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Aachen: „Generalprobe“ ist misslungen

Aachen : „Generalprobe“ ist misslungen

Wenn der bekannte Spruch von der misslungenen Generalprobe wirklich Gültigkeit hat, dann steht den „Ladies in Black“ Aachen ein grandioses Pokalfinale bevor. Aber nur dann, denn in der Volleyball-Bundesliga wurde der Mannschaft von Trainer Marek Rojko am Dienstagabend vom Endspielgegner im Cup ihre Grenzen aufgezeigt. Die Aachenerinnen unterlagen nach starkem Auftakt beim MTV Stuttgart mit 1:3 (25:23, 14:25, 14:25, 15:25).

Dabei hatten die „Ladies“ vor 2100 Zuschauern im ersten Durchgang zunächst durchaus an die starken Leistungen aus dem Vilsbiburg-Spiel anknüpfen können. Zwar lagen die Aachenerinnen noch bei der zweiten technischen Auszeit mit vier Punkten hinten, doch eine starke Phase von Ivona Svobodnikova und Maja Burazer brachten die Gäste kurz vor dem Satzende wieder heran, und bei 21:21 gelang der Ausgleich. Aachens Coach wechselte bei diesem Stand Zuspielerin Marija Pucarevic wieder ein, die früh im Satz für Ron Ponte hatte Platz machen müssen. Fast symptomatisch für die erfolgreiche Aufholjagd: Der Satzpunkt für die „Ladies“ resultierte aus einem Fehler der Stuttgarterinnen, die in den letzten Wochen in der Bundesliga auf einer Welle des Erfolgs reiten.

Doch dann folgte die vielleicht entscheidende Szene für den weiteren Verlauf der Partie: Beim Stand von 4:7 sah Aachens Trainer die Rote Karte, nachdem er sich stark über eine Entscheidung des Schiedsrichtergespanns aufgeregt hatte. Mit dem daraus resultierenden Punktgewinn für die MTV-Spielerinnen ging es in die technische Auszeit — und so richtig kamen die „Ladies“ daraus auch nicht wieder zurück. „Die Rote Karte resultierte nur aus einem Missverständnis mit dem Schiedsrichter“, meinte Aachens Trainer anschließend, „und sie kann auch neue Kräfte freisetzen. Wir hatten uns vorgenommen, hier mit Risiko zu spielen. Aber meine Spielerinnen hatten schon im zweiten Satz keine Kraft mehr und zeigten auch keine Emotionen so kurz nach dem Pokalspiel, da kann dieser Plan nicht aufgehen.“

Angriffe häufig erfolglos

Die Folge: Die Aachenerinnen gerieten immer mehr unter Druck, scheiterten mit ihren Angriffsbemühungen zusehends häufiger am starken gegnerischen Block. So gingen auch die längeren Ballwechsel fast ausschließlich an den MTV Stuttgart, auch weil das Zusammenspiel zwischen Mittelblockerinnen und den Zuspielerinnen überhaupt nicht funktionierte. Selbst die Wiederholung des „Vilsbiburg-Tricks“, als Aachens Coach in einer brenzligen Situation gleich drei neue Spielerinnen auf den Platz geschickt hatte, fruchtete bei der Wiederholung nicht: Stuttgart glich mit elf Punkten Vorsprung in den Sätzen aus.

Wer gehofft hatte, dass die „Ladies“ nach der Zehn-Minuten-Pause ein anderes Gesicht zeigen würden, sah sich getäuscht. Als symptomatisch dürfte der Ballwechsel beim Stand von 6:8 anzusehen sein: Die Aachenerinnen brachten den Ball bei fünf Angriffsversuchen nicht auf den Boden — und statt den Anschluss zu schaffen, zogen die MTV-Spielerinnen auf drei Punkte davon. Stuttgart baute den Vorsprung kontinuierlich aus, auch weil die „Ladies“ aus Drucksituationen heraus häufig nach schwachem Zuspiel viel zu selten punkteten, wovon auch die Spielstatistik ein eindeutiges Lied singt: Die Stuttgarterinnen punkteten nach jeder zweiten Annahme (Aachen 2,63) und schafften im Schnitt bei jedem dritten gegnerischen Aufschlag einen Breakpunkt — die Aachenerinnen brauchten dafür mehr als doppelt so viele.

Der finale Satz war ein Spiegelbild der beiden vorangegangen: Bis zur ersten technischen Auszeit hielten die Gäste gut mit, um dann im Mittelstück eine längere Schwächephase zu zeigen und dabei fast hoffnungslos ins Hintertreffen zu geraten. Dabei täuschen die 15 Punkte, die für die Aachenerinnen am Ende des Durchgangs zu Buche standen, auch noch über die wahren Kräfteverhältnisse hinweg, da die Hälfte aus Stuttgarter Fehlern resultierte.

Aachen: Crkonova, Burazer (Stankova), Svobodnikova (Kosova), Pucarevic (Ponte), Bednarova, Markovic , Valachova

(Grozer)