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Köln: „Wir sind auf einem richtig guten Weg”

Köln : „Wir sind auf einem richtig guten Weg”

Leidenschaft, Disziplin und Selbstvertrauen: Drei Eigenschaften, die den 1. FC Köln zur Zweitliga-Vizemeisterschaft und zurück in die Fußball-Bundesliga führten.

Der Weg der Geißböcke in die nationale Kicker-Elite war statistisch gesehen beeindruckend, was man vom spielerischen Niveau oft nicht behaupten konnte. Doch in der Saison 2002/2003 heiligte der Erfolg alle Mittel.

An der Schnittstelle zwischen Erst- und Zweitklassigkeit zog FC-Manager Andreas Rettig wenige Tage nach dem letzten Spiel im Gespräch mit den AZ-Redakteuren Günter Kirschbaum und Wilhelm Peters seine persönliche Bilanz.

Am Rhein macht sich schon Vorfreude auf die nächste Saison breit. Die Aufstiegsfeierlichkeiten sind beendet, und die Spieler haben ihren Urlaub angetreten, aber im Geißbockheim wird weiter an der Zukunft des 1. FC Köln gebastelt. Und die wird, so sind die Verantwortlichen überzeugt, erfolgreich sein.

„Wir sind auf einem richtig guten Weg”, fasst Andreas Rettig seine Sicht der FC-Dinge zusammen. Da haben auch die vier Niederlagen auf der Zielgeraden der Saison nichts an der Einschätzung des Kölner Managers geändert.

„Klar”, räumt er ein, „ist das verspielter Kredit in der Außenwirkung. Aber es bleibt ein absolut positives Fazit, das wir zu abgelaufenen Saison ziehen. Und wir lassen nicht alles in Frage stellen, was wir uns in den letzten Monaten erarbeitet haben.”

Das Kölner Konzept ist aufgegangen. Mit minimalem Personalbestand das maximale Ergebnis eingespielt. Rettig: „Wir hatten den kleinsten Kader im Profibereich”, blickt der Manager zurück.

„Wenn man dann noch berücksichtigt, dass von den 18 Feldspielern im Jahr davor noch vier in der Oberliga gespielt haben, muss man schon feststellen, dass unsere Transferpolitik sich als richtig herausgestellt hat.”

Vor allem Florian Kringe, der von den Amateuren von Borussia Dortmund zum FC gestoßen war, erwies sich als Glücksgriff.

„Wie kaum ein anderer deutscher Klub im professionellen Bereich haben wir auf die aktuellen Probleme des Fußballs effizient und schnell reagiert”, betont Rettig. Immerhin erzielte der FC einen Transferüberschuss von drei Millionen Euro - rund 15 Prozent des Zweitligaetats.

Der sportliche Erfolg hat auch die wirtschaftliche Basis verbreitert. „Wir haben das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht, sind aufgestiegen, haben weiter steigende Mitgliederzahlen und neue Sponsoren hinzu gewonnen”, zählt Andreas Rettig die wesentlichen Saisonfakten auf.

Andreas Rettig ist froh, das Kapitel 2. Liga abgeschlossen zu haben. „Es war dieses Jahr sehr, sehr schwer, als der große Favorit so durch die Liga zu marschieren.” Doch länger will sich der Manager, der bei seinem Leverkusener Kollegen Reiner Calmund in die Lehre gegangen ist, nicht mit der jüngsten Vergangenheit beschäftigen.

Jetzt ist der Blick ausschließlich nach vorne gerichtet. „Wir haben auch für die neue Saison unsere Hausaufgaben gemacht”, sagt Rettig. „Fünf Spieler wurden ablösefrei verpflichtet. Alle sind im besten Fußballer-Alter, und alle kennen die Bundesliga.”

Was ihn allerdings nicht zur einer veränderten Erwartungshaltung drängt: „Unser einziges Ziel ist der Klassenerhalt, den wir auch schaffen werden. Davon bin ich überzeugt.”

Vor allem, weil Andreas Rettig keinerlei Zweifel an der charakterlichen Erstklassigkeit der neuen Geißböcke hat. Rettig: „Ich habe mich riesig gefreut, wie sich Sebastian Schindzielorz und Andrej Voronin bis zur letzten Sekunde für ihre aktuellen Arbeitgeber eingesetzt haben. Das spricht ganz klar für die Spieler.”

Das nächste Jahr soll ein Brückenjahr werden. Zwischen Klassenerhalt und Establishment. „Wir haben uns in allen Mannschaftsteilen verstärkt”, begründet Rettig seine Überzeugung, das Ziel zu erreichen.

„Außerdem wird es uns besser liegen, wenn wir das Spiel nicht machen müssen, wie das in der 2. Liga immer der Fall war.” Eine Voraussetzung, die auch der Philosophie von Trainer Friedhelm Funkel entgegen kommt, der noch einen Vertrag bis Juni 2004 in der Domstadt hat.

Und der Coach steht nicht zur Disposition. Aller öffentlichen Kritik der lokalen Medien zum Trotz: „Für uns ist die Qualität der Arbeit eines Trainers entscheidend. Das Kriterium ist nicht das Urteil des Boulevards-Journalismus”, so Rettig.

Dennoch ist die Mannschaft zum Erfolg verdammt. „Einen dritten Abstieg kann der Klub sich nicht mehr leisten”, hat Präsident Albert Caspers jüngst unmissverständlich verkündet.

Der Selbstanspruch von Mannschaft, Präsidium, Gönnern und Fans ist erstklassig. Beim dritten Versagen droht statt einer Trotzreaktion eine ernste Beziehungskrise zwischen dem Verein und seinen Sympathisanten.

Doch damit beschäftigt sich Rettig nicht einmal am Rande. Der sportlicher Leiter der 1. FC Köln KG aA ist vom Erfolg des mittelfristig angelegten Konzepts felsenfest überzeugt.

Was mit dem 40-Millionen-Etat allerdings nicht zu verwirklichen ist, hat Rettig auch schon formuliert. „Das Gerede vom UEFA-Cup, das im Umfeld schon vereinzelt laut geworden ist, ist völliger Quatsch. Am Ende der nächsten Saison muss für uns der Klassenerhalt stehen.” Alles darüber hinaus ist höchsten eine Zugabe.

Aber dann kann der 1. FC Köln mit einem zusätzlichen Pfund wuchern. Schließlich wird das umgebaute RheinEnergieStadions im Mai 2004 offziell eingeweiht, womit weitere Finanzquellen erschlossen sind.

Wobei allerdings keine Schwierigkeiten erwarten werden, da der FC in den letzten Jahren sein ökonomisches Umfeld sehr gepflegt hat.

Und mit dem 51. 000 Zuschauer fassenden reinen Fußballstadion ist die Domstadt dann wohl eine der ersten Adressen Fußball-Deutschlands. „Das neue Stadion bietet uns eine Vielzahl von Möglichkeiten”, gibt sich Rettig zurückhaltend. „Die gilt es zu nutzen.”