Kommentiert: Warum denn nicht mal ohne Toni Kroos?

Kommentiert: Warum denn nicht mal ohne Toni Kroos?

Für Joachim Löw ist es eigentlich ganz gut, dass er diesen Artikel vermutlich nicht liest. Dem Bundestrainer würde vor Schreck wahrscheinlich die Espressotasse aus der Hand fallen, wenn er die Aufstellung für das Spiel gegen Schweden sehen könnte. Da fehlt ja Toni Kroos!

Ausgerechnet Kroos. Löws Lenker, Löws Antreiber, Löws Chef. Aber der Reihe nach. Die deutsche Nationalmannschaft sollte am Samstagabend so starten: Neuer — Boateng, Süle, Hummels — Kimmich, Gündogan, Hector — Reus — Müller, Gomez, Brandt.

Es versteht sich, dass der Bundestrainer nach dem Desaster gegen Mexiko etwas ändern muss, taktisch und personell, auch wenn Löw eine solche Rotation eigentlich missfällt. Er muss die Defensive stärken: Sami Khedira raus, Niklas Süle rein. Der Innenverteidiger des FC Bayern hat seine Klasse bereits in der Champions League unter Beweis gestellt. Er würde mit Jérôme Boateng und Mats Hummels für mehr Stabilität sorgen, so dass Joshua Kimmichs Ausflüge nicht mehr ganz so prekär wären.

Und Kroos? Löw wird wohl nicht auf ihn verzichten, der Mittelfeldspieler gilt als unantastbar. Für den Trainer. Und für die meisten Fans. Hat ja auch schon viele gute Spiele gemacht, vier Mal die Champions League gewonnen. Ein Großer, kein Zweifel. Gegen Mexiko wirkte Kroos aber ausgelaugt und uninspiriert, er spielte gefühlt 832 Querpässe. Kein Lenker, kein Antreiber, kein Chef. Gerade gegen Mexiko hätte es das gebraucht. Werbung in eigener Sache war das nicht. Warum also nicht Ilkay Gündogan gegen Schweden aufstellen? Hat zwar zuletzt auf und neben dem Platz auch keine Werbung in eigener Sache gemacht, ist aber ein genialer Fußballer. Ein ähnlicher Typ wie Kroos, wenn auch kein Chef.

Diese Rolle könnte ein anderer übernehmen: Marco Reus. Er muss von Beginn an ran, auf der Zehn. Reus kann kluge Pässe spielen, mit Thomas Müller und Julian Brandt Lücken reißen — für Mario Gomez. Dass Timo Werner nämlich kein Stürmer ist, der gegen Teams funktioniert, die Deutschland das Spiel überlassen, hat am Sonntag jeder sehen können. Werner braucht Platz, um seine Schnelligkeit auszuspielen, Platz, den er auch gegen Schweden nicht haben wird. Gomez ist die bessere Wahl.

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