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Köln: Köln mit Risiko, Leidenschaft und Tony Modeste

Köln : Köln mit Risiko, Leidenschaft und Tony Modeste

Anthony Modeste hatte schon geahnt, dass die Journalisten nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund nach ihm verlangen würden, er hatte schließlich das 2:1 für seinen 1. FC Köln geschossen, in der 90. Minute, und nach Siegtorschützen wird nach Abpfiff oft verlangt.

Es war ja auch nicht irgendein Sieg, es war einer gegen den Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga; einer, bei dem der FC bis zur 82. Minute zurückgelegen hatte, einer, der frenetisch bejubelt wurde. Und es kam noch hinzu, dass es für Modeste das erste Tor nach 682 Minuten war.

Zufrieden und glücklich

Über dieses Fußballspiel mit märchenhafter Dramaturgie sprechen, das wollte Modeste aber dennoch nicht, er ist kein Mann großer Worte. Und so versuchte der Stürmer, nach der Feier auf dem Rasen unbemerkt in der Kabine zu verschwinden, was einem Siegtorschützen freilich selten gelingt. Modeste stand dann also doch vor zwei Kameras, er sagte, er sei „zufrieden“ und „glücklich“ über Sieg und Tor. Modeste lächelte, eilte wieder Richtung Kabinentür, und als ihn auf seinem Weg dorthin die übrigen Journalisten riefen, um noch ein paar Sätze zu ergattern, sprach Modeste nur ein leises „Non, non“, lächelte wieder und verschwand.

Eigentlich hätte Modeste gar nichts sagen müssen, mit seinem Tor hatte er ja für genügend Gesprächsstoff gesorgt, und die Analyse dieses großen Kölner Sieges übernahmen dann andere. Matthias Lehmann zum Beispiel, der Kapitän, sagte: „Alles ist aufgegangen, alles war perfekt, da kann man sich nicht beschweren.“ Dieses Fazit war natürlich reichlich euphorisch, ganz reibungslos war der Sieg gegen Dortmund nicht zustande gekommen, aber das ist gegen einen so spielstarken Gegner auch kaum möglich. Verdient war der Kölner Erfolg am Ende dennoch, und das ließ sogar den sonst so nüchternen Trainer Peter Stöger schwärmen: „Wir sind richtig glücklich, dass wir dieses außergewöhnliche Spiel gegen einen außergewöhnlichen Gegner zu Hause gewinnen konnten.“

Das größte Plus des FC an diesem Tag war die Leidenschaft, auf und neben dem Platz, die der Spieler und der Fans. Nach dem Rückstand fand sich kein Kölner mit der Niederlage ab, nach dem Ausgleich kein Kölner mit dem Remis. „Sie haben die Partie auf eine emotionale Ebene gehoben“, sagte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel. Ausschlaggebend war aber auch die taktische Disziplin des FC, mit der er den BVB seiner Stärken beraubte. Den Kölnern war es über weite Strecken des Spiels gelungen, dem BVB keine Räume für sein Kombinationsspiel zu überlassen.

Stöger hatte drei Innenverteidiger aufgestellt und mit den hochstehenden Außenverteidigern Pawel Olkowski und Jonas Hector das Mittelfeld verdichtet. Die Dortmunder hatten weder Raum noch Zeit, das Spiel zu gestalten, und so kam es, dass die Borussia zwar oft den Ball, aber kaum eine Torchance hatte; die Führung durch Sokratis‘ Kopfball fiel bezeichnenderweise nach einem Eckball (18.). Stögers Taktik war aufgegangen, er sagte: „Das haben die Spieler toll gemacht.“ Vor allem Lehmann und Frederik Sörensen machten ein sehr starkes Spiel.

Und da war noch etwas, was viel besser war als zuletzt: die Chancenverwertung. Gegen Sörensen (31.) und Yannick Gerhardt (79.) hielt BVB-Torwart Roman Bürki stark, bei Simon Zollers (82.) und Modestes Treffer lohnte sich Kölns Risiko. Stöger sagte: „Wir haben die Chancen genutzt, die wir zuletzt liegengelassen haben, und dann gewinnt man eben ein Spiel, mit dem man nicht gerechnet hat.“

Mit 24 Punkten steht der FC jetzt auf Platz neun, hat zehn Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze und Kontakt zum oberen Tabellendrittel, Weihnachten kann kommen. Auch für den Torschützen Anthony Modeste. Manager Jörg Schmadtke sagte: „Es ist nicht nur eine schöne Geschichte für die Medien, es ist auch wichtig, dass ein Spieler mit einem guten Gefühl in die Winterpause geht.“

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