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Düren: Liebers Traum: Sieg über den Weltmeister

Düren : Liebers Traum: Sieg über den Weltmeister

Till Lieber verstand sein eigenes Wort nicht mehr. Geschweige denn das seiner Mitstreiter. Da half nur noch die Zeichensprache.

Nun kommunizieren die Volleyballer speziell über ihren Zuspieler häufig über die Haltung der einzelnen Finger.

Doch im brasilianischen Hexenkessel blieb dem Libero des Bundesligisten Evivo Düren und den anderen Aktiven des deutschen Nationalteams wirklich keine Wahl.

„Sensationell, unglaublich”, umschreibt Libero Lieber den Enthusiasmus der 20.000 Brasilianer, die ihre Weltmeister in den beiden siegreichen Weltligapartien über Deutschland anfeuerten.

Gänsehaut bekam der 21-Jährige schon beim Abspielen der Nationalhymnen: Nur 30 Sekunden gestattet der Weltverband. Doch auch ohne Musik sangen die Zuschauer ihre Hymne bis zum letzten Ton.

Dass die Auswahl von Stelian Moculescu in den beiden Partien gegen den Weltmeister nur einen Satz gewann, ist für Till Lieber zweitrangig: „Wichtig ist die Europameisterschaft 2003 im eigenen Land. Da müssen wir gut sein. Und was kann es für uns Besseres geben, als gegen die besten Teams auf dem Globus zu spielen?”

Und was kann es für einen jungen Volleyballer mit erst 13 Länderspielen Besseres geben, als mit dem Bundestrainer und Übungsleiter des VfB Friedrichshafen zusammenzuarbeiten: „In den anderthalb Monaten, in denen ich in diesem Jahr mit Stelian Moculescu trainieren durfte, habe ich unheimlich viel gelernt. Mehr als ich in einer Saison in einem Bundesligaverein lernen kann. Moculescu ist einfach ein sagenhafter Trainer.”

Ein Mann, dem ein Lob auch nicht so leicht über die Lippen fließt. „Ich habe mir schon etliche kritische Worte anhören müssen”, schmunzelt Lieber. Umso mehr freut sich der Dürener über verbale Streicheleinheiten - wie nach dem nur knapp verpassten Sieg in der Weltligapartie gegen Italien.

Wie gut Till Lieber zurzeit auf seiner Libero-Position in der National-Sechs agiert, verdeutlichen auch Zahlen: Die aktuelle Weltliga-Statistik weist ihn als den besten deutschen Spieler in den Kategorien Abwehr und Annahme aus. Und unter allen Spielern in der Weltliga rangiert er in der Annahme an 13. Stelle, in der Abwehr gar auf Platz 4.

Am Samstag Abend darf der junge Mann aus Düren wieder von der ersten Minute an als Libero agieren. Und das selbstbewusst: „Es läuft für uns immer besser. Warum sollen wir nicht die Sensation schaffen?” Die Überraschung wäre ein Sieg - über den Weltmeister. In Berlin stehen die beiden Rückspiele gegen Brasilien an.