Neubau „8 Grad“ am Borussia-Park: Mit viel Tradition in Gladbachs Zukunft

Neubau „8 Grad“ am Borussia-Park : Mit viel Tradition in Gladbachs Zukunft

Hotel, Museum, Fanshop: Im Neubau „8 Grad“ am Borussia-Park dreht sich alles um Fußball. Eine Besichtigung mit Rainer Bonhof.

8, 44, 100 – das sind keine Wünsche für den Platz, die Punkte und Tore in der Abschlusstabelle der Fußball-Bundesliga. Es sind Zahlen, die für Rainer Bonhof wichtig sind. Dem Vizepräsidenten von Borussia Mönchengladbach ist es eine Herzensangelegenheit, auf dem Rundgang durch den Neubau im Borussia-Park gleich seine persönliche Einordnung loszuwerden. Es geht um das imposante Gebäude, das nun mit dem Stadionbereich in Form eines H verbunden ist und wegen seiner Neigung als „Borussia 8 Grad“ firmiert.

Bei den „Innereien“ des neuen Gegenübers setzt die Gladbach-Ikone Prioritäten, die in schönen neuen Zeiten sowohl zur Fußball-Seele des ehemaligen Nationalspielers als auch zum Credo seines Klubs gehören. „Das Hotel nimmt nur 44 Prozent des Neubaus ein“, sagt der 66-Jährige energisch, der sich da­rüber ärgert, wenn Bekannte ihn fragen, wie weit denn Borussia mit dem „Hotel“ sei. „Das ist nur ein Teil des Ganzen.“

Und damit erklärt sich zugleich die Zahl 100: Bonhof steht für Authentizität, Bodenhaftung und Einsatzwillen. In der Zeit von 1963 bis 1983 auf den Fußballplätzen dieser Welt, anschließend auch als Trainer und Scout und seit dem 10. Februar 2009 als Vizepräsident seines Leib- und Magenvereins. Leitthema in all den Jahren und auch heute: der Fußball. Und deshalb weist er gleich zu Beginn der Führung durch die neuen Räume bewusst auf die übrigen 56 Prozent von 8 Grad hin: die Fohlen-Welt, der Fanshop, das neue Rehazentrum des Gesundheitspartners Medical Park, die Merchandising- und Ticketing-Abteilungen Borussias, Praxen der Borussen-Ärzte Heribert Ditzel, Stefan Hertl und Herbert Schrammen.

Mister 100 Prozent ist nicht der geborene Promoter für Hotelneubauten der „gewöhnlichen Art“; doch nach der vorsorglichen Einordnung beweist Bonhof, wie sehr er von der Idee und der Konzeption der 125 Zimmer und sechs Suiten überzeugt ist. Denn der Leitfaden für das H-Hotel ist ein fußballerischer.

Das beginnt auf den Etagen, die sich anhand von Kategorien anordnen. Auf der Europapokal-Ebene fühlt sich der Vizepräsident gleich zu Hause. Den natürlich in Grün gehaltenen Flurteppich aber möchte Bonhof am liebsten mit einem anderen Ball nutzen: „Zum Einputten“, schlägt der passionierte Golfspieler vor. Zimmer 222 aber setzt mannshoch einen anderen Sportartenschwerpunkt: Peter Nielsen prangt fast flächendeckend an der Wand, in Aktion natürlich – als Mitglied der Mannschaft, die im Europapokal 1996 in schwarzen Trikots das Rückspiel gegen Arsenal mit 3:2 gewann. Das Arsenal-Zimmer also: nichts Überkandideltes, kein Prunk oder Luxus, keine goldenen Wasserhähne, dafür viel Geschichte eingebettet in ein stimmiges Ambiente.

„Fast wie am Bökelberg“

Die Wände sind im modernen Betondesign gehalten, davor steht eine Umkleidebank, auf der Bonhof gleich Platz nimmt. „Fast wie am Bökelberg“, grinst der 66-Jährige über das kultige Detail der Innenausstattung. Traditioneller Charme – modernen Errungenschaften aber ist der ehemalige Kraftfußballer auch nicht abgeneigt. Das Probeliegen ist nicht sein Ding. „Probeduschen“, schlägt er stattdessen vor. Und beschreibt die technischen Finessen. „Du kannst sogar umschalten: von Handdusche auf Regenwaldschauerdingsbumms von oben.“

Woher kommen diese Detailkenntnisse, vielleicht doch durch eine heimliche Schulung zum „Hotelführer“? „Nein, ich habe die gleiche Dusche zu Hause.“ Donnerlüttchen! Angeblich soll man als Fußballprofi zu Bonhofs Zeiten doch so schlecht verdient haben, oder? „Ja, stimmt. Aber man muss eben gut hauswirtschaften.“

Da ist er bei Borussia gut aufgehoben. Und diese Konstellation sieht der Klub-Vize, der 231 Bundesligaspiele für Gladbach bestritt, auch für den künftigen Hotelgast gegeben. „Das macht mir mehr Spaß als ein aufgemotztes Fünf-Sterne-Zimmer. Da würde ich mich als richtiger Fan durch ganz Europa schlafen wollen.“ Etwa auch zu Füßen seines eigenen Konterfeis, gemeinsam mit Jupp Heynckes. „Das Twente-Enschede-Zimmer“, erklärt er. Bis zum persönlichen Rundlauf habe er „die Zimmer nur vom Modell“ gekannt. „Ich bin angenehm überrascht, wirklich angenehm überrascht.“

Die Erinnerungen laufen mit: Im Fitnessbereich des Medical Parks, gespickt mit modernen Maschinen, beschreibt der Mann, der in seiner aktiven Zeit bekannt und gefürchtet war für seine Athletik und Schusskraft, wie in den 60er Jahren das Equipment für außerfußballerisches Training aussah. „Räume hatten wir dafür nicht“, es fand alles draußen statt. „Mit fünf bis neun Kilogramm schweren Medizinbällen und Sandwesten.“ Alles andere erledigte man mit dem eigenen Körpergewicht. „Unser Fitnessstudio waren die Stufen des Bökelbergstadions.“ Trainieren und gleichzeitig beobachten, was auf den Trainingsplätzen passiert: Die Fensterfront bietet einen atemberaubenden Blick auf das Gelände und die Natur zu Füßen der Außenfront des 8-Grad-Gebäudes.

Vom Museum in den Fanshop

Die persönliche Führung des zweibeinigen Denkmals geht weiter – hinein in den Bereich des Gebäudes, den man Museum nennen könnte. Bei Mönchengladbach aber hat man sich für Fohlen-Welt entschieden, um mehr dem interaktiven Ansatz gerecht zu werden. Dass der Abgang im Fanshop mündet, überrascht kaum. Aber auch hier verbinden sich Einnahmen mit Service. 24 Kassen sind an den Spieltagen in Betrieb. Natürlich, um möglichst viel Geld einzunehmen, aber auch, „um die Menschen nicht durch lange Schlangen und Wartezeiten zu verärgern“, sagt Bonhof. Denn am Ende steht der Anfang und die Basis. Keine Sekunde verpassen von dem, um das sich alles dreht: das Fußballspiel im Stadion.

Mehr von Aachener Zeitung