Domspringen: Jacobsson trotzt den widrigen Bedingungen

Domspringen : Jacobsson trotzt den widrigen Bedingungen

Im Vorfeld des 15. NetAachen-Domspringen waren alle ins Schwärmen geraten, die Organisatoren, aber auch die Athleten selbst, und das hatte ja auch seinen Grund. Auf dem Katschhof ging das bislang beste Teilnehmerfeld an den Start, es war ein bisschen wie eine inoffzielle Weltmeisterschaft vor der richtigen Weltmeisterschaft in rund vier Wochen in Doha.

Und natürlich hatten auch auf dem Katschhof viele auf die Medaillenkandidaten Piotr Lisek, Renaud Lavillenie und Pawel Wojciechowski oder den besten Deutschen Torben Blech gesetzt – aber im Sport ist das mit den Vorhersagen wie beim Wetter ja immer so eine Sache: Am Ende gewann jedenfalls Melker Jacobsson ziemlich überraschend und bei widrigen Witterungsbedingungen.

„Ein besonderes Springen, ein besonderer Sieg – ich freue mich sehr“, sagte der Schwede. Für den Sieg genügte Jacobsson eine Höhe von 5,61 Meter; es war die zweitniedrigste Höhe, die je zum Sieg auf dem Katschhof gereicht hat. Auf den Plätzen folgten der deutsche Nachwuchsspringer Gordon Porsch und der Belgier Ben Broeders, die sich den zweiten Rang teilten; der deutsche WM-Springer Bo Kanda Lita Baehre wurde Vierter (alle 5,51 Meter). Die Favoriten hatten mit der Entscheidung nichts zu tun, Olympiasieger Lavillenie wurde ohne gültigen Versuch sogar Letzter.

„Es ist schade, dass die sportliche Leistung nicht so stark war wie in den Vorjahren – aber bei dem schlechten Wetter und dem erhöhten Verletzungsrisiko für die Springer ist das irgendwie nachvollziehbar“, sagte Michael Leers, der das Domspringen für Ausrichter Alemannia Aachen organisiert. „Die Leistung der vielen, vielen Zuschauer war dafür umso großartiger.“

Begonnen hatte der Wettkampf mit knapp anderthalb Stunden Verspätung – wegen des Wetters; es hatte heftig geregnet, es wurde deutlich kühler, beides hatten die Meteorologen richtig vorausgesagt. Den 5000 Zuschauern auf dem Katschhof machte das nichts aus, sie verharrten auf ihren Plätzen, klatschten sich warm. Die Athleten hatten da schon mehr Probleme, die Aufwärmzeit für die Springer vor dem Start des Wettkampfs war kurz. Und das äußerte sich auch darin, dass viele Springer bereits früh einstiegen. Fünf Springer begangen mit 5,21 Meter, und selbst Spitzenathleten wie Lisek, Wojciechowski und Blech starteten bereits bei 5,36 Meter – außer Lavillenie nahmen alle Teilnehmer diese zweite Höhe des Abends in Angriff. Für Vorjahressieger Lisek war sie kein Problem, andere taten sich schwerer: Blech brauchte zwei Versuche, Lita Baehre und Wojciechowski sogar drei.

Bei 5,51 stieg schließlich auch Lavillenie ein; der Franzose scheiterte im ersten Anlauf – wie auch die übrigen neun Springer, die noch im Wettbewerb waren. Der erste Athlet, der die Höhe meisterte, war ein bisschen überraschend der junge Deutsche Porsch, Lita Baehre und Broeders zogen in Runde zwei nach – aber die Favoriten strauchelten schon jetzt: Blech, Wojciechowski, Lavillenie und Lisek mussten in den dritten Versuch. Und wenig später waren sie alle ausgeschieden. Weil Lavillenie, der das Domspringen bei seinem bis Mittwoch einzigen Start in Aachen in diesem Jahr damit sogar gänzlich ohne gültige Höhe blieb, stand er am Ende ganz unten auf der Ergebnisliste.

Neben Lita Baehre und Broeders waren überraschend nur noch der Amerikaner Scott Houston, Porsch und Jacobsson im Rennen um den Sieg. Und der Schwede setzte das Ausrufezeichen: Er übersprang 5,61 Meter gleich im ersten Versuch – während seine verbliebenen Kontrahenten sich die Zähne ausbissen. Keiner konnte nachziehen, Jacobsson stand als Sieger fest – und sprang danach nur noch ein bisschen für die vielen Zuschauer: Er versuchte sich drei Mal an den 5,80 Meter, ein gültiger Versuch hätte die Norm für die Olympischen Spiele 2020 bedeutet. Der Schwede scheiterte drei Mal. Jubel gab’s dennoch – für einen verdienten aber auch überraschenden Gewinner.

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