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Aachen: NFL: Wo kein Laufspiel, da kein Weg zum Titel

Aachen : NFL: Wo kein Laufspiel, da kein Weg zum Titel

Wenn es im American Football einzig darauf ankäme, den Ball möglichst weit und präzise zu werfen, könnte man in Miami den Ocean Drive mit Super Bowl-Titeln zupflastern.

Mangel an Quarterbacks, die über einen herausragendem Wurfarm verfügten, hatten die Dolphins jedenfalls nie - man den- ke nur an Dan Marino. Doch Football ist mehr als ein genialer Pass. Football, das ist auch hart erkämpfter Raumgewinn mit solidem Laufspiel.

Und wo kein Laufspiel, da kein Weg zum Titel. Zweimal konnten die Dolphins in ihrer Geschichte den Super Bowl gewinnen - 1973 und 1974. Das ist ewig her und seitdem lief nichts mehr. Schon gar nicht über den Lauf.

Jetzt soll alles anders werden: Ricky Williams heißt der 24-jährige kräftige Athlet mit Rastalocken, der von den New Orleans Saints nach Miami wechselte und die Dolphins richtig auf Trab bringen soll.

Regelmäßig hatten sich die Dolphins der Lächerlichkeit ausgesetzt. Nun soll der Liga das Lachen vergehen. Ende eines Running Gags - die Miami Dolphins haben einen Running Back.

„Endlich lernen die Dolphins laufen!”, titelte der Miami Herald nach Bekanntgabe des spektakulären Transfers euphorisch.

Ob die Euphorie begründet ist, wird sich im Laufe der am Sonntag beginnenden Saison zeigen (vorgezogen wurde die Partie zwischen San Francisco 49ers und den New York Giants, das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor).

Skepsis ist angebracht. Zu oft wurden die Dolphins in den letzten Jahren als Anwärter auf den Super Bowl gehandelt.

Hoffnung macht der Trade von Williams aber allemal: Sollte er an die Form aus New Orleans-Zeiten anknüpfen, dürfte er Miami eine Saison über 1000 Yards bescheren.

Das war in Miami seit 1980 nur Karim Abdul-Jabbar und Lamar Smith gelungen. Sollte Williams die hohen Erwartungen erfüllen, käme es „nur” noch auf den Quarterback Jay Fiedler an, der nach eher bescheidenen Vorstellungen in der Pre-Season (Zwei Siege, zwei Niederlagen) erheblich unter Druck steht.

Den Kredit bei den Fans hat er nach zu vielen Interceptions in der letzten Saison verspielt. Headcoach Dave Wannstedt (50) indes steht (noch) fest zu Spielmacher Fiedler. Gleiches gilt auch für Offensive-Coordinator Norv Turner (50).

Turner ist bekannt für seine flexible Spielzugauswahl, mit überraschenden Trickspielen bringt er die Verteidiger des Gegners in Verlegenheit. Die Miami-Offensive dürfte deshalb nur schwer auszurechnen sein.

Und da die Defensive trotz der Trennung von Daryl Gardener (29/jetzt Redskins) immer noch mit zum Besten der Liga gehört, könnte der große Wurf diesmal gelingen. Vor allem über den Lauf...