Aachen: Helen Langehanenberg: „Vernünftig zu sein war noch nie meine Stärke“

Aachen : Helen Langehanenberg: „Vernünftig zu sein war noch nie meine Stärke“

Helen Langehanenberg wirkt entspannt, fast wie eine Urlauberin. In T-Shirt, Shorts, eine Sonnenbrille lässig auf den Kopf geschoben plaudert sie, rank und fast schlank wie eh und je. Nur bei genauem Hinsehen ist noch ein kleines Bäuchlein sichtbar. „Ein wenig schleppe ich schon noch mit mir rum“, sagt sie und lacht.

Was alles andere als ein Wunder ist, denn erst am 20. Juni brachte die Dressurreiterin ihre zweite Tochter — Finja — zur Welt. Am Donnerstag wird sie als erste deutsche Reiterin im Nationenpreis versuchen, auf Damsey Punkte für die Titelverteidigung vorzulegen.

„Ich habe mich gefreut, aber natürlich nicht damit gerechnet, dass ich in Aachen wieder in der Equipe sein würde“, sagt die 36-Jährige, die von ihrer Nominierung erst am Freitag erfuhr. Sie rückte für Sönke Rothenberger ins Team, dessen Cosmo aufgrund eines Infekts passen musste. In Aachen gestartet wäre sie sowieso, wollte in der sogenannten CDI-Tour um das WM-Ticket kämpfen. „Ich hatte es nicht für unmöglich gehalten, dass ich so schnell nach der Geburt in Aachen reiten würde. Malin, meine älteste Tochter, kam elf Tage zu spät, Finja war zum Glück pünktlich“, erzählt sie.

Das Ticket für die WM

Mitte Februar war Langehanenberg noch beim Turnier in Neumünster gestartet und hatte sich auf Damsey mit einem Sieg in die Babypause verabschiedet, bis acht Wochen vor der Geburt hatte sie noch auf dem Pferd gesessen. „Allerdings nur auf Damsey, um das Risiko zu minimieren.“ Ihre Bereiterin hielt den inzwischen 16-jährigen Hengst danach in Form, und nur fünf Tage nach Finjas Geburt stieg Langehanenberg wieder in seinen Sattel.

Ob sie ein bisschen verrückt ist? „Vernünftig zu sein war noch nie meine Stärke“, sagt sie und lacht. „Aber ich hatte keine Probleme, es fühlte sich gut an. Natürlich ist es ambitioniert, nach dreieinhalb Wochen Training in Aachen zu reiten. Aber Damsey geht sehr gut, und Aachen ist ja die letzte Sichtung für Tryon. Und mich dafür zu qualifizieren, ist nicht zu 100 Prozent unmöglich“, sagt sie. Der Hengst gehörte im vergangenen Jahr schon zur siegreichen EM-Equipe.

„Ich habe Lust auf die WM, weiß aber, dass man nichts erzwingen kann. Ich kann nur versuchen, es so gut wie möglich zu machen“, sagt sie und wirkt immer noch ganz entspannt. Tochter Finja ist natürlich mit ihr nach Aachen gekommen, bestens von der Oma betreut, während die Mama arbeitet. Am Donnerstag wird auch Malin mit dem Papa vorbeischauen. Haben sich die Prioritäten nach den Geburten verschoben? „Ganz sicher, die Familie ist Nummer eins, auch wenn ich immer noch allen Ehrgeiz habe. Aber ich habe schon in den vergangenen Jahren gelernt, den Sport gelassener anzugehen.“

Über den Grand Prix hinaus hat die 36-Jährige noch nicht geplant. „Es gibt so viele Wenn und Aber. Mal schauen, was passiert.“ Der zweite Teil des Nationenpreises ist der Spécial am Samstag. Neben Langehanenberg komplettieren Isabell Werth mit Emilio, Dorothee Schneider mit Sammy Davis jr. und Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera das Frauen-Quartett. Für die Kür am Sonntag qualifizieren sich nur die besten 15 Reiter und maximal drei einer Nation. Langehanenberg sagt nur: „Wie gesagt, mal sehen, wie es im Grand Prix läuft, dann mache ich meinen Plan.“

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