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Leverkusen: Werder Bremen besiegt Bayer Leverkusen

Leverkusen : Werder Bremen besiegt Bayer Leverkusen

Reiner Calmund war schwer beeindruckt. „Werder Bremen hat das Zeug dazu, Meister zu werden. Das sind große, robuste Spieler mit Durchsetzungsvermögen, die taktisch gut eingestellt sind”, lobte der Manager von Bayer Leverkusen den Gegner, dem mit dem 3:1 in der BayArena.

Bei den Bremern, die mit einem Heimsieg am Dienstag gegen Rostock die fünfte Herbstmeisterschaft ihrer Klubgeschichte perfekt machen könnten, steigerte der Erfolg das Selbstbewusstsein.

„Jetzt haben wir das Ziel, die Tabellenführung mit in die Winterpause zu nehmen”, sagte Mittelfeldspieler Fabian Ernst.

Sportdirektor Klaus Allofs, der schon seit längerem das Team mit optimistischen Prognosen antreibt, dämpfte aber aufkommenden Übermut: „Dass wir guten Fußball spielen, wissen wir. Zur Meisterschaft ist es aber noch ein weiter Weg.”

Die Erfahrung der beiden Vorjahre, als die Bremer nach der Winterpause regelrecht einbrachen, steckt in den Köpfen. „In den letzten Jahren haben wir in der Rückrunde einiges hergegeben. Das wollen wir besser machen”, erklärte Trainer Thomas Schaaf.

Beim viermaligen Vizemeister, der nach einem starken Start nun seit fünf Pflichtspielen sieglos ist, wurde die Lage vor dem letzten Spiel des Jahres beim VfB Stuttgart ohne Panik analysiert. „Wir sind nach dem Fastabstieg im Mai noch immer in der Konsolidierungsphase. Was wir bisher mit 32 Punkten erreicht haben, hat niemand erwartet. Unser Ziel bleibt die Teilnahme am UEFA-Pokal”, sagte Calmund.

Trainer Klaus Augenthaler war zufrieden mit der spielerischen Leistung. Doch die geringe Effektivität findet „Auge” keineswegs Spitze. „Ich wäre froh, wenn wir nur eine kleine Krise hätten. Unsere drei Stürmer haben neun Tore in dieser Saison gemacht, Ailton allein 15. Deswegen sind wir ein paar Punkte weg von Bremen.

Sein Team erspielt sich die meisten Torchancen in der Liga, jedoch hapert es an der Verwertungsquote. „Soll ich sie ersäufen? Wir werden weiter arbeiten”, sagte Augenthaler.

Nach der Führung durch den Doppelschlag von Ailton (42.) und Mladen Krstajic (44.) und dem Anschlusstor von Jens Nowotny (73.), dem ersten Treffer des Abwehrspielers seit drei Jahren, hatte Bayer 04 in der Schlussphase sogar ein halbes Dutzend Offensivkräfte aufgeboten.

„Wir waren zu nervös und zu hektisch”, urteilte Augenthaler. Genau dieser Schwachpunkt und das Manko der schlechten Torchancen-Verwertung führten im Vorjahr in die Bredouille. Die Überzahl nach der Gelb-Roten Karte für Johan Micoud (67.) konnten die Rheinländer nur zum 1:2 nutzen.

„Aber es liegt nicht allein am Sturm. In den letzten vier Spielen lagen wir viermal mit 0:2 in Rückstand. Da stimmt auch in der Abwehr was nicht”, meinte Calmund. Augenthaler knöpfte sich Torwart Jörg Butt vor, der das 1:3 durch Krisztian Lisztes Foulelfmeter in der Nachspielzeit auf dem Gewissen hatte.

Butt war mit in den Werder-Straraum geeilt. „Er hat 22 Elfmetertore gemacht, aber noch nie einen Kopfballtreffer. Er soll im Tor bleiben”, rügte Augenthaler den Keeper. Denn beim letzten Konter durch Angelos Charisteas kam Butt nicht rechtzeitig zurück.

Nowotny fuhr dem einschussbereiten Griechen mit einem Tackling in die Parade. Schiedsrichter Uwe Kemmling zeigte dem Nationalspieler rot und entschied auf Strafstoß. Gegen den Platzverweis wird Leverkusen Einspruch einlegen, da auch Kemmling zugab, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben.

Nowotnys Attacke war regelrecht. Dass die Bremer ihren vierten deutsche Meistertitel holen können, bekamen sie von zwei Ex-Werderaner bestätigt. Otto Rehhagel und Rudi Völler lobten das Team für die abgeklärte Spielweise. Ailton, der bei 15 Saisoneinsätzen 15 Tore schoss, sprach vom „großen Spaß”, der in der Mannschaft herrsche.

Der Brasilianer dementierte, dass er für die deutsche Nationalmannschaft spielen wolle. Sein Ziel sei es, in der Bundesliga so zu glänzen, dass er in die brasilianische Auswahl berufen wird. Und Völler macht klar, dass er auf keinen Fall einen Brasilianer berufen möchte. Auch nicht, wenn Ailton den SV Werder zum Titel schießt.