Heistern: Nachwuchshoffnung im deutschen Radsport: Per Christian Münstermann

Heistern: Nachwuchshoffnung im deutschen Radsport: Per Christian Münstermann

Per Christian Münstermann könnte eigentlich ziemlich euphorisch werden, wenn er etwas über die vergangene Saison erzählen soll, der Radrennfahrer aus Langerwehe-Heistern hat ja in diesem Jahr ziemlich viel erreicht. Münstermann, 17, ist im Juli bei der Junioren-Weltmeisterschaft an den Start gegangen, er ist dort in der Mannschaftsverfolgung unter die besten Zehn gefahren.

Auch bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren im August war er dabei; gewonnen hat er zwei Mal Silber und zwei Mal Bronze. All diese Erfolge hat Münstermann auf der Bahn eingefahren, er könnte stolz darauf sein, aber er sagt: „Eigentlich fahre ich gar nicht so gerne auf der Bahn.“ Dann lacht er.

Münstermann kann das so sagen, er ist nicht nur Bahnradfahrer. Er fährt auch Rennen auf der Straße. Münstermann kann beides sehr gut, er gilt sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße als großes Talent. Und es ist nun wirklich nicht so, dass er sich nicht über seine Erfolge auf der Bahn freuen würde oder sich keine Zukunft als Bahnradfahrer vorstellen könnte, aber ein bisschen lieber ist er eben doch auf der Straße unterwegs.

Münstermann sagt: „Auf der Bahn sieht man eben nur die Bahn, egal in welchem Land man gerade ist, auf der Straße ist es überall anders, da erlebt man viel mehr.“ Für einen Junioren wie ihn ist es normal, in beiden Sparten des Sports zu starten, beides gehört zur Ausbildung eines Radfahrers, der mal Profi werden möchte. Und das ist ja Münstermanns großes Ziel.

Und jetzt die große Karriere

Angefangen hat der junge Sportler beim RRC Düren-Merken, ohne viel Training, eher zum Spaß, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Kai Philipp, der das Ganze da schon ein bisschen ernsthafter betrieb. Irgendwann wurde Kai Philipp von einem Trainer der SG Radschläger Düsseldorf angesprochen, in Nordrhein-Westfalen gilt die SG als bester Ausbildungsverein für Talente im Radsport. Kai Philipp sagte zu, und Per Christian wechselte gleich mit. Und während sein großer Bruder mittlerweile mit dem Radsport aufgehört hat, träumt Per Christian jetzt von der ganz großen Karriere.

Münstermann trainiert sechs bis sieben Mal in der Woche, er macht neben der Schule im Grunde nichts anderes als Radfahren; Zeit für Freunde bleibt kaum. Wer Profi werden will, muss auf vieles verzichten. Und einen Plan B, sagt Münstermann, „gibt es nicht“. An einem normalen Trainingstag fahre er rund 60 Kilometer, an einem anstrengenden mehr als 150. Er trainiert mal in Düsseldorf, mal zu Hause; seine Ergebnisse werden dann direkt von seinem Radcomputer an die Trainer geschickt.

Und einmal in der Woche geht es auf die Bahn in Kaarst-Büttgen, eigentlich nur „zum Ausgleich“, so sagt es Münstermann. Während auf der Straße eher die Ausdauer trainiert werde, verschaffe einem das Fahren auf einem Bahnrad, das weder Bremsen noch eine Gangschaltung hat, Spritzigkeit und Schnelligkeit.

Es geht um Technik und Taktik, es geht darum, nicht mit dem Treten aufzuhören, auch wenn die Muskeln brennen. Und bei diesem Training hat sich eben auch gezeigt, dass Münstermann das ganz gut hinbekommt, ganz offensichtlich wird das bei seinen Ergebnissen in diesem Jahr. Er hat gleich zu Anfang des Jahres — seinem ersten von zweien bei den Junioren — Sichtungsrennen gewonnen, danach ist er für den Bundeskader nominiert worden. Als er sich dann mit dem Team bei einem Rennen in den Niederlanden auf die Weltmeisterschaft vorbereiten wollte, stürzte Münstermann schwer, er brach sich den Arm, zog sich tiefe Fleischwunden zu.

Das war Ende Mai, und nur anderthalb Monate später stand ja schon die WM an; es sah nicht gut aus. Münstermann wurde dennoch rechtzeitig fit — weil er auf dem Hometrainer einfach weiter trainierte, einarmig, mit Gips. Er sagt: „Ich wollte unbedingt bei diesem Wettkampf dabei sein, und es war ein tolles Erlebnis.“ Dass er danach bei den Deutschen Meisterschaften in Cottbus gleich vier Medaillen holte, machte das Jahr auf der Bahn perfekt.

Was nichts daran ändert, dass Münstermann lieber auf der Straße fährt. Natürlich spielt da auch eine Rolle, dass der Bahnradsport längst nicht so im Fokus steht wie der auf der Straße, selbst herausragende Sportlerinnen wie Kristina Vogel stehen im Grunde nie in der Öffentlichkeit; es sei denn, es stehen gerade Olympische Spiele an. Aus diesem Grund sind auch die Verdienstmöglichkeiten auf der Bahn viel geringer. Münstermann sagt: „Auch wenn die Erfolge auf der Bahn im Moment größer sind, hoffe ich eher auf eine Karriere auf der Straße.“ Beides gleichzeitig betreiben nur ganz wenige Fahrer, üblich ist das nicht.

Und es ist bei Münstermann ja auch nicht so, dass es nicht auch auf der Straße ganz gut gelaufen wäre. Auch da hat der Radrennfahrer auf sich aufmerksam gemacht, auch da hat er Rennen gewonnen, unter anderem den Juniorenwettkampf bei seinem Heimrennen „Rund um Merken“. Für das „Rose Team“ — die Auswahlmannschaft des NRW-Radsportverbands — fährt er in der U 19-Bundesliga.

Die kommende Saison im nächsten Jahr wird für Münstermann die letzte bei den Junioren sein, er hat sich dafür viel vorgenommen. Er will bei zwei Weltmeisterschaften dabei sein: auf der Bahn, klar, und diesmal auch bei der auf der Straße. Das würde ihm helfen, sich für einen Vertrag bei einem Profiteam zu empfehlen. Münstermann steigt Ende 2017 in die U 23 auf, und die Radmannschaften sind dazu verpflichtet, eine gewisse Anzahl dieser jungen Fahrer in ihrem Kader zu haben. Es wäre ein wichtiger Schritt zu seinem großen Ziel: einem Start bei der Tour de France. Die wichtigste Rundfahrt der Welt, das ist der Traum fast aller Radrennfahrer. Warum also sollte es bei Per Christian Münstermann anders sein?