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Düsseldorf: Nicht Gold verloren, sondern mit toller Leistung Silber gewonnen

Düsseldorf : Nicht Gold verloren, sondern mit toller Leistung Silber gewonnen

Es fühlte sich an wie eine Niederlage - dabei war es ein Erfolg. Doch es jubelte niemand. Überall hängende Köpfe, verdächtig schimmernde Augen, Trauer und Ratlosigkeit. Monate harter Arbeit lagen hinter den Tänzern, die alle nur ein Ziel hatten: Deutscher Meister zu werden. Jetzt erschien es ihnen, als hätten sie nicht Silber gewonnen, sondern Gold verloren.

Das ging - zum sechsten Mal in Folge - an den GGC Bremen. Hinter der FG Tanzsportzentrum Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß gewann das TSZ Velbert Bronze bei den Deutschen Meisterschaften der Lateinformationen in Düsseldorf.

Stunden, vielleicht sogar erst Tage später werden die Tänzer ihre Silbermedaille als Erfolg ansehen können - dann das war sie. 2011 hatte das Team von FG-Cheftrainer Oliver Seefeldt Silber gewonnen, wobei drei der neun Richter sie auf Platz 3 gesehen hatten. Sechs sahen sie diesmal wieder auf Rang 2 - doch drei hatten den Mut und zogen die Eins!

„Das ist kein Rückschlag, wir sind auf dem Weg nach oben”, stellte Tänzer Eric Soeterboek klar. Wie sehr das zutrifft, zeigt wohl am besten der Veitstanz, den Bremens Trainer Roberto Albanese nach der Bekanntgabe der Ergebnisse vor den konsternierten Ehrengästen aufführte und sich gar nicht mehr beruhigen wollte. Es waren keine Steine, sondern eher die gesamte Alpenregion, die dem erfolgsverwöhnten Coach vom Herzen fielen.

Nach Vor- und Zwischenrunde schien Aachen/Düsseldorf klar auf dem Weg zum Titel zu sein. Die neue Chorographie „Prince of Persia” begeisterte, die Kleider, die Musik, die innovativen Ideen - das FG-Team sorgte für den absoluten Wow-Effekt an diesem Abend. Dagegen wirkte die neue Bremer Choreographie „Final Countdown” wesentlich konventioneller, wenn Albanese auch einige schöne Gimmicks eingebaut hatte.

Im Finale gelang dem Titelverteidiger ein perfekter, auf Angriff getanzter Durchgang. Auch Aachen/Düsseldorf war bis auf einen kleinen Wackler in der Pirouette nahezu perfekt - doch das reichte nicht, um den Titelverteidiger in dem packenden Duell auf Augenhöhe vom Thron zu stoßen.

„Wir haben toll gekämpft, eine tolle Show gezeigt, mit der Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Schade ist nur, dass sich nicht mehr Richter getraut haben”, bedauerte Oliver Seefeldt. „Wir haben uns einen starken Fight mit einem starken Gegner geliefert.”

Seefeldt hatte für das Finale vorgegeben: Vollgas zu geben und das Herz des Publikums zu erringen. Und das taten die Tänzer, die von den fairen Zuschauern, die alle Teams feierten, mit stehenden Ovationen bejubelt wurden.

Und dann rückte Marc Horvarth, junger Neuzugang aus dem FG-B-Team, mit einem andächtigen Blick auf seine Medaille strahlend mit nur einem Satz den Erfolg ins rechte Licht: „Toll, meine erste DM und gleich Silber gewonnen!”

Als DM-Zweiter hat das FG-Team zugleich das Ticket für die WM am 8. Dezember in Bremen in der Tasche. „Bremen hat uns bei der DM im eigenen Haus geschlagen. Warum sollen wir das Ergebnis bei der WM nicht umdrehen?”, schickte Seefeldt „einen schönen Gruß an Roberto Albanese”.

Der ist gewarnt, schließlich ging Bremen 2011 bei der WM in Litauen leer aus, während die FG Bronze gewann. Und international sind die Richter oft mutiger...