Köln: Geschäftsführer Wehrle sieht 1. FC Köln auf einem guten Weg

Köln: Geschäftsführer Wehrle sieht 1. FC Köln auf einem guten Weg

Seit Februar 2013 verantwortet Alexander Wehrle als Geschäftsführer der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA die Geschicke des (Wieder-)Bundesligisten. Mit dem 39-jährigen Betriebswirt sprachen Günter Kirschbaum und Roman Sobierajski über die Zukunftsaussichten.

Wie groß ist der Silberstreif am Finanz-Horizont für den FC durch die Rückkehr in die Bundesliga?

Wehrle: Der Aufstieg in die Erste Liga ist natürlich wichtig, weil wir bis zu 25 Millionen Euro Mehreinnahmen haben als in der Zweiten Liga. Allein die TV-Geld-Ausschüttung macht zehn Millionen Euro aus. Dem stehen zwar höhere Ausgabepositionen gegenüber, aber man kann in der Ersten Liga besser konsolidieren und Eigenkapital aufbauen als in der Zweiten Liga.

Haben Sie einen persönlichen Tilgungsplan, so dass Sie sagen können, dann haben wir es geschafft?

Wehrle: Wir haben einen klaren Tilgungsplan mit zwei parallel laufenden Zielsetzungen: Verbindlichkeiten ab- und Eigenkapital aufbauen. Wir haben eine Mittelfrist-Planung, auf drei Jahre angesetzt, die wir sowohl für die Bundesliga als auch für ein Zweitliga-Szenario ausgelegt hatten.

Der FC schrieb ja schon in der abgelaufenen Saison schwarze Zahlen.

Wehrle: Man muss differenzieren, was ein Ergebnis vor Steuern und nach Steuern angeht. Momentan sieht es gut aus, wir haben einen sehr positiven Forecast, so dass wir entspannt den 30. Juni erwarten.

Ist das ausschließlich ein Erfolg der sportlichen Abteilung?

Wehrle: Ohne sportlichen Erfolg ist alles nichts. Schon in der Zweiten Liga gibt es unterschiedlich hohe TV-Ausschüttungen. Für Platz eins gibt es mehr als für Platz drei, vier, fünf oder sechs. Stimmt das Sportliche nicht, kommen weniger Zuschauer. Wir haben einen sensationellen Zuschauerschnitt, darüber hinaus das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte, was den Merchandising-Umsatz angeht. Wir steuern auf sieben Millionen Euro Umsatz zu. Auch das ist dem sportlichen Erfolg geschuldet. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass wir als Geschäftsführung eine sehr konservative Planung erstellt hatten. Wir mussten wettbewerbsfähig sein und wollten ein positives Ergebnis erzielen. Das haben wir geschafft, und das ist nicht gewöhnlich als Zweitligist.

Es gibt also kein Konfliktpotenzial zwischen dem Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke, und Ihnen als Herrn der Zahlen?

Wehrle: Nein. Ich schätze es sehr, dass ich einen Kollegen an der Seite habe, der nicht nur kurzfristig denkt, sondern mittel- bis langfristig im Interesse des Vereins. Wir waren bisher bei keiner Entscheidung auseinander, und das ist eher ungewöhnlich, weil es in der Natur der Sache liegen würde, wenn ich andere Interessen verträte als er.

Sie sind Schwabe, und denen sagt man einen ausgeprägten Hang zur Sparsamkeit nach.

Wehrle: Damit hat das nichts zu tun, sondern mit einer soliden Planung, die jeder seriöse Kaufmann an den Tag legen sollte, nicht nur in Schwaben. Idealerweise geht man nicht mit einer großen Ergebnislücke in eine Saisonplanung, aber natürlich muss man im Sport auch mal ein Risiko eingehen. Bestimmte Transfers kann man eben nicht aufschieben. Die Transferperiode ist im Sommer zu Ende.

Die Sponsoren sollen Ihnen derzeit geradezu die Türe einlaufen.

Wehrle: Mit unserem Ausrüster Erima haben wir den bestehenden Vertrag bis 2018 verlängert, wir sind in guten Gesprächen mit unserem Hauptsponsor. Auch auf der Exklusivpartnerebene könnte es durchaus sein, dass der eine oder andere noch dazukommt.

Klingt, als sei die Marke 1. FC Köln derzeit ein Renner.

Wehrle: Es gibt zumindest eine große Nachfrage. Das spiegelt für uns wider, dass man mit der Arbeit, die wir in den letzten eineinhalb Jahre geleistet haben, zufrieden ist. Damit wird nicht nur der erste Tabellenplatz honoriert, sondern auch unsere Ausrichtung, dass Ruhe eingekehrt ist, dass wir nachhaltig agieren und versuchen, den einen oder anderen jungen Spieler zu integrieren, um Werte aufzubauen. Wir wollen also nicht etwas Verrücktes machen, sondern uns gesund und nachhaltig entwickeln.

Kann der Verein auf dieser wirtschaftlichen Basis die Klasse halten?

Wehrle: Ich glaube, die Erste Liga ist so eng zusammengerückt, dass es kein Selbstläufer ist. Einziges Ziel ist der Klassenerhalt. Vereine wie Mainz, Freiburg und Augsburg sind durch ihre Bundesligazugehörigkeit an uns vorbeigezogen. Nur weil wir der 1. FC Köln sind, können wir nicht sagen, es sei selbstverständlich, die Klasse zu halten. Wir werden vom ersten Spieltag an um den Klassenerhalt spielen.

Jahrelang war diese FC-Attitüde aber normal.

