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Aachen: Kutscher der Königin und Überzeugungstäter

Aachen : Kutscher der Königin und Überzeugungstäter

Es gibt eine Menge Geschichten über ihn. Aber die entlocken Ijsbrand Chardon nur ein müden Lächeln.

Er sorgte für sportliche Schlagzeilen und war der Kutscher des Gespanns, in dem die niederländische Königin Beatrix zur Krönung chauffiert wurde. Aber der 48-jährige Mann aus den Hoorn vor den Toren von Delft ist sehr bestimmt, wenn es um die Gewichtung seiner diversen Unternehmungen geht. „Mein Hauptberuf ist Vierspännerfahren”, netont er.

Was Ijsbrand Chardon macht, das macht er professionell. „Klar bin ich ehrgeizig”, sagt er. „Aber ich bin nicht blind vor Ehrgeiz. Ich habe Respekt vor meinen Konkurrenten. Und wenn Einer besser ist als ich, dann kann auch ruhig schlafen, wenn ich nicht gewonnen habe.” Was in diesen Tagen allerdings nicht so häufig geschieht. „Wir haben ein sehr gutes Jahr”, meint er beiläufig.

„Wir haben die Hallen-WM in Göteborg vor Michael Freund gewonnen, sind niederländische Meister geworden und führen im FEI Drivers Award (eine Art Weltcup-Wertung, d.Red.).” Und ab Donnerstag geht er in Aachen als Top-Favorit auf den WM-Titel an den Start. Es wäre bereits sein vierter. Ijsbrand Chardon ist auf dem besten Weg, der erfolgreichste Gespannfahrer aller Zeiten zu werden.

„Da muss alles passen”

Chardon weigert sich aber, das alles seinen Fähigkeiten als Kutscher zuzuschreiben. „Du musst eine gute Mannschaft haben”, bringt er sein Team ins Gespräch. „Da muss alles passen. Wenn nur ein Teil des Ganzen nicht funktioniert, hast du keine Chance. Du brauchst Teamplayer in Bestform.”

Und dass die ihm zur Verfügung steht, dafür sorgt das System, das er aufgebaut hat. Ein hat ein Netz von Scouts geknüpft, die für ihn ständig Ausschau nach geeigneten Pferden halten. Und die besten zehn Pferden, die ihm empfohlen und die er im Vorfeld selbst in Augenschein genommen hat, kommen dann für eine Woche in seinen Stall. „Eines davon gehört danach zu meinen neun Turnierpferden.” In diese Auswahl investiert er viel Zeit und Kraft.

Das System Chardon soll seinem Chef eine Spitzenposition im Sport auf Jahre hinaus sichern. „Der Antrieb muss aber von innen heraus kommen”, sagt er. „Kein Fahrer fährt, um Geld zu verdienen. Bei mir sind die Betriebskosten durch Sponsoren abgedeckt. Das Preisgeld ist nur ein Extra. Damit kann ich ja vorher nicht kalkulieren.”

Dabei hätte es Chardon gar nicht nötig, von Turnier zu Turnier zu reisen. Mit seiner Frau hat er den Hof seiner Eltern zu einer Reitschule umgestaltet, in der 450 Reiter pro Woche Reitstunden nehmen.

20 Hochzeitskutschen hat er in der Scheune, in denen sich heiratswillige Niederländer zur Trauung chauffieren lassen. Außerdem werden dort Pferde ausgebildet. Für die Geschäftsführung hat Ijsbrand Chardon einen Betriebsleiter eingestellt. Der Mann kann delegieren. Auch deshalb hat er noch Zeit für Gattin Pauline und die vier Kinder. Ohne den Sport zu vernachlässigen.

von der Reit-WM