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Gelsenkirchen: Wie wahr: „Ein Schuss, ein Tor, Borussia“

Gelsenkirchen : Wie wahr: „Ein Schuss, ein Tor, Borussia“

Vielleicht liegt es ja an der Sicht. So direkt am Spielfeldrand fehlt einem schon mal der Überblick. Das könnte erklären, weshalb Huub Stevens und Lucien Favre eine etwas andere Sicht der Dinge hatten als der Großteil der weiteren Anwesenden in der Gelsenkirchener Fußball-Arena. „Ein großes Lob“ sprach Schalkes Trainer Stevens seinen Jungs aus, „ich muss ihnen ein Kompliment machen für so ein Spiel auf so einem schwierigen Boden.“

Er war zufrieden mit dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach, ein Ergebnis, das zunächst für Enttäuschung bei den Gästen sorgte. Aber den späten Ausgleich durch Julian Draxler (85.) sah Favre als „klar verdient“ an. Das Lob für seine Mannschaft konnte indes nicht zwingend jeder Beobachter nachvollziehen. „In der ersten Halbzeit war es spielerisch gut, auch bei Ballbesitz“, urteilte der Trainer.

Im Ansatz mag man ihm zustimmen, weil ja auch nur im Ansatz die Spielentwicklung seiner Mannschaft gut war. Ab Höhe der Mittellinie war es drastisch ausgedrückt gruselig, was Herrmann, de Camargo und Co. mit dem Ball anstellten. Speziell die Annahme des Spielgeräts geriet oft zur Qual, so dass den drei, vier guten Ideen schnell der Garaus gemacht wurde. „Herausragend“ auf diesem Gebiet Patrick Herrmann, dem so gut wie nichts gelingen wollte. Mal verdaddelte er Lukas Rupps starkes Zuspiel (8.), dann sprang ihm der Ball bei einem fast perfekten Konter (66.) über Havard Nordtveit und Rupp zu weit vom Fuß.

So hatte Favre — wieder einmal — die „schlechte Ballannahme“ zu bemängeln. In Halbzeit 2 gefiel dem alles in allem zufriedenen Trainer nicht, „dass manchmal zu wenig probiert wurde zu spielen“. Daraus resultierten „ein paar unnötige Ballverluste“ und keine zwingende Chance. Außer beim Führungstor, als Thorben Marx nach Joel Matips Fehlpass klasse reagierte, blitzschnell Igor de Camargo steil schickte. Und der Belgier überraschte Schalkes Torwart Timo Hildebrand mit einem schnellen Schuss — mit der Picke (62.). „Ein Schuss, ein Tor, Borussia“, sangen die über 5000 Mönchengladbacher Fans und hatten ja so recht: EIN Schuss, EIN Tor — in Sachen Effektivität ist die Borussia in der Offensive richtig gut.

Und seit einigen Spielen auch wieder in der Defensive. Marc-André ter Stegen hielt tadellos, die Abwehrkette harmonierte bestens, und auch wenn die Schalker nicht in Top-Form agierten: Gegen diese hochkarätig besetzte Formation nur wenige Chancen zuzulassen, verdient Anerkennung. Und hätte Martin Stranzl beim Gegentor zufällig auf der linken Seite gestanden, wäre es wohl nicht gefallen. „Da muss man auch mal foulen und eine Gelbe Karte in Kauf nehmen“, sagte der Österreicher, der sich taktisch wohl anders verhalten hätte als Marx, Oscar Wendt und Alvaro Dominguez, die die Vorarbeiter zum 1:1, Jefferson Farfan und Teemu Pukki, nur freundlich an der Außenlinie entlang begleiteten.

Aber ansonsten „haben wir das gut gemacht im Strafraum“, urteile Havard Nordtveit, der nach nicht einmal 20 Sekunden und einer Aktion gegen Lewis Holtby die Gelbe Karte gesehen hatte. „Es wird immer besser, wir haben uns stabilisiert“, urteilte der Borusse, dem am wenigsten der Kräfteverschleiß durch die vielen englischen Wochen anzumerken ist. Ganz im Gegensatz zum Beispiel zu Juan Arango, der dringend eine Pause benötigt und sie wie einige andere Spieler auch beim für die Tabelle bedeutungslosen Europa-League-Spiel in Istanbul am Donnerstag bekommen dürfte.