Aachen: Ironman auf Hawaii: Sechs Starter aus der Region sind dabei

Aachen: Ironman auf Hawaii: Sechs Starter aus der Region sind dabei

Wer im Internet auf die Suche nach Fotos von Hawaii geht, der stößt schon nach wenigen Klicks auf Bilder von schönen Stränden, von klarem Meerwasser, von hübschen Landschaften. Nur zwei, drei Klicks entfernt findet er aber auch diese ganz anderen Bilder.

Sportler, die an ihre Grenzen gehen, sind darauf zu sehen, Schmerz und Leidenschaft sind in ihren Gesichtern abzulesen. Wenn auf Hawaii der Ironman steigt, ist die schöne Umgebung nur noch Kulisse. Am Samstag ist es wieder so weit, über 2000 Teilnehmer werden dabei sein — darunter auch sechs Triathleten aus der Region.

Kristina Ziemons, 30 Jahre, DLC Aachen. Ziel: Das Beste herausholen.

Königsdisziplin der Triathleten

Markus Ganser, 42 Jahre, Brander DV TriTeam. Ziel: Neue Bestzeit auf Hawaii.

Hawaii ist eben auch untrennbar mit dem Ironman verbunden, der Königsdisziplin des Triathlons. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen — höllische Strapazen in paradiesischer Kulisse. Und trotzdem (oder gerade deswegen) ist Hawaii das Ziel der meisten Triathleten. Von der Insel als Mekka des Ausdauersports ist zu lesen, das Wimbledon der Triathleten sei es. Nirgendwo sonst auf der Welt ist eine körperliche Tortur ein solches Kultereignis wie auf Hawaii.

Thomas Schulte, 29 Jahre, DLC Aachen. Ziel: Die Atmosphäre aufnehmen und genießen.

Die „Reisegruppe“ aus der Region ist bunt gemischt, drei Frauen, drei Männer, drei Vereine. Dass Markus Ganser zu ihr gehört, ist wenig verwunderlich, er ist ein alter Hase, wenn man einen austrainierten Sportler denn so nennen darf. Er hat 2007 mit dem Triathlon angefangen, da hatte er seine Karriere als Radrennfahrer gerade beendet. „Um nicht zu verfetten“, habe er das mit dem Triathlon gemacht, sagt er, „und dann ist das ein bisschen ausgeartet“. Gleich in seinem ersten Jahr qualifizierte er sich für Hawaii, das war sein Ziel. „Fast jeder Triathlet hat den Traum, einmal in seinem Leben auf Hawaii zu starten“, sagt Ganser, er ist jetzt zum siebten Mal dabei. Und fungierte deshalb als Berater für die anderen Starter, die alle zum ersten Mal auf Hawaii dabei sein werden.

Christian Decker, 32 Jahre, Brander SV TriTeam. Ziel: Lernen und mich selbst überraschen.

Christian Decker war im vergangenen Jahr zumindest als Zuschauer dort, als seine Lebensgefährtin Astrid Ganzow Weltmeisterin in ihrer Altersklasse wurde. In diesem Jahr ist nun Ganzow, die mittlerweile Profi ist und die Qualifikation knapp verpasste, als Unterstützung dabei. Und Decker geht auf die Strecke, „Hawaii war auch immer mein erklärtes Ziel.“

Nora Honke, 31 Jahre, DLC Aachen. Ziel: Das Beste herausholen.

Nora Honke und Thomas Schulte reisen ebenfalls als Paar an, „natürlich ist es schön, so etwas zusammen erleben zu können“, sagt Honke. Ihr Freund hatte schon im vergangenen Jahr versucht, sich zu qualifizieren, scheiterte aber knapp. Umso größer war die Freude als es nun als Duo klappte. Und das, obwohl Honke „eigentlich gar keine Langdistanz“ machen wollte. So ging es zunächst auch Kristina Ziemons — bis ihre Vereinskameraden Honke und Schulte auch sie überredeten, es doch einmal zu versuchen. Steffi Jansens größerer Traum war es, beim Ironman auf Lanzarote zu starten. Ein Ziel, das sie sich erfüllt hat — und eines, bei dem sie auch noch die Qualifikation für Hawaii schaffte. Klar, dass sie die Reise zum berühmtesten Ironman da nicht ausgeschlagen hat.

