Aachen: Idrizi: „Wir müssen uns für unseren Aufwand belohnen“

Aachen : Idrizi: „Wir müssen uns für unseren Aufwand belohnen“

Der Abend nach dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen hatte noch ein Nachspiel für Blendi Idrizi. „Ich war lange wach und habe überlegt, was ich hätte besser machen können“, sagt der 20-Jährige. Die Vermutung liegt nahe, dass es nicht viel gewesen sein kann, da Idrizi im Stadion Niederrhein beinahe zum Matchwinner avanciert wäre.

Zwei Tore hatte der frech aufspielende Offensivallrounder von Alemannia Aachen beim Spitzenreiter erzielt, eins mit dem linken Fuß, eins mit dem rechten. Es waren seine ersten beiden Regionalliga-Treffer, die nach dem Schlusspfiff aber nicht gebührend gefeiert werden konnten, weil sein neuer Arbeitgeber die dritte Niederlage im dritten Saisonspiel kassiert hatte. „In manchen Situationen hätte ich besser abspielen und nicht schießen sollen“, zeigt sich Idrizi selbstkritisch. Dass er sich manchmal für den schwierigeren Weg entscheidet, liegt auch ein bisschen an seiner Vergangenheit.

Aufgewachsen ist Idrizi im Kosovo, auf den Straßen der Republik hat er das Fußballspielen gelernt. Im Alter von zwölf Jahren zog die Familie nach Deutschland, und den Trainern beim Bonner SC entging nicht, wie viel Talent Idrizi mitbringt. Ein wendiger, trickreicher Spieler, der im Duell Eins gegen Eins regelmäßig die Oberhand behält. Nach einem Zwischenstopp in Euskirchen landete er beim 1. FC Köln, wo er sich mit den besten Nachwuchskickern in der Bundesliga messen konnte.

Der große Durchbruch blieb ihm in der Domstadt aber verwehrt, und so ging er einen Schritt zurück, um wieder zwei nach vorne zu machen. Beim Mittelrheinligisten Blau-Weiß Friesdorf absolvierte er seine erste Saison im Seniorenbereich, und Idrizi betrieb mit 16 Toren und vier Vorlagen in 25 Spielen Werbung in eigener Sache.

Seinen anschließenden Wechsel an den Tivoli hat der 20-Jährige trotz des Fehlstarts nicht bereut. Und es hat den Anschein, dass er auch nach Aachen passt, denn einen Spielertyp der Kategorie „Straßenfußballer“, nach dem vielerorts gefahndet wird, sucht man in Alemannias Kader ansonsten vergeblich.

„Ich bin absolut überzeugt von seinen Qualitäten. Er muss aber noch viel lernen“, hält sich sein Trainer Fuat Kilic (noch)mit einer Lobrede zurück. Fest steht aber, dass Idrizi in diesen sportlich tristen Tagen für einen Hoffnungsschimmer gesorgt hat.

In der kommenden Woche könnte der Kosovare Unterstützung in der Offensive erhalten. Mit Dimitry Imbongo Boele hat Kilic „sehr gute Gespräche“ geführt, auch die Finanzierung nimmt konkrete Formen an. „Wir haben externe Sponsoren gefunden, die ihre Bereitschaft signalisiert haben, diesen Transfer mitzutragen“, sagt der Kaderplaner. Der wuchtige Angreifer, der selbst bei einer kurzfristigen Einigung noch keine Option für das Spiel gegen Wiedenbrück (Freitag, 19.30 Uhr) wäre, soll in den nächsten Tagen entscheiden, ob er das Angebot der Alemannia annimmt.

Mit Niklas Jakusch, der seit Montag wieder trainiert, kann Kilic dagegen fest planen. Der Keeper hat seine Risswunde am Fuß auskuriert und wird am Freitag zwischen die Pfosten zurückkehren. Hinter dem Einsatz von Manuel Glowacz, der sich bei Spitzenreiter RWO einen Pferdekuss eingefangen hat, steht dagegen noch ein Fragezeichen.

Kilic strahlt vor dem Duell der Sieglosen — Wiedenbrück reist mit zwei Punkten an — Zuversicht aus: „Meine Mannschaft hat in Oberhausen das Gesicht gezeigt, was ich mir vorstelle. Wenn wir an diese Leistung anknüpfen, bin ich zuversichtlich, dass wir punkten werden.“

Erste Punkte durch dreckigen Sieg?

Auch Idrizi ist überzeugt, dass seine Mannschaft am Freitag in die Spur findet. Große Töne schlägt der Hip-Hop-Fan aber nicht an. „Wir müssen uns endlich für unseren Aufwand belohnen — zur Not mit einem dreckigen Sieg.“ Sollte das gelingen, dürften auch die Nächte des 20-Jährigen wieder etwas entspannter werden.

Voraussichtliche Aufstellung: Jakusch - Heinze, Hackenberg, Fiedler - Müller, Pütz, Glowacz (?), Bösing, Stulin - Idrizi, Boesen

Schiedsrichter: Jörn Schäfer (Iserlohn)

Bilanz: 10 Spiele/7 Siege/2 Remis/1 Niederlage/21:6 Tore

Internet: Liveticker und Video unter az-web.de und an-online.de

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