährigen Franzosen mit seinem ersten Bundesligator der Ausgleich zum 1:1. „Alassane ist körperlich weiter als vor vier Wochen, und bei seiner Integration in unsere Spielweise sind wir noch mal ein Stück weiter. Seine Eingliederung ist aber noch nicht abgeschlossen“, bremst Hecking die aufkommende Euphorie um den Neuzugang. „Ich sehe ihn auf einem guten Weg. Es wäre schön, wenn er im Heimspiel gegen Schalke ein Tor schießen würde.“

Die Königsblauen stehen nach den beiden Auftaktpleiten in Wolfsburg (1:2) und gegen Hertha BSC Berlin (0:2) schon am dritten Spieltag gehörig unter Druck. „Es wäre fatal von mir und meiner Mannschaft, Schalke lediglich an den ersten beiden Spielen zu messen. Sie sind nicht umsonst absolut verdient Vizemeister geworden und haben sich souverän für die Champions League qualifiziert“, sagt der Borussen-Coach und ergänzt: „Es kommt ein Gegner, der vom Kader noch ein Stück weit besser aufgestellt ist als wir.“ Im Verbund mit einer guten Teamleistung und der Unterstützung der Fans im ausverkauften Borussia-Park will die Elf vom Niederrhein die Schalker „vor Aufgaben stellen“.

Ob im neuen 4-3-3-System wieder Tobias Strobl den Vorzug vor Christoph Kramer erhält, wollte der Übungsleiter nicht preisgeben. Hecking sagt: „Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen.“ Auf der rechten Außenverteidigerposition dürfte wieder der erst 18-jährige Jordan Beyer in der Startelf stehen, der am Freitag einen bis 2022 datierten Profivertrag unterschrieben hat. Der wiedergenesene Schweizer Nationalspieler Michael Lang müsste sich dann erst einmal mit einem Platz auf der Bank begnügen.

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