Wehrle: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich auch die Kleineren in der Ersten Liga weiterentwickelt haben. Wir dagegen haben zwei Zweitliga-Jahre hinter uns. Man kann sich vorstellen, was es bedeutet, zwei Jahre lang je 25 Millionen Euro weniger zu haben. Das wirft einen erstmal zurück. Das heißt, dass wir uns in den nächsten drei Jahren wieder etablieren müssen. Es hört sich vielleicht nicht super-sexy an, aber es ist so.

Gibt es für Sie ein Vorbild, oder gehen Sie einen eigenen Kölner Weg?

Wehrle: Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Wir haben unseren so definiert, dass wir einerseits einen konkurrenzfähigen Kader zusammenstellen, der auch Spieler aus dem eigenen Nachwuchs beinhaltet und immer wieder ergänzt wird. Auf der anderen Seite müssen wir konsolidieren. Diesen Spagat müssen wir hinbekommen.

Ist dieser Weg ausschließlich der Not geschuldet, oder geht ihn der FC aus Überzeugung?

Wehrle: Der Weg ist der Realität geschuldet. Die sagt uns, dass wir nicht den Lizenzspieleretat exorbitant erhöhen und dann mit Geld, das wir noch nicht eingenommen haben, in die Spielzeit gehen sollten. Am Ende hast du dann wieder ein Problem, weil du die Existenz des Vereins gefährdest, wenn du direkt wieder runter gehst oder die Einnahmen nicht generierst, die du dir vorgestellt hast. Deswegen machen wir es ganz vernünftig. Einnahmen und Ausgaben müssen sich im richtigen Verhältnis wiederfinden. Wir sind dennoch überzeugt, dass wir mit den Fähigkeiten, die Jörg Schmadtke und Jörg Jakobs auch schon bei anderen Vereinen unter Beweis gestellt haben, durchaus wettbewerbsfähig sein können. Also mit einem überschaubaren Budget, cleveren und guten Transfers. Das ist ja schon in dieser Saison gelungen, ich nenne nur Bard Finne und Kazuki Nagasawa, die im Winter für kleines Geld zu uns kamen und die keiner auf der Rechnung hatte. Sie schlugen ein. Es gilt, genau solche Spieler immer mal wieder zu finden.

Was bedeutet es für Sie, dass der FC mit der jüngsten Mannschaft der Zweiten Liga aufgestiegen ist?

Wehrle: Perspektive. Verbindet man diesen Fakt damit, dass die meisten Leistungsträger bis 2016/17 an uns gebunden sind, gibt das Sicherheit. Und wenn sich die Mannschaft in der Ersten Liga einigermaßen etabliert, werden so auch Werte geschaffen.

Wo siedeln Sie die Wertigkeit Ihrer Mannschaft in Liga 1 an?

Wehrle: Es ist doch klar, dass wir uns im unteren Drittel wiederfinden, was die Ausgaben für den Lizenzspielereich und den Gesamtumsatz angeht.

Da scheint sich in den letzten zwei Jahren einiges geändert zu haben.

Wehrle: Die Fans haben ein gutes Gespür für die Situation. Die haben in den vergangenen zwei Jahren aufmerksam beobachtet, was im sportlichen Bereich, aber auch im Umfeld passiert. Sprich: Was durch den neuen Vorstand, die neue sportliche Führung, die neue Geschäftsführung passiert ist. Dass der Verein einen guten Realitätssinn hat und entsprechend agiert. Das alles führt dazu, dass unser Weg von ganz vielen Menschen hier in Köln mitgegangen wird.

Wenn man Sie mit Jörg Schmadtke erlebt, glaubt man eine gewisse Herzlichkeit zu spüren.

Wehrle: Ja, das stimmt. Wir kannten uns bis letzten Sommer ja nicht. Aber man kann den Eindruck haben, wie kennen uns schon sehr lange. Es ist schnell ein Vertrauensverhältnis gewachsen. Er hat einen super Humor, ist ein verlässlicher Partner. Könnte ich mir jemanden backen, würde ich genau diese Zutaten nehmen. Wir arbeiten gerne zusammen, lachen viel. In der Sache waren wir bisher nie auseinander. Wir reden über das Sportliche, die Markenausrichtung, ein Merchandisingprogramm, Infrastrukturmaßnahmen. Man darf Jörg Schmadtke auf keinen Fall nur auf den Sportler reduzieren. Er ist genauso in der Geschäftsführung wie ich und bringt sich auch zu anderen Themen ein.

Ein Schlüssel zum Erfolg?

Wehrle: Kommunikation ist immer ein Schlüssel zum Erfolg. Das Wichtigste ist aber, dass er seine Entscheidung immer am Interesse des Vereins ausrichtet, mittel- und langfristig, nicht nur kurzfristig.

Sind die Strukturen des Klubs erstligatauglich?

Wehrle: Von seiner Struktur her war der FC nie ein Zweitligist. Es muss Mitarbeiter geben, die 45.000 Tickets verkaufen, die Merchandisingartikel im Wert von sieben Millionen Euro an den Mann bringen. Es muss Mitarbeiter geben, die 60.000 Mitglieder verwalten. Das sind keine Zweitliga-Parameter. Das sind Erstliga-Parameter, viele Erstligisten erreichen diese Werte gar nicht. Darauf sind wir stolz.

Wenn alles glatt läuft: Wo sehen Sie den FC in drei Jahren?

Wehrle: Idealerweise sehen wir uns in drei Jahren an einem Punkt, an dem man neue Ziele definieren kann. Wir brauchen länger als drei Jahre, um 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten abzubauen.

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