Steffi Jansen, 32 Jahre, PTSV Aachen. Ziel: Ohne Pannen und zufrieden ins Ziel kommen.

Qualifikationskriterien

Die Qualifikationskriterien für den Ironman auf Hawaii sind schließlich hart. Es genügt nicht, die lange Strecke einfach nur hinter sich zu bringen — wer auf Hawaii starten will, der muss schnell sein. Triathleten können sich bei Ironman-Wettkämpfen auf der ganzen Welt für Hawaii qualifizieren, sie müssen dabei allerdings in ihren jeweiligen Altersklassen eine vordere Platzierung erreichen. Die Zeit ist wenig aussagekräftig, weil jeder einzelne Wettkampf naturgemäß ein anderes Streckenprofil hat. Die Triathleten aus der Region brauchen zwischen neun und elfeinhalb Stunden. Ganser hat sich dieses Jahr wie Jansen auf Lanzarote qualifiziert. Christian Decker hat das Ticket für Hawaii im französischen Nizza gelöst, Kristina Ziemons in Zürich, Nora Honke und Thomas Schulte waren beim deutschen Ironman in Frankfurt erfolgreich.

Mittlerweile ist das Sextett schon fast eine Woche auf Hawaii, die frühe Anreise hat allerdings wenig mit Vergnügen zu tun. Klar, sie wollen auch alle etwas von der Umgebung sehen, doch sie müssen sich vor allem an die happige Zeitumstellung von zwölf Stunden und die ganz anderen klimatischen Bedingungen gewöhnen. Ein bisschen wird noch trainiert, den Großteil der Vorbereitung haben die Sportler aber längst hinter sich. Mehrere Monate dauert die intensive Trainingsphase, Markus Ganser spult in dieser Zeit rund 25 Stunden in der Woche ab. Bei seinen Mitstreitern sieht das kaum anders aus. Läufe am frühen Morgen, Schwimmen in den Seen der Region und lange Radtouren am Wochenende — schließlich gehen alle sechs Starter aus der Region auch einem Beruf nach.

Am Samstag können sie sich für die lange Vorbereitung belohnen. Gegen 4 Uhr werden die Triathleten aufstehen, etwas essen, die letzten Sachen zusammenpacken. Es geht in den Startbereich, das Fahrrad wird noch einmal überprüft, die Startnummer wird schließlich beim Bodymarking auf den Körper gemalt. Und dann ertönt der dumpfe Kanonenschuss, der das Rennen freigibt. Ganser weiß, wie hart schon das Schwimmen wird, die anderen werden es in ein paar Tagen erleben. Der Kampf um die Plätze entbrennt sofort, der Arm des Kontrahenten kann da schnell im eigenen Gesicht landen. Beim Radfahren und Laufen quer durch die heiße und eintönige Lava-Wüste „schweifen die Gedanken schon einmal ab“, sagt Ganser. Es gibt zwar kein Gerangel mehr, weniger anstrengend ist es trotzdem nicht. Gegessen und getrunken wird „so viel man eben reinkriegt“, Energieriegel oder -gel, viel, viel Flüssigkeit. Ganz unproblematisch ist das jedoch nicht, Magen und Darm können schon einmal streiken.

Absolute Willenskraft

Wer den Ironman überstehen will, der muss sich quälen können. Und deshalb wollen die Neulinge am Samstag vor allem eines schaffen: ins Ziel kommen. Den Gedanken, wie es sich anfühlen wird, den berühmtesten Ironman hinter sich gebracht zu haben, haben fast alle schon einmal durchgespielt. Ganser kennt das alles ja schon, bisher ist er immer angekommen, und er hat sein Vorhaben dieses Jahr ein bisschen höher geschraubt: Er will seine Bestzeit verbessern. Und vielleicht haben er und seine Mitstreiter danach noch ein bisschen Zeit, die schönen Seiten Hawaiis zu erkunden — ohne Strapazen.

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