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München: „Wir haben das Gesicht gewahrt”

München : „Wir haben das Gesicht gewahrt”

Wenn die eigenen Sorgen so groß sind, interessieren manche Dinge nur am Rande. So kommentierten die Gladbacher Borussen nur beiläufig den Umstand, dass auf der Bank beim FC Bayern mit Jupp Heynckes ein waschechter Mönchengladbacher saß. „Es könnte gut sein, dass ich heute auch gegen Jürgen Klinsmann verloren hätte”, sagte Borussias aktueller Trainer Hans Meyer und mahnte an, den Trainerwechsel in München nicht „nach nur einem Spiel schon zu beurteilen oder gar zu verurteilen”.

Mit dem Verurteilen geht es vergleichsweise schnell, wie Meyer in München selbst erfahren musste. Hatte er doch gewagt, angesichts der offensichtlichen Qualitätsunterschiede zum Rekordmeister mit „einer veränderten Grundordnung” anzutreten. Die beinhaltete, dass neben dem gesperrten Alexander Baumjohann auch die zuletzt in ihren Leistungen arg schwankende Offensivkraft Marko Marin in der Startelf fehlte.

Dafür baute Meyer mit Tobias Levels und Jan-Ingwer Callsen-Bracker gelernte Verteidiger im Mittelfeld ein, wobei zumindest die Nominierung von Callsen-Bracker erstaunte.

In München bekam er die Aufgabe, die Kreise von Z Roberto einzuengen. „Wir hatten eine klare Zuordnung”, bestätigte der ehemalige Leverkusener. Wobei er zugeben musste, dass die Bayern mit „Schweinsteiger, Altintop und Zé Roberto sehr flexibel agierten”.

So flexibel, dass die Gladbacher mit ihrer auf Torsicherung bedachten Spielweise trotz ansprechender Umsetzung bereits nach einer guten halben Stunde zu scheiterten schienen. Da nämlich bereitete Luca Toni gegen einen zu zögerlich eingreifenden Dante das 1:0 vor, das Nationalspieler Schweinsteiger markierte.

Doch nur fünf Minuten später kam Borussia etwas überraschend zurück, nachdem Filip Daems einen von Bayern-Keeper Jörg Butt an Roel Brouwers verschuldeten Foulelfmeter verwandelte.

„Danach spürte man schon eine leichte Unruhe im Publikum”, stellte Hans Meyer anschließend fest. Die Phase der Verunsicherung bei den Münchenern dauerte allerdings nicht lange.

„Das haben wir selbst wieder korrigiert, weil wir nicht aufmerksam waren”, ärgerte sich Meyer über das 2:1 durch Altintop nur weitere vier Minuten nach dem Ausgleich. Ausgerechnet Jan-Ingwer Callsen-Bracker sprang hier unter einem hohen Ball hindurch und ebnete Altintop so den Weg.

Nach dem Wechsel reduzierte Bayern das Risiko, kam dennoch zu hochkarätigen Torgelegenheiten, die speziell Luca Toni teils kläglich vergab.

Auf der anderen Seite erhöhte Meyer durch offensive Wechsel Schritt für Schritt das Risiko. Trotz Colautti, Marin und Neuville blieb ein Effekt aus. „Wir sind nach vorne nicht gefährlicher, dafür aber nach hinten deutlich schwächer geworden”, bestätigte Borussias Trainer.

Am Ende stand die erwartete Niederlage der Gladbacher. „Es ist etwas ganz normales passiert”, resümierte Meyer nüchtern. „Wir haben das Gesicht gewahrt und uns lange Zeit richtig gewehrt. Dass es schließlich nicht gereicht hat, ist eine Sache der Qualität und der Möglichkeiten, die man hat.”

Sportdirektor Max Eberl verteidigte die taktische Ausrichtung. „Das war Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach. Da muss man schon die Kirche im Dorf lassen. Wenn Michael Bradley die Kopfballchance zum 2:2 nutzt, sprechen alle von einer phantastischen Taktik. Jetzt reden alle nur negativ. Jedoch ist nicht der Zeitpunkt, um attraktiv abzusteigen. Da will ich lieber destruktiv drin bleiben.”

Hans Meyer beschränkte sich in seiner Schlusswertung auf das Wesentliche: „Wir haben unser leicht besseres Torverhältnis gegen unsere Mitkonkurrenten noch erhalten und durch die Resultate auf den anderen Plätzen auch noch eine reelle Chance. Die Teams dort unten gehen auf Augenhöhe in die letzten vier Spiele.”

Tobias Levels bestätigte: „Wir haben zwar verloren, doch die Köpfe gehen nach oben. Noch haben wir alles selbst in der Hand.”