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Aachen: Zwei Vereine vernichten ihre Porzellan-Vorräte

Aachen : Zwei Vereine vernichten ihre Porzellan-Vorräte

Gäbe es eine Tabelle der unruhigsten Teams in der Bundesliga, dann stünde am Wochenende die Partie des Letzten gegen den 17. an. Alemannia Aachen empfängt den VfL Wolfsburg, zwei Teams, die ihre Porzellan-Vorräte in diesen Tagen zerdeppern.

Wolfsburger Medien spekulieren, dass das Wort Endspiel sowohl für Trainer Klaus Augenthaler als auch für Manager Klaus Fuchs eine persönliche Bedeutung nach der Partie in Aachen bekommen könnte. Als Nachfolger für Fuchs wird übrigens Jörg Schmadtke gehandelt, den einige Aachener Fans für den drohenden Abstieg mitverantwortlich machen. So rumort es auch in Aachen so kräftig, dass der Verein am Dienstag vorsichtshalber einen Ordnungsdienst für das Training bestellte.

Der Aufsteiger hat durch eine Laune der Tabelle fast unverhofft noch einen kleine Chance zum längeren Verweilen erhalten. Doch anstatt die letzten Kräfte zu bündeln, hatte Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Helmut Breuer lauthals „Redebedarf” nach der Freistellung für Jan Schlaudraff und Sascha Dum angemeldet: „Wenn man 36 Jahre auf die Erste Liga warten musste, sollte man wirklich alles versuchen und nicht Prinzipien reiten.”

So fand am Dienstag die „Beratung über die sportliche Situation” statt. Die Herren hatten sich zur symbolträchtigen Uhrzeit auf der Geschäftsstelle verabredet. Dienstagmittag, kurz vor zwölf.

Knapp 120 Minuten diskutierten die Funktionäre, heraus kam für jede Stunde ein Satz. Erste Stunde: „Bei einem Meinungsaustausch haben Sportdirektor Jörg Schmadtke und Geschäftsführer Frithjof Kraemer mit Vertretern des Aufsichtsrates die sportliche Situation analysiert.”

Zweite Stunde: „Das Gremium ist sich sicher, dass mit der Mannschaft, die an den letzten beiden Spieltagen auflaufen wird, der Klassenerhalt noch zu realisieren ist und stellt sich hinter alle von der sportlichen Leitung getroffenen Entscheidungen.” Übersetzt heißt das: Schlaudraff und Dum werden nie mehr in einem Aachener Trikot auflaufen.

Es war nicht das erste Funktionärstreffen, bei dem über Aachens Nationalspieler debattiert wurde. Ende letzten Jahres wurden Jürgen Linden, Helmut Breuer und Präsident Horst Heinrichs (diesmal auch noch Aufsichtsrat Franz-Wilhelm Hilgers dabei) vorstellig.

Die Räte verhinderten den Verkauf von Jan Schlaudraff, der dem FC Bayern eine weitere siebenstellige Summe wert gewesen sei. Der 23-Jährige hatte damals 15 + 2 Argumente in Liga und Pokal gesammelt und galt als Nicht-Abstiegsgarantie. Ein paar Monate später sind alle Beteiligten schlauer. „Das Treffen war völlig in Ordnung und von Sachlichkeit geprägt”, sagte Jörg Schmadtke nach dem Meinungsaustausch. Der Manager erläuterte die disziplinarischen Maßnahmen. „Die Argumente wurden nachvollzogen, und seitdem trägt auch der Aufsichtsrat unsere Entscheidung mit, dass ist doch eine schöne Randnotiz.”

Am Dienstagmorgen trainierten die aussortierten Spieler wieder alleine mit dem Trainer der Oberliga-Mannschaft. Stefan Emmerling hatte am Wochenende auf einen Einsatz der Nationalspieler verzichtet, „weil das nur Unruhe in meine Mannschaft gebracht hätte”.

Ohnehin dürften die Profis aus formalen Gründen ab jetzt nicht mehr bei den Amateuren eingesetzt werden. So kommen sie als Zivilisten zum nächsten Endspiel ins Stadion. Eine Verabschiedung aller Spieler, die den Verein am Saisonende verlassen, ist ohnehin in einem anderen Rahmen vorgesehen.

Mirko Casper spielt rechter Verteidiger

Die Abwehrformation für die Partie gegen Wolfsburg steht bereits fest. Moses Sichone und Thomas Stehle stehen in der Innenverteidigung zwischen Jeffrey Leiwakabessy und Mirko Casper.

Große Fortschritte im Training macht Emmanuel Krontiris, der nach ewiger Verletzungspause wieder eine Alternative werden könnte, so Trainer Michael Frontzeck.