1. Sport

Aachen: Nick Braun: Dem Handball zuliebe auch Belgier geworden

Aachen : Nick Braun: Dem Handball zuliebe auch Belgier geworden

Natürlich! Zuerst einmal ging es auf den Fußballplatz, schließlich ist der Herr Papa ein in der Region recht bekannter Fußballtrainer. Aber mit dem größeren Ball konnte Nick Braun nicht so viel anfangen. „Ich habe wie fast jeder Junge mit Fußball begonnen, das hat mir aber weniger Spaß gemacht, war nicht so wirklich meine Sportart“, sagt der 17-Jährige und lacht, „zudem war ich kein guter Fußballer. Vielleicht auch, weil mir die Motivation fehlte.“

Und so probierte er sich durch verschiedene Disziplinen von Kickboxen über Leichtathletik bis zum Tischtennis. Doch erst als ihn ein Freund mit zum Handball nahm, entdeckte er „seinen“ Sport. Heute spielt der 17-Jährige mit dem TSV Bayer Dormagen in der A-Junioren-Bundesliga und streift in Belgien das Nationaltrikot in der U 18 über.

 Eine sportliche Familie: Luan (von links), Nick, Pia, Petra und Mirko Braun.
Eine sportliche Familie: Luan (von links), Nick, Pia, Petra und Mirko Braun. Foto: Braun

„Ich glaube, Papa war es nur wichtig, dass wir überhaupt einen Sport machen“, fand Nick Braun, der mit seiner Familie in Belgien lebt, viel Verständnis bei seinem Vater, obwohl sein Herz nicht für den Fußball schlägt. Das von Mirko Braun, der seit Jahren erfolgreich als Trainer arbeitet, schon. Aktuell ist er Coach des Landesligisten SV Rott und wird im Sommer die U 19 von Hertha Walheim — die erste Mannschaft hatte Braun seinerzeit in die Mittelrheinliga hochgeführt — übernehmen. Das Fußball-Gen hat Nicks jüngerer Bruder Luan, der bei der U 11 von Borussia Mönchengladbach im Tor steht, abbekommen. Schwester Pia war ein großes Tennistalent, doch die jetzt 23-Jährige musste ihre Karriere schon früh aufgrund von Verletzungen wieder aufgeben.

Dass Nick Braun mal ein guter Handballspieler werden würde, war eher nicht abzusehen. „Schon in der Leichtathletik war ausgerechnet das Werfen mit Abstand meine schlechteste Disziplin“, sagt der Schüler lachend. Elf Jahre war er alt, als ihn sein Freund zum HC Eynatten mitnahm und er den Freund wiederum zur Leichtathletik. Kurioserweise blieben beide bei der jeweils anderen Sportart hängen. Liebe auf den ersten Blick war aber auch der Handball nicht. „Ich wollte schon wieder aufhören, auch weil ich keinen Anschluss gefunden hatte. Aber dann hat es auf einmal Klick gemacht.“ Drei Mal, mit der U 12, U 14 und U 16 des HC Eynatten, wurde er belgischer Meister, spielte zudem in der Mittelrheinauswahl.

So geriet er in den Fokus von Bayer Dormagen. „Mein Auswahltrainer war damals David Röhrig, der auch Coach in Dormagen war und dem ein Linksaußen fehlte“, erzählt Braun. Und so kam kurz darauf das Angebot, auf das Sportinternat nach Dormagen zu wechseln und für Bayer zu spielen. „Das kam für mich zuerst gar nicht infrage. Der HC Eynatten war längst meine zweite Familie geworden, zudem hänge ich extrem an meiner Heimat.“ Doch sportlich, das musste Nick Braun einsehen, konnte er sich in Eynatten nicht weiterentwickeln. Und so zog er im Sommer 2016 ins Sportinternat und streifte fortan in der B-Junioren-Nordrheinliga das Dormagener Trikot über.

Ein gewaltiger Schritt — alles für den Sport. „Eigentlich habe ich mich auf dem Internat recht schnell wohl gefühlt , hatte schnell kein Heimweh mehr“, so Braun, der aufgrund der zahlreichen Spiele nur noch alle zwei, drei Wochen auf Stippvisite im elterlichen Haus in Hergenrath ist. Schon immer hat die Familie in Belgien gelebt, die deutsche Staatsangehörigkeit allerdings nie aufgegeben. Inzwischen sind Nick und seine Mutter aber auch Belgier.

Der 17-Jährige lacht: „Ich habe zwar an DHB-Sichtungen teilgenommen, aber da war die Qualität noch einmal eine ganz andere. Daher habe ich mich für das belgische Nationalteam interessiert.“ Und so wurde Mama Petra vom Sohnemann so lange bearbeitet, bis sie gemeinsam mit ihm neben der deutschen auch die belgische Staatsangehörigkeit annahm.

„Gutes Handgelenk“

Nicks Plan ging auf: Er nahm Kontakt zu den Verantwortlichen in Belgien auf, wurde zu Sichtungen der U 18-Nationalmannschaft eingeladen und ist seit Februar vergangenen Jahres die belgische Nummer eins auf der Linksaußen-Position. Apropos Linksaußen: Beim HC Eynatten hatte Braun im Rückraum gespielt, doch Röhrig hatte ihn auf Linksaußen eingesetzt, auch „weil er meinte, dass ich mit meinen 1,81 Metern für den Rückraum später vielleicht nicht groß genug sein würde“, so Braun, der auf dieser Position seine „Sprungkraft und sein gutes Handgelenk bei den Würfen optimal einsetzen kann“.

Am vergangenen Wochenende weilte der junge Handballer im Rahmen eines Lehrgangs mit der belgischen U 18 bei zwei Länderspielen in der Slowakei, womit er aber auch mit 17 Treffern zwei knappe Niederlagen nicht verhindern konnte. Für die EM sind die Belgier nicht qualifiziert. Für Dormagen warf Braun vergangene Saison 40 Tore. Da die Mannschaft verletzungsbedingte Ausfälle hinnehmen musste, sprang in der A-Junioren-Bundesliga nur Platz zehn heraus. „Wir haben schlecht gespielt, müssen noch auf die Bundesliga-Qualifikation hoffen“, so Braun. Die kann noch gelingen, wenn die B-Jugend als Erster der Nordrheinliga in der Deutschen Meisterschaft, die am Wochenende startet, eine Runde weiterkommt. „Nächste Saison hätten wir mit den Jahrgängen 2000/01 ein starkes Team, das um die Deutsche Meisterschaft mitspielen kann“, ist Braun überzeugt.

Erst einmal stehen für ihn aber die Abiturklausuren auf dem Programm. Am Freitag geht es los mit Sport, es folgen Deutsch, Mathematik und Erdkunde. Doch auch wenn Braun besteht, will er ein weiteres Jahr im Sportinternat wohnen. „Ich kann als Mieter hierbleiben, da ich noch ein Jahr mit den Dormagener A-Junioren spielen werde“, erläutert Braun, der im Juli 18 Jahre alt wird. „In Dormagen wird zudem viel Wert darauf gelegt, dass der eigene Nachwuchs in die erste Mannschaft integriert wird. Ich hoffe, dass ich eine Chance bekomme.“

Noch nicht endgültig ist die Entscheidung in Sachen Berufswahl gefallen. Braun erzählt: „Ich denke noch über ein Sportstudium nach, würde mich aber eigentlich noch lieber kreativ betätigen, sehr gerne mit Holz arbeiten und eine Tischlerlehre machen.“