Fußball-Bundesliga und der Start in die neue Saison

Zum Start der Fußball-Bundesliga : Gibt es Spannung bis zum letzten Spieltag? Ja!

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in ihre 57. Saison. Wir wagen einen Ausblick und geben Prognosen: Borussia Dortmund löst den Seriensieger Bayern München ab und wird Deutscher Meister.

Also sprach Uli Hoeneß am 24. Februar 2019 in die Mikrofone: „Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die neue Saison . . .“ Also schreiben wir am 15. August 2019: „Wir wüssten sehr gerne, was Sie schon alles sicher haben für die neue Saison . . .“

Der Noch-Präsident des FC Bayern München hat vor einem halben Jahr diesen Satz gesagt, ohne unsere Wissenslücke seitdem nennenswert zu schließen. Die Zugänge des französischen Weltmeisters Benjamin Pavard (23) vom VfB Stuttgart und des Talents Jann-Fiete Arp (19) vom Hamburger SV waren damals schon perfekt, die folgende Verpflichtung des Ende März am Knie operierten französischen Innenverteidigers Lucas Hernández (23, ebenfalls Weltmeister) von Atlético Madrid für 80 Millionen Euro war absehbar. Ivan Perisic von Inter Mailand ist seit dieser Woche nun der 19. Feldspieler im Trikot des nationalen Serienmeisters.

Was machen die Bayern in der neuen Saison, was macht Herausforderer Borussia Dortmund? Wie werden sich die Klubs aus dem Westen schlagen, wie die Aufsteiger? Was ist mit den neuen Regeln, dem Videobeweis, den TV-Übertragungen? Wir wagen einen Ausblick und geben Prognosen.

Frei nach Uli Hoeneß: Wenn Sie wüssten, was wir schon wissen. Das ist – ehrlich gesagt – nicht sehr viel. In München, Leipzig, Frankfurt, Bremen und bei Hertha BSC kostet der halbe Liter Bier 4,40 Euro, in Dortmund nur 3,90 Euro. Die Bratwurst ist mit 4,20 Euro in München am teuersten, nur schmackhafte zweifuffzig kostet sie bei Aufsteiger Union Berlin. Soweit die wenigen Fakten zur neuen Saison . . .

Der Titelkampf

Es ist kein Wagnis, ein Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund vorherzusagen – und einen spannenden Zweikampf um den Titel. Dortmunds Trumpf könnte die noch einmal verstärkte Offensive sein. Die Neuzugänge Nico Schulz (26, nominell Verteidiger, aber meist in der vorderen Reihe unterwegs), Julian Brandt (23) und Thorgan Hazard (26), alle rund 25 Millionen Euro teuer, sowie die Rückkehr von Abwehrchef Mats Hummels (30) vom FC Bayern (30 Millionen Euro) bieten Trainer Lucien Favre größtmögliche Flexibilität bei der Aufstellung.

Stand heute hat der BVB 24 Feldspieler und vier Torhüter im Profikader, von denen nur drei Akteure – Mateu Morey, Tobias Raschl, Patrick Osterhage – Ergänzungsspieler sind. Anders die Bayern, die – Stand 15. August, 20 Uhr – neben vier Torhütern nur 19 Feldspieler als Kandidaten für die Startformation haben (inklusive der Ergänzungsspieler Lars Lukas Mai und Arp). Das ist definitiv zu wenig für die Dreifachbelastung aus Liga, DFB-Pokal und Champions League. Ein klarer Pluspunkt für die Dortmunder! Vorausgesetzt, bei beiden Klubs wären alle Spieler einsatzfähig, wären folgende Aufstellungen denkbar:

Dortmund: Bürki - Hakimi, Hummels, Akanji, Schulz - Witsel, Brandt, Weigl - Sancho, Alcácer, Reus

München: Neuer - Kimmich, Süle, Hernández, Alaba - Goretzka, Martinez, Thiago - Gnabry, Lewandowski, Coman.

Beim Blick auf diese 22 Spieler können die Bayern durchaus stärker eingeschätzt werden, doch beim Blick auf die Bank sieht das anders aus. Münchens Trainer Nico Kovac hätte dort sitzen: Ullreich (Tor) Pavard, Boateng (Abwehr), Tolisso, Sanches (Mittelfeld), Müller, Davies und Perisic (Angriff). Eindeutig zu wenige Alternativen im Vergleich zu Dortmund, wo Favre die Qual der Wahl hätte zwischen Hitz (Tor), Piszczek, Zagadou, Balerdi, Schmelzer (Abwehr), Delaney, Dahoud, Guerreiro (Mittelfeld), Götze, Hazard, Bruun Larsen und Wolf (Angriff).

