Mönchengladbach: Mundschutz rein gegen kopfballstarke Leverkusener

Mönchengladbach: Mundschutz rein gegen kopfballstarke Leverkusener

Natürlich weiß man, dass Lucien Favre dazu neigt, inflatorisch vor Gegnern zu warnen und mitunter sie sogar zu erhöhen. Aktuelles Beispiel, das ihm womöglich demnächst wenig nette Post aus einem Zwergstaat einbringen könnte, ist die Einschätzung des 1. FC Nürnberg als Beleg für die Stärke der Bundesliga. Die Franken hätten acht, neun Nationalspieler — „und nicht von San Marino!“

Zum Glück kann kein Spielplan oder keine Auslosung San Marino zum Gegner seiner Borussia hochspülen. Und Freitagabend geht es weder gegen Nürnberg noch San Marino, sondern gegen Bayer Leverkusen, deren Loblied man ungleich einfacher anstimmen kann. Kratzt man allerdings an den oft so übertrieben wirkenden Urteilen des Schweizer Tüftlers, kommt dennoch viel Wahres zum Vorschein. Nicht nur, was die Qualität des Gegners angeht. Seine öffentliche Analyse nach der zweiten Niederlage in der Rückrunde hintereinander in Hannover fußt beruhigend auf dem Wort „Details“, die gefehlt hätten.

In der Tat unterschied sich das 1:3 in Hannover nicht „wesentlich“ von etlichen Siegen der Hinrunde. Auch dort hatten Raffael & Co. häufig Probleme, den einlullenden und sich tot laufenden Kombinationsfluss zu durchbrechen und die Tiefe zu finden. Den Unterschied zur Niederlage an der Leine machten dann häufig nur ein, zwei Einzelaktionen von Raffael oder Arango.

Neu dagegen waren gegen die 96er und auch schon bei der Niederlage gegen die Bayern die Abwehr-Klöpse: Nie waren Gegentore simpler gestrickt — und damit vermeidbar — als beim 1:0 der Münchner und den ersten beiden Toren der Niedersachsen.

Es waren jeweils genügend Gladbacher in der Nähe, die verhielten sich aber entweder falsch (Kramer bei der Entstehung des 0:1 in Hannover) oder unkonzentriert (Wendt beim finalen Kopfball zum 0:1). Ähnliches gilt für das Zweikampfverhalten von Tony Jantschke beim 0:2, der natürlich in der Rückwärtsbewegung gegen einen hochspringenden Kontrahenten null Chancen hatte.

Nun muss man nicht gleich mutmaßen, dass bei der Fokussiertheit von Lucien Favre auf die Ballzirkulation körperbetontes und aggressives Zweikampfverhalten zwangsläufig zu kurz kommt. Schließlich hat die erste Rettungsmaßnahme des Trainers vor drei Jahren, unnötige Freistöße zu vermeiden, den Weg zur Rettung geebnet. Doch das von ihm gewünschte und angestrebte intelligente Verteidigen erfordert neben klugem Stellungsspiel immer noch Geschicklichkeit und Durchsetzungsvermögen beim Körperkontakt.

Das zeigt sich brennglasartig in Kopfball-Duellen. Und speziell einer Mannschaft wie Bayer Leverkusen wird die neue Anfälligkeit der Borussen-Abwehr nicht entgangen sein. Nicht nur Stefan Kießling wird Freitagabend ein Gefahrenherd für schlafmützige Verteidiger sein. Gegen die hochgewachsenen Bayer-Profis wäre es deshalb doppelt schmerzlich, wenn Kopfballspezialist Martin Stranzl ausfiele.

Eine andere Zwangsmaßnahme könnte ebenfalls hilfreich und sinnvoll sein: Havard Nordtveit rechts in der Viererkette für den gelbgesperrten Julian Korb. Der Norweger ist größer und robuster als der Jüngling, nicht nur, weil er mit Mundschutz aufläuft. Seine Kopfballstärke könnte sowohl in der Defensive als auch Offensive hilfreich sein. Denn auch vorne besticht zur Zeit Borussia durch Harmlosigkeit in der Luft — wenn nicht gerade Peniel Mlapa eingewechselt wird. Dabei sind selbst die Ballbesitz-Weltmeister von der Isar mitunter auf Standards angewiesen, um effektiv und erfolgreich zu sein, wenn‘s mal im Kurzpass-Getriebe knirscht.

Favorit für eine Änderung im Verbund des Offensivquartetts (Arango, Herrmann, Kruse, Raffael) ist aber nicht der wuchtige Mlapa. „Ein Spieler macht Druck. Das ist Hrgota“, sagt Lucien Favre. Seine Bereitschaft zur Änderung nimmt zu. Der Druck auch. In der Hinrunde erstickte der Erfolg jede Kritik und jeden Zweifel an seiner Nibelungentreue im Keim. Dabei hatten sich auch damals schon personelle Korrekturen aufgedrängt. „Etwa gegen Dortmund, als ich in der Pause viele Anlässe hatte, etwas zu ändern. Aber ich habe der Mannschaft vertraut. Und sie hat es zurückgezahlt in der zweiten Halbzeit.“

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Nordtveit, Jantschke, Stranzl (Dominguez), Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Arango - Kruse, Raffael