Kreuzbandriss: Handball-Nationalspieler Simon Ernst vor Karriereende

Der nächste Kreuzbandriss : Dürener Handball-Nationalspieler Ernst droht das Karriereende

Dem aus Düren stammenden Handball-Nationalspieler Simon Ernst von Bundesligist Füchse Berlin droht im Alter von nur 25 Jahren das frühzeitige Ende seiner Karriere – wegen der dritten schweren Knieverletzung in seiner noch jungen Karriere.

Es braucht nicht viel, um einzuordnen, wie bitter die Nachricht von Simon Ernsts drittem Kreuzbandriss für alle Beteiligten ist, für den deutschen Handball, für den Bundesligisten Füchste Berlin und vor allem für den Profi selbst. Es reicht ein Zitat von Bob Hanning, er sagte am Montagmittag: „Das ist der schwärzeste Tag, seit ich bei den Füchsen bin.“

Und das ist er schon ziemlich lange, der Manager arbeitet seit fast 15 Jahren für die Berliner. „Wir stehen alle noch sehr unter Schock und sind fassungslos“, sagte Hanning. Und Trainer Velimir Petkovic fügte hinzu: „Das ist ein Riesenschock für uns alle – und eine Katastrophe für Simon.“ Die schlimmsten Befürchtungen hatten sich da gerade bestätigt: Ernst hat sich das Kreuzband gerissen, zum dritten Mal, rechtes Knie, vorderes Band – mit nur 25 Jahren.

Traurige Gewissheit

Der Rückraumspieler, der aus Düren-Birkesdorf kommt, hatte sich am Sonntag im Duell der Füchse mit dem Bergischen HC (27:24) verletzt – in einer Szene, die harmlos aussah: Ernst war nach einer Abwehraktion zwar erst noch mit nach vorne gelaufen, drehte dann aber zur Ersatzbank ab – und kehrte nicht mehr aufs Spielfeld zurück. „Die Mannschaft hat auch gespürt, dass etwas nicht stimmt – aber wir wollten abwarten“, sagte Petkovic. Am Montagmorgen brachte die MRT-Untersuchung traurige Gewissheit.

Ernst hatte sich bereits im Juni 2017 und im Februar 2018 dieselbe Verletzung zugezogen, damals spielte er noch für den VfL Gummersbach. Die Berliner hatten den Spielmacher bereits kurz nach seiner ersten Verletzung verpflichtet; sein Debüt für die Füchse gab Ernst aber erst zu Beginn der neuen Saison – nach rund anderthalb Jahren Reha wegen des zweiten Kreuzbandrisses. Auf dem Spielfeld war nichts davon zu sehen, dass er durch die Verletzungen gehandicapt gewesen wäre, im Gegenteil: Der Handballprofi überzeugte sofort und bildete im Rückraum des Bundesligisten mit Fabian Wiede und Paul Drux ein starkes Trio. Wegen seiner Leistungen durfte sich Ernst sogar Hoffnungen machen, wieder für die deutsche Nationalmannschaft nominiert zu werden, mit der er 2016 Europameister geworden war. Das ist nun wieder in weite Ferne gerückt; der Dürener fällt erneut lange aus – mindestens ein halbes Jahr.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob Ernst überhaupt noch eimal in den Profisport zurückkehren kann, ob sein Körper den enormen Belastungen standhalten kann. Von einem frühen Karriereende sprach am Montag niemand, aber der Spielmacher selbst hatte in einem Interview mit unserer Zeitung Anfang des Jahres selbst gesagt, dass er bereits nach dem zweiten Kreuzbandriss Angst davor hatte: „Das war meine zweite schwerwiegende Verletzung, und ich weiß: Das muss die letzte gewesen sein.“ Er hatte bereits zu Beginn seiner Laufbahn parallel ein Sportmanagement-Studium aufgenommen, um sich „ein zweites Standbein“ aufzubauen, sagte er – und weil er wisse, „dass so eine Laufbahn schnell vorbei sein kann“.

Verlassen kann sich Ernst auf die Unterstützung seines Vereins und seiner Mitspieler, die mit ihm litten. „Sport ist nicht fair – Kackverletzung“, schrieb Torwart Silivio Heinevetter im Internet. Wiede kommentierte den erneuten Rückschlag für seinen Teamkollegen mit einem englischen Fluchwort mit F. Und Hanning versprach, dass die Füchse Ernst auf seinem Weg weiter „maximal unterstützen“ werden. Wohin auch immer dieser Weg führen wird.

(red)
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