Prognose: Dortmund wird Meister. Die Bayern müssten für die Titelverteidigung schon ohne Verletzungen durch die Saison kommen oder bis zum Transferschluss am 2. September noch drei Feldspieler verpflichten – und zwar nicht nur Ergänzungsspieler.

Die Herausforderer

Von den finanziellen Möglichkeiten gehört diese Rolle RB Leipzig, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg. Wirkliche Herausforderer über 34 Spieltage werden alle drei für den BVB und den FCB nicht sein, auch wenn speziell Leverkusens Offensive herausragend besetzt ist. Dem Leipziger Jugendwahn würden ein paar erfahrene Profis als Stabilisatoren gut tun, Wolfsburg hat sich gut verstärkt, einen breiten und ausgeglichenen Kader.

Prognose: Wolfsburg wird sich als dritte Kraft etablieren, Leverkusen und Leipzig konkurrieren um den vierten Platz in der Champions League.

Die Westklubs (ohne Aufsteiger)

Rang drei in der „Westtabelle“ dürfte wieder an Borussia Mönchengladbach gehen. Wie in Wolfsburg mit Oliver Glasner (vom Linzer ASK) kommt mit Marco Rose ein Trainer aus der österreichische Liga. Mit RB Salzburg feierte der Leipziger große Erfolge, seine Spielphilosophie kann aber nach sechswöchiger Vorbereitung noch nicht hundertprozentig verinnerlicht sein. Die Borussia wird Zeit brauchen, ist aber ein spannendes Projekt mit veranlagten Spielern und viel Potenzial.

Spannend wird es auch beim FC Schalke 04, nicht nur wegen der Causa Clemens Tönnies nach dem verbalen Fehltritt des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber Afrikanern. Der neue Trainer David Wagner hat einen soliden Kader zur Verfügung, spektakulär ging es auf dem Transfermarkt nicht zu. Schalke wird aber eine bessere Rolle als in der enttäuschenden Vorsaison spielen.

Eine bessere Rolle als in der überragenden vergangenen Saison kann Fortuna Düsseldorf nicht mehr spielen. Ob die durch die Bank talentierten Zugänge die fehlende offensive Wucht von Dodi Lukebakio (Hertha BSC) und Benito Raman (Schalke 04) kompensieren können?

Prognose: Der erneute Einzug in die Europa League ist für Mönchengladbach nicht utopisch, Schalke wird eine sorgenfreie Saison spielen, und für Düsseldorf ist der Nicht-Abstieg ein Erfolg.

Die Aufsteiger

Drei Klubs, drei Bereicherungen: Der 1. FC Köln hat nach seiner direkten Rückkehr für alle Problempositionen Neuzugänge geholt, besitzt mit Achim Beierlorzer (von Jahn Regensburg) dazu wieder einen kommunikativen Trainer.

Der SC Paderborn hat eine unglaubliche Reise durch die Fußball-Ligen hinter sich. In der Saison 2013/14 in die Bundesliga aufgestiegen, folgte der direkte Abstieg. 2015/16 ging es in die Dritte Liga, wo dann im Spieljahr 2016/17 der Sturz in die Viertklassigkeit drohte. Allein durch die Lizenzverweigerung für den TSV 1860 München blieben die Westfalen in der Drittklassigkeit, um in Folge den Durchmarsch in die Bundesliga zu schaffen. Unglaublich! Gekommen, um zu bleiben, dürfte aber schwierig umzusetzen sein. Auch für Union Berlin, den 56. Neuling der Liga-Geschichte, der mit seinen beeindruckenden Fans und seiner Bodenständigkeit (fast) überall positiv gesehen wird.

Prognose: Der 1. FC Köln hat die besten Voraussetzungen und wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Für Union Berlin und Paderborn fällt die Prognose nicht so günstig aus . . .

