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Bielefeld: Wenn Lehrherr Meyer Lehrling Marin liebkost...

Bielefeld : Wenn Lehrherr Meyer Lehrling Marin liebkost...

Spätestens seit dem 2:0 in Bielefeld steht fest: Hans Meyer musste keine Namensprüfung ablegen, um den Trainer-Job in Mönchengladbach zu bekommen. „Markus Marin” bescheinigte er ein starkes Spiel. Der heißt zwar Marko, und womöglich kritisiert der „Kicker” nun den 66-Jährigen erneut, er habe sich nicht gut genug auf den Absteiger vorbereitet.

Schließlich hatte Meyer sich nach dem Verständnis des Fachblatts offenbar schier um Kopf und Kragen geredet, als er vor etlichen Tagen zugab, Abwehrspieler Steve Gohouri noch gar nicht richtig zu kennen. Marin aber will womöglich nicht auf den kernigen Coach verzichten, der seine Profis nicht in Watte zu packen pflegt. Und so beeilte sich der Matchwinner, einen Lernprozess seines Vorgesetzten zu veröffentlichen: „Er sagt schon viel öfter Marko.”

Dank des lernenden Trainers wissen wir nun auch, wie ihn sein Lehrling anspricht. „Glücklicherweise kommt er an die Seitenlinie und sagt Herr Meyer - er hat Herr Meyer gesagt - Herr Meyer, ich verspreche Ihnen, ich fliege heute nicht runter, ich halte die Schnauze und werde auch nicht mehr foulen.”

Also schilderte der Borussen-Trainer die womöglich spielentscheidende Szene. Denn zuvor hatte der Vierte Offizielle schon die Nummer 11 gen Himmel gereckt. Meyer wollte Marin per Auswechslung vor einem Platzverweis bewahren.

Denn nach seinem Freistoß-Tor zur frühen Führung (6.) hatte der 19-Jährige sich im Duell mit Haken und Ösen, mit Meckern und Fouls, mit seinem Kontrahenten Markus (!) Schuler eingelassen. Ein prächtiger Schuss unter die Latte (33.) und das anschließende Versprechen an der Seitenlinie hielten Marin im Spiel.

Die Belohnung für soviel Selbstkontrolle: Das 2:0 nach einer schönen Einzelleistung (80.) und eine Liebkosung seines Trainers drei Minuten später. Meyers Pranken schlossen sich liebevoll und dankbar um den Kopf seines Matchwinners, als er ihm nun einen triumphalen Abgang gönnte.

Die Handgreiflichkeiten des Fußballlehrers ersparen Milchbart Marin womöglich eine Rasur in den nächsten Tagen. Und Marin bewahrte Meyer vor einer neuen Variante der bereits wieder aufgewärmten Rasur-Geschichten. Für den Fall der Niederlage lagen die Geschichten schon parat: Erst „rasiert” der Rückkehrer die Aufstiegshelden Neuville und Rösler, dann kritisiert er auch noch Wunderknabe Marin kaputt.

In der Woche hatte Meyer dem Talent klar gemacht, dass „er noch jeden Tag an sich arbeiten muss”. Willkommen in Meyers harter Welt: Zuckerbrot ist hier eine selten Delikatesse. Dafür tischt der Trainer-Oldie ein verlockendes Versprechen auf: „Wenn er auf mich hört, wird er ein richtig guter Fußballer.”

Dieser Förderunterricht ist aber nur ein Neben-Schauplatz. Im Mittelpunkt steht der Kollektiv-Lehrgang, der nun in die dritte Woche geht. Das Klassenziel wird laut Meyer bis zum Saison-Ende gefährdet sein. Und beim Unternehmen Nicht-Abstieg war der Dreier in Bielefeld beinah ein Geschenk. „Das Resultat hat mir gefallen”, konstatierte Meyer. Was im Umkehrschluss heißt: der Inhalt weniger.

In der Tat hätte das Spiel auch 7:4 für Bielefeld ausgehen können. Speziell in der ersten Halbzeit verschluderten Wichniarek & Co. Chance um Chance. „Uwe Gospodarek und dem Glück” dankte Meyer für die Gegentorlosigkeit. In der Pause verabschiedete sich der Trainer auch vom Versuch, die von ihm gewünschte Vorwärtsverteidigung mit einer Doppelsturm-Spitze (Colautti/Friend) realisieren zu können. Positionelle und personelle Konsequenzen: Die angestrebte Stabilität und Ordnung „schaffst du eben nicht mit drei Marins und nicht mit drei Neuvilles”.