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Eupen: Mit Ex-Aachener: KAS Eupen startet imposante Serie

Eupen : Mit Ex-Aachener: KAS Eupen startet imposante Serie

Der Verein klopft mal wieder an die Tür zur 1. belgischen Fußball-Division. Am Samstagabend feierte die KAS Eupen mit einem 2:1 gegen Virton den siebten Sieg in Folge und kann sich wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Rückkehr in die höchste Spielklasse machen. Dass es in Eupen erneut so gut läuft, ist auch das Verdienst eines ehemaligen Aacheners.

„Ich glaube, dass der Wechsel nach Eupen für mich sportlich und menschlich eine große Herausforderung war und ist. Ich kann mich glücklich schätzen, hier zu sein“, so Peter Hackenberg am Dienstagmorgen im Business-Club des Vereins. Der ehemalige Alemannia-Kapitän hat in den vergangenen Monaten bei der KAS schon einiges erlebt.

 Der Klub vertraute ihm auch in der Krise: KAS-Cheftrainer Jordi Condom.
Der Klub vertraute ihm auch in der Krise: KAS-Cheftrainer Jordi Condom.

Ende Januar unterzeichnete der 27-Jährige einen Vertrag bei einem Verein, der sich mitten in einer der schwersten Krisen der letzten Jahre befand. Heute fehlen dem Innenverteidiger und Eupen nur noch drei Siege zur Rückkehr in das Fußball-Oberhaus.

Mit dem Ziel Aufstieg waren die Eupener in die Saison gestartet. Wieder mal. Auf einen guten Start und die mehrfache Tabellenführung folgte der Absturz. Mit den Temperaturen sank auch die KAS im freien Fall in Richtung untere Tabellenhälfte. Die Situation eskalierte kurz nach dem Jahreswechsel. Innerhalb weniger Tage stellte die Eupener Vereinsführung gleich zwei Stammspieler frei. Verteidiger Rodri war bei einer Trainingseinheit gegenüber Co-Trainer Manel Exposito handgreiflich geworden, Victor Curto drängte aus privaten Gründen auf eine sofortige Vertragsauflösung.

Vom Aufstieg war am Kehrweg nach fast zwei Monaten ohne Sieg keine Rede mehr. Denn plötzlich mussten die Eupener darum zittern, dem Profifußball auch in der nächsten Saison anzugehören — und das als Tabellensiebter. Die Gründe dafür lagen weniger an den durchwachsenen bis schlechten Leistungen der Eupener, sondern vielmehr beim belgischen Fußballbund.

Während die meisten europäischen Verbände an einem klassischen Spielsystem mit Meister und einem bis zwei Absteigern festhalten, hat man sich in Belgien wieder etwas Neues, beinahe Wahnwitziges einfallen lassen. Ab dem kommenden Sommer wird es nämlich nur noch zwei Profiligen geben. So weit, so gut. Den eigentlichen Haken findet man jedoch nicht in der 1. Liga, der sogenannten Jupiler Pro League, sondern ein Stockwerk tiefer.

In der 2. Liga gehen ab der Spielzeit 2016/2017 nur noch die acht Teams an den Start, die entweder aus der 1. Liga absteigen oder es in dieser Saison auf einen der ersten sieben Tabellenplätze schaffen. In zwei Runden, praktisch im Hin- und Rückrundensystem, wird gegen den Ball getreten. Die jeweiligen Gewinner bestreiten am Ende der Saison das Endspiel um den Aufstieg. Die KAS Eupen würde in diesem Falle vier Mal gegen Gegner X spielen. Was vor allem aus Sicht der Fans ziemlich langweilig klingt, soll in erster Linie verhindern, dass in Zukunft weiter reihenweise Klubs vor dem finanziellen Ruin stehen. Kurzum: Wer es sich nicht leisten kann, spielt ab Juli in einer reinen Amateurklasse.

Zurück zur KAS Eupen: Zu Beginn des Jahres lagen die Schwarz-Weißen am Boden. Aus einem der größten Favoriten auf den Aufstieg war ein zerrüttetes Team geworden. Auch ein einwöchiges, viel kritisiertes Trainingslager in Doha/Katar brachte nicht den gewünschten Effekt. Neun von zehn Vereinen hätten wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt die Notbremse gezogen und den Cheftrainer vor die Tür gesetzt.

Aber gerade das tat man in Eupen eben nicht. „Harte Arbeit wird sich irgendwann auszahlen“, hatte Jordi Condom immer wieder betont. Der Spanier sollte recht behalten. Denn in den letzten sieben Wochen eilten die Eupener von Sieg zu Sieg. Den Rückstand auf Tabellenführer Royal Antwerpen verkürzte man so von zwölf auf einen Zähler.

Dass es rund 20 Kilometer von Aachen entfernt sportlich wieder in den richtigen Bahnen läuft, ist auch das Verdienst von Peter Hackenberg. In der Kaiserstadt ist der großgewachsene Innenverteidiger kein unbeschriebenes Blatt. Bei Alemannia Aachen wurde er suspendiert, bei der KAS Eupen auf Anhieb zum Führungsspieler.

„Alleine durch mein Coaching kann ich jede Mannschaft um zehn Prozent besser machen“, hatte Hackenberg bei seiner Vorstellung versprochen — und bislang hat er niemanden enttäuscht. Ständig gibt der 1,96-Meter-Hüne Anweisungen, klopft Schultern oder mahnt zur Vorsicht. „Mir wurde immer gesagt, dass gerade das mein größter Pluspunkt ist. Ich will organisieren, kontrollieren und meine Mitspieler mitreißen. Dass ich vom Talent oder vom Technischen her nicht das Nonplusultra in unserer Mannschaft bin, weiß ich. Aber ich kann mit anderen Attributen glänzen“, so Hackenberg.

Kontakte zu ehemaligen Mitspielern pflegt er nach wie vor. An den Tivoli hat er es seit seinem Wechsel nicht mehr geschafft. „Ich denke, wenn die Saison mit Eupen vorbei ist, werde ich sicher nochmal zum Tivoli gehen. Aber im Moment konzentriere ich mich nur auf die restlichen Spiele.“

Seit mittlerweile acht Wochen hat der Blondschopf keine Minute verpasst. Spielertypen wie Hackenberg sind in Eupen nicht nur einfache Fußballprofis. Sie sind Vorbilder für die vielen jungen Akteure aus dem afrikanischen Raum, die aufgrund einer Zusammenarbeit mit der katarischen Aspire Academy in Belgien zu Weltstars heranreifen sollen. „Wir haben vom Potenzial und Talent her Spieler im Kader, da komme ich in meinem Leben nie hin. Es macht schon Spaß, ihnen beim Spielen zuzusehen. So, wie sie den Fußball zelebrieren, schnalzt man selbst als Verteidiger manchmal mit der Zunge.“