Kommentiert: Die gleiche Mannschaft, aber nicht dieselbe

Kommentiert: Die gleiche Mannschaft, aber nicht dieselbe

Neuer — Kimmich, Boateng, Hummels, Plattenhardt — Khedira, Kroos — Müller, Özil, Draxler — Werner: Potzblitz, ist das nicht die Startelf von der Mexiko-Schmach? Ist sie, es ist die gleiche Mannschaft, aber nicht dieselbe.

Die Namen sind identisch, aber die „Inhalte“ anders. Eine Niederlage ist eine Niederlage ist eine Niederlage: mehr nicht! Die Bereitschaft, diese zu akzeptieren, unterschreibt jeder Mensch, wenn er eine Sportlerkarriere startet. Kein Grund also, dass jetzt bereits alle Besserwisser und Wichtigtuer aus ihren Löchern kommen.

Niemand muss auf die Couch, die Erhebungsbögen der seelischen Befindlichkeiten müssen nicht hektisch studiert werden. Es ist noch nicht die Zeit der Psychoklempner, die übereifrig ihre Daseinsberechtigung nachweisen wollen. Seelischen Beistand nach nur einem Negativerlebnis: Profifußballer hätten keine Zeit mehr zu trainieren vor lauter Therapiesitzungen. Also, einfach mal Klappe halten! Oder die Ratschläge mit dem Wort „Anzeige“ kennzeichnen. Die Gruppe heißt im Fußball immer noch Mannschaft, und Grüppchenbildung liegt in der Natur des Menschen. Und Joshua Kimmich hat sich nicht beim 0:1 von Manuel Neuer „distanziert“, weil er nicht auf Blond steht und lieber die Nähe von Mesut Özil wegen dessen schönen, großen Augen gesucht hat! Er war wieder mal taktisch fehlgeleitet und wurde dabei auch nicht von außen gebremst.

Eine Mannschaft ist durchaus eine Glaubensgemeinschaft, verbunden durch die schönste Religion: Fußball. Und in diesem Fall auch noch durch das Ziel: Wiedergutmachung. Tätige Reue durch ein Mea-culpa-Team gegen Schweden statt elf neuer Spieler. Gegen taktisches Versagen hilft auch kein Seelenstriptease. Eher ein Tritt in den Allerwertesten, verabreicht durch den dafür zuständigen Mann: Joachim Löw.

Und dabei sollte der Bundestrainer sich selbst nicht vergessen, auch wenn das allenfalls mit der Hacke gelingen wird: Schließlich hat er eine Führungsposition in Sachen richtiger Taktik. Und dabei hat er zum Auftakt versagt. Aber deshalb muss er genauso wenig gleich ausgetauscht werden wie seine Schüler. Besser machen, und mit irdischen Dingen anfangen!

Vorbild Andreas Granqvist: Der Kapitän des kommenden Gegners Schweden will einfach nur gewinnen. Und würde, auch wenn er Titelverteidiger wäre, nicht krampfhaft versuchen, weltmeisterlich zu spielen. Erst kommt die Arbeit — und dann die Kunst. Auch für all die Özils und Kroose. Die werden morgen eine neue Chance bekommen, im Gegensatz zu einigen Kollegen.