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Köln: Hoch gepokert, viel gewonnen

Köln : Hoch gepokert, viel gewonnen

„Nach dem ersten Training habe ich gedacht: Mann, da ist jede Menge Arbeit notwendig”, schildert Bill Edwards, 33, seine ersten Eindrücke beim Basketball-Bundesligisten Rheinenergie Köln.

Die liegen einige Monate zurück. Und die Kölner haben ihre Hausaufgaben gut gemacht: „Jeder Spieler hat so gearbeitet, dass sich die Mannschaft verbessert hat”, bilanziert der US-Amerikaner. Das gilt besonderes für ihn selbst.

Trainer Armin Andres bezeichnet den Flügelspieler als Glücksgriff: „Normalerweise kriegt man so einen Mann nicht nach Köln”, aber Edwards war lange verletzt. Fast zwei Jahre haben ihn Knieprobleme auf Eis gelegt. „Wir wussten nur nicht, ob und wann er wieder fit wird.” Das galt auch für Sasa Obradovic, 35.

Hoch gepokert, viel gewonnen: Die zwei Routiniers mussten lange und hart an sich arbeiten. Jetzt haben sie maßgeblichen Anteil daran, dass Köln in der Bundesliga die Tabelle mit zwölf Siegen und vier Niederlagen anführt und im Europapokal nach dem 93:77-Sieg gegen BK Ventspils am Dienstagabend schon fast den Sprung ins Viertelfinale geschafft hat. Das Rückspiel ist nächsten Dienstag in Lettland.

Trotzdem muss sich die Andres-Truppe steigern. Das hat die überraschende Niederlage zum Rückrundenstart beim Tabellenletzten, den Baskets Schwelm, gezeigt.

Ziele für die zweite Hälfte der Saison formulieren will Obradovic nicht. „Es ist besser, sich darauf zu konzentrieren, was auf dem Feld passiert”, so der Welt- und Europameister. „

Ob Obradovic und Edwards auch in der kommenden Saison für Köln spielen, ist ungewiss. Obradovic hat schon mehrmals laut über das Ende seiner Karriere nachgedacht - doch nun ist der Spaß zurückgekommen: „Wenn das nicht wäre, würde ich sofort aufhören.”

Obradovic kommt häufig erst von der Bank ins Spiel. „Andere Mannschaften müssen gegen uns in Bestbesetzung anfangen, weil ihre Bank nicht so gut besetzt ist”, erklärt der Andres. Neben Obradovic kommen auch Marco Pesic oder Immanuel McElroy oft erst von der Bank.

Bill Edwards will noch drei oder vier Jahre spielen. „Köln ist ein Aufbau-Jahr für mich, mit dem ich mich für einen Spitzen-Verein bewerben will.” Allerdings schließt er nicht aus, dass er einen solchen Verein mit Köln bereits gefunden hat.

„Was mir hier Spaß macht, ist, dass die Mannschaft sich noch weiter steigern kann. Genau wie ich”, sagt Edwards, der mit 16,1 Punkten Kölns erfolgreichster Schütze in dieser Saison ist. „Ich bin noch weit vom Level entfernt, das ich vor der Verletzung hatte.”

Bis Anfang Mai hat Edwards noch Zeit, sich in Bestform zu bringen. Dann beginnt der wichtigste Teil der Saison: die Play-offs. Spätestens dann dürfen Ausrutscher wie in Schwelm nicht mehr passieren.