Aachen: Lea Gasparovic startet in ihre zweite Tennisbundesliga-Saison

Aachen: Lea Gasparovic startet in ihre zweite Tennisbundesliga-Saison

Das selbst auferlegte Programm ist kein kleines. Für einen „fertigen“ Profisportler nicht, für eine erst 17-Jährige erst recht nicht. Zwei Stunden Tennistraining am Vormittag, drei Stunden Tennistraining am Nachmittag — bevorzugt mit (oder gegen) männliche Sparringspartner. Dazu eine Stunde Krafttraining obendrein. Und das Tag für Tag.

Und dennoch legt Lea Gasparovic, die mit Blau-Weiss Aachen am Freitag in ihre zweite Saison in der Frauen-Tennisbundesliga startet, nach dem möglichen Abstieg befragt, eine Abgeklärtheit an den Tag, die man manch 30-Jähriger wünschen würde: „Auch wenn wir absteigen sollten, na und? Wenn man sieht, was sonst so auf der Welt passiert, kann man nur sagen, dass wir sehr privilegiert sind, professionell Sport treiben zu dürfen.“

Aber vielleicht ist diese Demut auch angebracht, wenn man sich als Spielerin von Blau-Weiss Aachen in der Tennisbundesliga mit den ganz Großen der Branche misst — und messen muss. „Wenn man sieht, was die anderen Vereine so auffahren, glaubt man, dass es um den Weltmeisterschaftstitel geht“, denkt Ivan Gasparovic, Vater und Trainer in Personalunion. „Mit Ausnahme der US-Amerikanerinnen spielt die komplette Top 50 in den Bundesliga-Vereinen.“

So führt die Meldeliste des TC Rüppurr Karlsruhe, erster Gegner der Frauen von Blau-Weiss und hinter den beiden Aufsteigern Etuf Essen und Eckert Tennis Team Regensburg Nachrücker in die Bundesliga, etwa Sabine Lisicki an Nummer eins. Annika Beck folgt auf Position drei, und Lea Gasparovic als Nummer sechs in den Einzeln von Blau-Weiss könnte es direkt mit Dinah Pfitzenmaier zu tun bekommen, immerhin Nummer 144 in der Welt. Um die Größenverhältnisse klarzumachen: Die Women‘s Tennis Association kennt den Namen Lea Gasparovic, führt aber nur ein einziges 10.000-Dollar-Turnier in Luxemburg auf und hat noch keine Platzierung in der Welt für sie vergeben.

Dabei ist die 17-Jährige als 48. der deutschen Rangliste schon sehr weit geklettert für ihr Alter, immerhin ist sie deutsche U 18-Meisterin. Sie bekommt mit Unterstützung des TK Blau-Weiss regelmäßig Training mit dem A-Schein-Inhaber Alexander Jakubec, fährt einmal monatlich für eine Woche nach Stuttgart, wo sie Teil des Nachwuchs-Teams von FedCup-Chefin Barbara Rittner ist.

Irgendwann einmal mit dem großen Sport auch das große Geld zu verdienen, „das kommt an letzter Stelle, das ist der allerletzte Faktor“, meint Papa Ivan, der den jährlichen Aufwand mit Unterstützung durch Blau-Weiss, den Tennisverband Mittelrhein und den DTB auf 25.000 Euro schätzt. „Sport auf diesem Niveau ist eher eine Philosophie.“

So trifft es sich ganz gut, dass der Verein dem Bundesliga-Team eine ganz familiäre Philosophie bietet, das Team über Jahre gewachsen ist und bis auf die Niederländerin Quirine Lemoine, die neu im Team ist, dieselben Gesichter aufweist wie im vergangenen Jahr. In der Premieren-Saison gelang am letzten Spieltag der Klassenerhalt, und die glückliche Fügung bei den anderen Partien bescherte den Aachenerinnen in der Schlussabrechnung Platz vier.

Ob die große Überraschung aus dem Aufstiegsjahr ein zweites Mal gelingt, dürfte erneut vom Zusammenhalt im Team abhängen, und die ersten Punkte könnten schon am Sonntag (ab 11 Uhr) auf dem Konto sein, wenn Etuf Essen am Luxemburger Ring gastiert. Zumindest von der Papierform her auch für den Underdog aus Aachen ein schlagbarer Gegner.