Kommentiert: Der kleine Neustart

Kommentiert: Der kleine Neustart

Nein, eine Revolution hat es nicht gegeben, aber damit hat ja auch niemand wirklich gerechnet. Joachim Löws größte Kritiker hatten sogar befürchtet, die Analyse des Debakels bei der Weltmeisterschaft würde nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Phrasen werden. Auch so ist es nicht gekommen. Der Bundestrainer hat einen kleinen Neustart ausgerufen. Immerhin.

Bemerkenswert ist, dass sich Löw selbst ins Zentrum des Neustarts stellt. Seine Aufarbeitung geriet selbstkritisch; er hat Fehler eingeräumt, die Verantwortung übernommen, ohne Einschränkung, in aller Öffentlichkeit. Was vor allem eines bedeutet: Damit es wieder besser wird, müssen die Veränderungen bei Löw selbst beginnen. Und nicht im Kader, der nur sanft angepasst wurde. Es ist ja nicht so, als wären 23 schlechte Fußballer zur WM gefahren.

Natürlich konnte Löw es sich leisten, so hart mit sich selbst ins Gericht gehen zu können, die Verantwortlichen hatten ihm ja gleich nach dem peinlichen Vorrunden-Aus einen Freifahrtschein ausgestellt. Der Bundestrainer will nun seine Arbeit überdenken, neue Reize schaffen, neue Taktiken entwickeln, eine neue Gemeinschaft formen. Das kann nur der Anstoß sein, den vielen Worten müssen Taten folgen. Damit der kleine Neustart ein guter werden kann.

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