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Aachen: Gespannfahren: Brauchle führt das Team zu EM-Silber

Aachen : Gespannfahren: Brauchle führt das Team zu EM-Silber

Es mutet sensationell an, was die deutschen Gespannfahrer da am letzten Tag, bei der letzten Prüfung dieser Europameisterschaft nach eher enttäuschenden Auftritten in Dressur und Hindernisfahren gezeigt haben: Sieg und Platz zwei im abschließenden Marathon bedeuteten Einzel-Gold für Michael Brauchle vor den Niederländern Ijsbrand Chardon und Koos de Ronde und hinter den Niederlanden und vor Ungarn Silber in der Mannschaftswertung.

Im offenen Zelt hinter der Teilnehmertribüne versammelte sich die deutsche Mannschaft als der Wettbewerb noch lief, die letzten und bestplatzierten Fahrer noch durch die Hindernisse rauschten. Michael Brauchle war als bestplatzierter Teilnehmer der Einzelwertung auf Rang sechs nach Dressur und Hindernisfahren der letzte Teilnehmer des Teams von Bundestrainer Karl-Heinz Geiger, der den Marathon beendete. Die finale Prüfung dieser EM wurde für das deutsche Team dann zum Fest. Geiger, Brauchle, Christoph Sandmann und Georg von Stein verfolgten die noch folgenden fünf Starter am Bildschirm. Ijsbrand Chardon — natürlich — hatte die acht Hindernisse als Führender und damit 36. Starter in Angriff genommen. Als er im Ziel war, blickten acht Augenpaare gebannt auf den Bildschirm.

Das Silber-Team: Christoph Sandmann (von links), Michael Brauchle, Georg von Stein und Bundestrainer Karl-Heinz Geiger.

Dann brach der große Jubel aus: Brauchle hatte nach Bestzeiten an sechs der acht Hindernisse diesen Marathon bravourös gewonnen. Auf Platz 2 folgte Mannschaftskollege Christoph Sandmann, der in den beiden Prüfungen zuvor eine eher enttäuschende Leistung gezeigt hatte. Georg von Stein fuhr mit gebrochenem Knöchel und bis zum Knie eingegipst auf Platz zehn.

Für die Team- und die Einzelwertung hatte das Folgen: Aus Platz vier nach zwei Prüfungen hinter den Niederlanden, Ungarn und Belgien war EM-Silber geworden. In der Einzelwertung sicherte sich Brauchle dank seiner rasanten Fahrt durch die Hindernisse hauchdünn Gold vor dem Niederländer Ijsbrand Chardon.

Der eingelegte Protest der Niederländer — Chardon war zunächst als Sieger der Gesamt-Einzelwertung und damit Europameister genannt worden — nutzte nichts. Es wurde neu gerechnet, und bald stellte sich heraus, dass der Computer nach einem Eingabefehler ein falsches Ergebnis ausgespuckt hatte. Gold Für Brauchle also, Silber für das deutsche Team. Geiger standen die Tränen in den Augen: „Wir haben das Unmögliche möglich gemacht, wussten, dass wir im Marathon stark sind. Dass wir nach zwei Disziplinen, von denen ich mir etwas mehr erhofft hatte, Gold und Silber gewinnen, hatte ich nicht erwartet. Das ist grandios.“

Dabei gestand Europameister Brauchle: „Der Bundestrainer hatte mir gesagt, ich solle im Gelände nicht volles Risiko, sondern sicher fahren. Für ein gutes Mannschaftsergebnis.“ Daran hielt sich Brauchle — und fuhr dennoch sechs Mal Bestzeit in den Hindernissen. „Ich habe mich an die Vorgabe gehalten, habe nicht alles riskiert und bin kontrollierter statt mit Vollgas in den Hindernissen unterwegs gewesen.“

Schließlich lag der 25-Jährige in der Endabrechnung winzige 0,21 Punkte vor Chardon. Brauchle: „Mit dem EM-Titel im Einzel habe ich überhaupt nicht gerechnet, nicht einmal daran gedacht. Und Silber mit dem Team — super, dass wir das noch geschafft haben. Ich bin sehr glücklich.“ Das war auch Christoph Sandmann: „Der Druck nach zwei Wettbewerben, in denen ich kein Ergebnis gebracht habe war groß. Aber ich wusste natürlich, dass wir im Marathon stark sind. Es ist sehr gut gelaufen heute. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, ob 26 Jahre Aachen nicht genug wären. Ob es nicht Zeit ist, aufzuhören.“ Nach diesem Tag wohl kaum, einem Tag, an dessen Ende, so sagte es Georg von Stein, „ein Wahnsinnsergebnis“ stand.