Der Rest

Eintracht Frankfurt wird wegen der Abgänge in der Offensive nicht die beeindruckende Rolle des Vorjahrs spielen, diesen Part könnte Werder Bremen übernehmen. Die Mannschaft ist ein Jahr reifer und auch ohne den in die Türkei gewechselten Max Kruse ein eingespieltes Team. Spannend ist das Projekt Her­tha BSC, wo Manager Michael Preetz erstmals mehr Geld in die Hand nehmen konnte. Die TSG Hoffenheim wird die namhaften Abgänge (Schulz nach Dortmund, Joelinton nach Newcastle, Kerem Demirbay und Nadiem Amiri/beide Leverkusen) nicht kompensieren können. Der FSV Mainz 05, der SC Freiburg und der FC Augsburg werden eine Rolle wie in der vergangenen Saison spielen.

Prognose: Bremen wird das Überraschungsteam, Frankfurt, Hoffenheim und Hertha BSC spielen eine sorgenfreie Saison, Mainz, Freiburg und Augsburg gehören mit den Aufsteigern und Düsseldorf zum Kreis der Abstiegskandidaten.

Neue Regeln

Dass die Kapitäne jetzt beim Münzwurf sich entweder für eine Seite oder für den Anstoß entscheiden können, gut und schön – aber nicht wirklich bewegend. Die Gelbe Karte für Trainer kommt zu spät, Werner Lorant (Ex-Coach bei 1860 München), ist nicht mehr aktiv . . . Und die neue Handspielregel (>Zusatzbox) sorgt nur bedingt für Klarheit: Die Beurteilung kritischer Vergehen liegt nach wie vor im Ermessen des Schiedsrichters – auch weil Regeln nicht eindeutig festzulegen sind. Ach ja, Unterhemden dürfen wieder mehrfarbig oder gemustert sein, sofern sie „exakt“ Muster und Farben der Trikotärmel entsprechen. Offizielle Begründung: „Solche Unterhemden sind zuzulassen, da sie den Spiel- offiziellen bei deren Entscheidungen helfen.“ Wie das wiederum genau gemeint ist, bleibt offen. Noch Fragen?

Prognose: Es wird nicht besser, die Unsicherheit bleibt

Der Videobeweis

Überspitzt formuliert: Sind die Unparteiischen noch als Schiedsrichter unterwegs oder nur als Erfüllungsgehilfen des Videoassistenten im mittlerweile berühmt berüchtigten „Kölner Keller? Die erste Runde im DFB-Pokal (ohne Videobeweis) spielte Befürwortern und Gegnern in die Karten. Mit Videobeweis wäre es bei einigen Spielen gerechter zugegangen. Aber ohne durfte bei jedem Tor spontan gejubelt werden und die Partien dauerten nicht 120 Minuten – ohne Verlängerung.

Prognose: Es wird sich nichts ändern, denn nach wie vor gibt es Momente mit verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten. Und es entscheiden – Gott sei Dank – Menschen und keine Roboter.

Der Pay-TV-Sender Sky zeigt alle Samstagsspiele exklusiv. Foto: Bernd Thissen

Das Fernsehen

Drei Sender teilen sich die Rechte an der Live-Übertragung: der Streamingdienst Dazn, Sky und das ZDF. ARD, Sport1, RTL Nitro und Dazn zeigen zudem Highlights. Für den 1., 17. und 18. Spieltag hat sich das ZDF die Rechte am Freitagsspiel gesichert, so heute bei der Partie von Bayern München gegen Hertha BSC. Alle Partien, die am Freitagabend angestoßen werden (immer 20.30 Uhr), zeigt Dazn.

Der Pay-TV-Sender Sky zeigt alle Samstagsspiele exklusiv, Zusammenfassungen gibt es bei Dazn (40 Minuten nach dem Schlusspfiff), ARD („Sportschau“ ab 18.30 Uhr), ZDF („Aktuelles Sportstudio“, frühestens ab 21.45 Uhr) und Sport1 (Sonntagmorgen).

Sonntags zeigt Sky alle Bundesliga-Spiele, die um 15.30 Uhr und 18 Uhr angepfiffen werden. Dazn hat die Rechte an den Spielen um 13.30 Uhr. Höhepunkte zeigen Dazn (40 Minuten nach Abpfiff) und die ARD mit ihren Dritten Programmen (ab 21.45 Uhr).

Die fünf Montagsbegegnungen in dieser Saison zeigt Dazn. Zusammenfassungen der Montagsspiele sowie aller weiterer Partien des Spieltags zeigt der RTL-Sender Nitro ab 22.15 Uhr.

Prognose: Sky hat sich als zentraler Live-Sender der Bundesliga etabliert, der Großteil der Kommentatoren berichtet sachlich fundiert. Da ändert sich (hoffentlich) nichts.

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