Köln: Hector bekennt sich zum FC in bitteren Zeiten

Köln : Hector bekennt sich zum FC in bitteren Zeiten

Es ist erst anderthalb Wochen her, da erlebte Jonas Hector die Wut und die Enttäuschung der Fans hautnah. Als der Nationalspieler nach der 1:2-Niederlage bei Hertha BSC sein Trikot zur Beschwichtigung der Anhänger in die Gäste-Fankurve warf, bekam er es postwendend zurück.

Dem Linksverteidiger standen die Tränen in den Augen. Viele gingen danach erst recht von Hectors Abschied am Saisonende aus. Ein 36-facher Nationalspieler und WM-Teilnehmer in spe wolle sich gewiss nicht die 2. Bundesliga antun, hieß es. Zumal Hector eine Ausstiegsklausel in Höhe von acht Millionen Euro in seinem Vertrag haben soll und bereits bei Vereinen wie Borussia Dortmund oder Juventus Turin gehandelt wurde.

Doch das Gegenteil ist der Fall — und es ist eine positive Nachricht in bitteren Zeiten für den 1. FC Köln, der nach dem hochemotionalen 2:2 gegen Schalke 04 und acht Punkten Rückstand auf Platz 16 der 2. Liga so nah ist wie noch nie. Hector bekennt sich zum FC, bleibt auch im Abstiegsfall. Und riss die Kölner zumindest zeitweise aus ihrer Trauer. Der 27-Jährige macht keinen Gebrauch von seiner Ausstiegsklausel und verlängerte seinen Vertrag stattdessen um zwei weitere Jahre bis 2023. Das könnte eine Signalwirkung auf andere Kölner Profis haben, die mit der Entscheidung ringen, ob sie gehen oder bleiben sollen.

Die Scharte wieder auswetzen

„Der 1. FC Köln hat mir den Weg von der Regionalliga bis in die Nationalmannschaft ermöglicht“, sagte Hector: „Ich bin diesem Klub sehr verbunden und dankbar und fühle mich in Köln sehr wohl. Es wäre problemlos möglich gewesen, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln, aber für mich fühlte sich das nicht richtig an.“ Bei anderen Klubs hätte Hector das Doppelte oder das Dreifache verdienen können, doch der gebürtige Saarländer zieht es vor, bei dem Verein zu bleiben, für den er seit 2010 aufläuft und bisher 187 Pflichtspiele absolviert hat.

Hector geht der fast sichere Abstieg offenbar nahe, er will in der nächsten Saison mithelfen, dass die Scharte sofort wieder ausgewetzt wird. Vielleicht will Hector aber auch einfach keine Veränderung oder neue Herausforderung, auch das soll es geben. Von Hectors Entscheidung angetan sind auch die Kölner Verantwortlichen. Geschäftsführer Armin Veh erklärte: „Jonas ist ein außergewöhnlicher Spieler und ein besonderer Typ, wie es sie im heutigen Profifußball selten gibt. Dass er als aktueller deutscher Nationalspieler den Weg mit uns weitergeht, unterstreicht dies eindrucksvoll. Jonas’ Bekenntnis zum FC ist ein großartiges Signal für die Mannschaft, den Verein und unsere Fans.“

Bleibt auch Timo Horn?

Es ist gut möglich, dass nun andere Spieler dem Beispiel folgen. Timo Horn kann sich ebenfalls vorstellen, beim FC zu bleiben. Auch er hat im Abstiegsfall eine Ausstiegsklausel. Mit einer Entscheidung des Torhüters ist noch in dieser Woche zu rechnen. Tendenz: Der 24-Jährige bleibt bei seinem Heimatklub. Horn hatte betont, dass für seine Entscheidung ausschlaggebend sei, dass ein gut aufgestellter FC den direkten Wiederaufstieg anstrebe. Beide Kriterien werden die Kölner auch in der neuen Spielzeit erfüllen.

Bei Flügelspieler Leonardo Bittencourt scheint dagegen noch vieles offen. Der 24-Jährige ist ebenfalls von anderen Vereinen umworben, auch er kann dank einer Ausstiegsklausel im Abstiegsfall für einen hohen einstelligen Millionenbetrag wechseln. RB Leipzig und Werder Bremen sollen an Bittencourt interessiert sein. Es dürfte wie bei Verteidiger Dominique Heintz (24) schwer werden, ihn zu halten. Der Innenverteidiger kann für einen mittleren einstelligen Millionen-Betrag gehen.

Der FC ist zwar finanziell kerngesund, aber er will beim Gang ins Unterhaus auch Transfereinnahmen generieren. Von 20 Millionen Euro ist die Rede. Minimal fünf, maximal sieben Spieler sollen den Klub verlassen, so die Gedankenspiele der FC-Führung. Und so könnten auch Frederik Sörensen, Yuya Osako, Jannes Horn, der seit dem Winter ohnehin mit einem Weggang liebäugelt, und der aussortierte Pawel Olkowski transferiert werden. Dominic Marohs Vertrag läuft am Saisonende aus.

Die Stimmung im Zeichen des Untergangs war in Köln bereits nach dem Schalke-Spiel ungewöhnlich, die fast sicheren Absteiger wurden mit Gesängen von den Fans verabschiedet. Diesen Eindruck wollen die FC-Spieler nicht zerstören.