1. Sport

Aachen: Große Bühne für Totilas: Auch bei Dressur-EM im Blickpunkt

Aachen : Große Bühne für Totilas: Auch bei Dressur-EM im Blickpunkt

Die große Bühne hat Totilas schon einmal kennengelernt. Während auf der CHIO-Anlage in Aachen die letzten Aufbauarbeiten vor den Europameisterschaften erledigt wurden, durfte das einstige Wunderpferd mit seinem Reiter Matthias Rath und den anderen drei deutschen Dressur-Paaren im Hauptstadion trainieren.

Die 40.000 Zuschauer fassende Arena ist ein angemessener Rahmen für ein Pferd, das zwar nicht mehr zu den allerbesten weltweit zählt, aber noch immer einer der größten Dressur-Stars auf vier Beinen ist. Wieder werden viele Blicke auf den mittlerweile 15 Jahre alten Hengst und seinen Reiter gerichtet sein, wenn sie am Donnerstag im Team-Wettbewerb ihren ersten Auftritt haben. „Ich bin einfach nur glücklich, dass er so fit ist”, sagte Rath.

Der Auftrag des Duos mit bewegter und bewegender Vergangenheit: Es soll mithelfen, den Mannschafts-Titel verteidigen. Jessica von Bredow-Werndl auf Unee und Isabell Werth auf Don Johnson sollen am Mittwoch vorlegen, Rath und Totilas sowie Kristina Bröring-Sprehe auf Desperados am Donnerstag vollenden.

„Die deutsche Mannschaft tritt als Titelverteidiger an und dann auch noch im eigenen Land. Da ist die eigene Erwartungshaltung natürlich hoch”, weiß auch der 31-Jährige. Vor allem an ihn und das teuerste Dressur-Pferd der Welt: Aachen ist möglicherweise die letzte Chance, in der Schlussphase des seit Ende 2010 laufenden und lange kritisch beäugten Projekts Rath/Totilas doch noch wenigstens einen internationalen Titel zu holen.

Denn bislang ist ihre Partnerschaft mehr eine Leidens- als eine Erfolgsgeschichte: 2010 hatte Paul Schockemöhle Totilas für geschätzte zehn Millionen Euro gemeinsam mit Raths Stiefmutter Ann-Kathrin Linsenhoff aus den Niederlanden gekauft. Was folgte, waren mehr unfreiwillige Pausen als Wettkampfzeiten. Lange begleitet von Diskussionen über umstrittene Methoden von Totilas-Trainer Sjeff Jansen.

Der letzte große und siegreiche Wettkampf war vor einem knappen Jahr beim CHIO in Aachen. Wenige Wochen zuvor war das Comeback nach zweijähriger Auszeit gelungen. Kurz nach dem Aachen-Auftritt 2014 kam das Aus für die WM in der Normandie.

Nun ein neuer Anlauf: Zur Freude von Bundestrainerin Monica Theodorescu meldete sich das Duo im Juni nach fast einem Jahr zurück. „Wir haben uns bewusst viel Zeit gelassen”, meinte Rath. Beim Nationenpreis-Turnier im Juli in Hagen bei Osnabrück lieferten die beiden im Rahmenprogramm mit zwei überzeugenden Siegen den Nachweis für ihre EM-Tauglichkeit.

„Der Eindruck ist sehr, sehr gut. Totilas ist in sehr guter Verfassung”, sagte Theodorescu vor dem EM-Start. Rath und der charismatische Hengst sind neben Bröring-Sprehe mit Desperados ihre größten Hoffnungsträger im Kampf gegen die schärfsten Konkurrenten um den Team-Titel aus Großbritannien und den Niederlanden. Sie sollen die Lücke schließen, die durch das Auseinanderbrechen der lange Zeit besten deutschen Kombination Helen Langehanenberg/Damon Hill entstanden ist.

Der Hype, der nun wieder um Totilas gemacht wird, stört sie und ihre Equipe nicht. „Wahrgenommen ja, aber es kratzt uns nicht”, meinte die Bundestrainerin. Vielmehr fiebert sie dem EM-Start entgegen: „Es kann jetzt auch losgehen. Es sind alle gut in Form.”

Den Status als Nummer eins in der Welt hat Totilas lange verloren. Auch in der deutschen Mannschaft ist Bröring-Sprehe mit Desperados klar vorn. Die Team-Weltmeisterin und ihr 14-jähriger Hengst blieben bei zwölf Starts in diesem Jahr immerhin ungeschlagen.

Ihren beiden Spitzen-Paaren traut Theodorescu zumindest Medaillen in den Einzelwettbewerben am Wochenende zu. „Desperados ist aber noch einen Schritt weiter als Totilas”, sagte sie.

Von Einzel-Titeln spricht niemand im deutschen Lager. Diese scheinen für die britische Doppel-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Charlotte Dujardin und Valegro reserviert zu sein. Der 13 Jahre alte Wallach hat bei den Fans schon längst einen Star-Status wie Totilas erreicht.

(dpa)