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Kai Havertz: Ausbildungsvereine würden nicht mitverdienen

Kai Havertz und die Wechselgerüchte : Warum seine Ausbildungsvereine finanziell nicht von einem Wechsel profitieren

Bayer Leverkusen will sich im Falle eines Wechsel des Ausnahmefußballers Kai Havertz fürstlich entlohnen lassen. Die Ausbildungsvereine des Alsdorfers – Alemannia Mariadorf und Alemannia Aachen – würden finanziell aber nicht von einem Transfer profitieren.

Einen „Corona-Rabatt“ gibt es nicht. Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler hat in diesen Tagen gebetsmühlenartig wiederholt, dass Kai Havertz den Fußball-Bundesligisten nur verlassen wird, wenn ein Verein die Ablöseforderungen erfüllt. Rund 100 Millionen Euro sollen auf das Konto der Leverkusener fließen. Gerne mehr, aber nicht weniger. Noch nie ist ein deutscher Fußballprofi höher gehandelt worden als Havertz.

Wohin die Reise des deutschen Top-Talents geht, wird auch bei seinen früheren Jugendclubs mit Neugier verfolgt. Ein gesteigertes Interesse an einem Wechsel haben die Verantwortlichen von Alemannia Mariadorf und Alemannia Aachen allerdings nicht, beide Vereine würden leer ausgehen.

Das hat mit dem Regelwerk des Weltfußballverbandes Fifa zu tun. In der Anlage 5 des „Reglements bezüglich Status und Transfer“ werden die Voraussetzungen festgelegt, die Vereine erfüllen müssen, um vom sogenannten „Solidaritätsmechanismus“ zu profitieren. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Anzahl der Spielzeiten, die ein ehemaliger Jugendspieler zwischen dem zwölften und 23. Lebensjahr bei dem jeweiligen Club verbracht hat. 0,25 Prozent der Ablösesumme werden fällig, für jede Spielzeit, die der Zwölf- bis 15-Jährige absolviert hat; zwischen dem 16. und 23. Lebensjahr sind es sogar 0,5 Prozent. So weit, so kompliziert.

Konkret bedeutet das: Wäre Havertz erst im Sommer 2011 vom Aachener Tivoli unter das Bayer-Kreuz gewechselt, im Alter von zwölf Jahren, hätte sich die Alemannia über eine Bonuszahlung in Höhe von 250.000 Euro freuen können, wenn zum Beispiel der FC Chelsea die 100 Millionen Euro nach Leverkusen überweisen würde. Da der Alsdorfer aber schon im Sommer 2010, also im Alter von elf Jahren, den Schritt ins Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten gemacht hat, wird es keinen Scheck geben, der auf Alemannia Aachen ausgestellt wird. Auch Alemannia Mariadorf wird kein Empfänger sein. Der Alsdorfer Stadtteilclub hat Havertz zwar sechs Jahre ausgebildet. Die Ausbildungszeit liegt aber schon zu lange zurück, dass es noch Ansprüche geben würde.

Ein wenig ausgezahlt hat es sich trotzdem, dass Havertz für beide Vereine gespielt hat, auch wenn die Zusatzeinnahmen nicht vergleichbar sind mit der Beteiligung an der Transfersumme: Nach Angaben des DFB hat Mariadorf 2700 Euro und Alemannia Aachen 1200 Euro erhalten, als Havertz sein erstes Profi-Spiel in der Bundesliga bestritten hat. Das Geld kommt aus einem anderen Topf, da die Beiträge im Rahmen der Ausbildungsentschädigung ausgeschüttet wurden. Auch Bayer Leverkusen wurde damals zur Kasse gebeten und musste 16.000 Euro auf das Mariadorfer und 4000 Euro auf das Aachener Konto überweisen. Und da Havertz mit der Fritz-Walter-Medaille für den besten Nachwuchsspieler in Silber (U 17; 2016) und Gold (U 19; 2018) ausgezeichnet wurde, hat der DFB zudem 35.000 Euro ausgeschüttet, die anteilig an die Vereine ausgezahlt wurde, die an der Ausbildung des heute 21-Jährigen beteiligt waren.

„Insgesamt haben wir knapp 30.000 Euro erhalten“, sagt Josef Weitz, der mehr als 40 Jahre im Vorstand von Alemannia Mariadorf tätig war. Das Geld wurde in Steine investiert, nicht in Beine. „Wir haben an der Infrastruktur gearbeitet und unsere Kabinen komplett saniert“, sagt Weitz. Ob er der Chance auf den großen Zahltag hinterhertrauert? „Natürlich wäre das wie ein Sechser im Lotto gewesen. Aber wir freuen uns auch so darüber, dass Kai zu einem Weltklassespieler gereift ist.“ Schließlich können nicht viele Clubs von sich behaupten, dass eine so große Karriere auf dem eigenen Dorfplatz begonnen hat.