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CHIO: Nächster Karrieresprung für Simone Blum in Aachen?

CHIO : Nächster Karrieresprung für Simone Blum in Aachen?

Wenn Simone Blum am Mittwoch um den Preis von Europa reitet, dann wird auch ihr Vater auf der Tribüne des Hauptstadions in der Aachener Soers sitzen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist nicht so, dass Jürgen Blum sich nicht für Reitsport interessieren würde; im Gegenteil: 1996 war er als Vielseitigkeitsreiter bei den Olympischen Spielen in Atlanta dabei, heute betreibt Familie Blum einen Turnier- und Ausbildungsstall in Bayern.

Die Erklärung ist ebenso simpel wie einleuchtend: „Er hat mir in der Vergangenheit nicht immer so viel Glück gebracht“, sagt Simone Blum. Das soll sich am Mittwoch beim CHIO ändern.

Bei den Deutschen Meisterschaften in Balve hatte sie Glück, Mitte Juni war das. Der Bundestrainer der Springreiter, Otto Becker, hatte der bis dahin amtierenden Deutschen Meisterin der Frauen geraten, in der Gesamtkonkurrenz anzutreten. Und Blum gelang das, was zuvor nur Meredith Michaels-Beerbaum geschafft hatte, 2008 und 2010: Auf ihrem „Ausnahmepferd“ Alice gewann Blum den Titel in der Männerwertung. Natürlich hatte das auch mit Glück zu tun, vor allem aber mit einer perfekten Abstimmung zwischen Pferd und Reiterin.

„Das war total irre. Ich bin bei den Männern gestartet, damit wir nicht unter Druck stehen, dass wir unseren Titel verteidigen müssen. Aber dann hat alles gepasst“, schwärmt die 28-Jährige noch heute von dem „perfekten Wochenende“. Der Sieg sorgte für einen „Karrieresprung“, so nennt Blum ihren Erfolg, und mit ihm sicherte sie sich das Ticket für den CHIO in Aachen. „Es war schon immer ein Traum von mir, in Aachen zu reiten. Ich freue mich sehr, dass er jetzt in Erfüllung geht.“

Die Entscheidung, ob sich dieser Traum überhaupt in diesem Jahr erfüllen würde, fiel allerdings erst in der Vorwoche. Alice hatte sich beim Turnier in Rotterdam beim ersten Springen vertreten, verletzungsbedingt musste das Duo den Start im Nationenpreis absagen. Vergangene Woche stand in der Heimat in Zolling der Belastungstest an — den Alice mit Bravour bestand. „Sie macht einen fitten Eindruck“, freut sich Blum, dass sie beim Preis von Europa mit ihrer jungen, zehnjährigen Stute starten kann.

Welche Platzierung am Ende des Springens am Mittwoch herauskommt, ist der 28-Jährigen grundsätzlich egal. Sie sagt nur: „Aachen ist ein Turnier, bei dem wir unsere Form unter Beweis stellen können.“ Am Dienstag wurde Alice noch geschont; auf Flying Horse schnupperte Blum aber schon einmal erste CHIO-Luft. Ein fehlerfreier Ritt sorgte beim Eröffnungsspringen für Platz 7.

Wenn Otto Becker über Simone Blum und Alice spricht, dann schwärmt er von einem „sehr vielversprechenden Paar für die Zukunft“. Und auch der erste Auftritt der Reiterin im Eröffnungsspringens war ganz nach dem Geschmack des Bundestrainers: „Simone hat eine echt routinierte Leistung abgerufen — vor allem wenn man bedenkt, dass es ihr erstes Springen in Aachen war. Das war eine Super-Runde.“

Eine Super-Runde würde Blum gerne am Mittwoch auch auf Alice drehen. Allerdings weiß sie genau, dass das keine leichte Aufgabe wird — allerdings bereitet ihr der anspruchsvolle Parcours mit 1,60 Meter hohen Hindernissen weniger Sorgen. „Es gibt fast nichts, was Alice nicht springen kann. Es ist aber wichtig, dass sie ihre Nerven beisammenhält. Wenn sie zu viel will, wird sie wild. Und hier in Aachen zu reiten, ist schon eine andere Hausnummer als in Balve.“

Dass sie nicht für die deutsche Equipe im Nationenpreis startet, ist kein Problem für die 28-Jährige, die im vergangenen Jahr an der Uni ihren Master in Biologie und Chemie abgelegt hat. „Der Vorteil ist, dass ich ohne Teamdruck reiten kann“, sagt Blum. Und beim Preis von Europa kann sie genau das. „Natürlich wäre ich sehr stolz, wenn ich mit Alice eine fehlerfreie Runde reiten würde.“ Dann hätte sich Jürgen Blum auf jeden Fall zum neuen Glücksbringer entwickelt.

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