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Köln: Wenn der Manager den Trainer küsst

Köln : Wenn der Manager den Trainer küsst

Charly Körbel, das Frankfurter Urgestein, sinnierte vor dem Anpfiff in kleiner Runde über die fußballerischen Qualitäten so mancher Bundesliga-Teams. Was er sagte, sollte sich nach dem Abpfiff der Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem SC Freiburg einmal mehr bewahrheiten.

Der 48-jährige Chef-Scout der Frankfurter Eintracht, bei der die „Geißböcke” kommenden Samstag gastieren, bemerkte mit breitem Grinsen: „Oft ist die Qualität so bescheiden, dass ich selbst noch mithalten könnte. Ein paar Einheiten Ausdauertraining, dann würde es gehen.”

Das 1:0 (0:0) der Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel über die Elf von Coach Volker Finke war so ein Spiel. Nicht schön anzusehen, aber immerhin erfolgreich für die Gastgeber.

Mustafa Dogan, neben Thomas Cichon, Moses Sichone, Oliver Schröder und Jörg Heinrich eine von fünf Defensivkräften, beförderte das Spielgerät nach 70 Minuten und einem Lottner-Freistoß per Kopfball ins SC-Tor.

Und er beförderte die „Geißböcke” damit von einem Abstiegsplatz auf Rang 14. So sicherte Dogan mit seinem ersten Treffer für Köln seinem Cheftrainer zumindest vorübergehend den Arbeitsplatz, der doch arg gefährdet war. Dogan versetzte SC-Keeper Richard Golz in diesem Moment den zweiten „K.o.”.

Den ersten musste Golz bereits nach 16 Minuten hinnehmen, als Dogan ihn unbeabsichtigt so unglücklich am Kopf touchierte, dass der Keeper eine blutige Platzwunde erlitt, nach minutenlanger Unterbrechung mit einem dicken Kopfverband aber weiterspielen konnte. In der Pause wurde die Wunde genäht.

Mit seiner Situation geht Friedhelm Funkel - zumindest nach außen - eher emotionslos um: „Für mich ist vor diesem Spiel die Welt nie untergegangen. Nach dem 1:4 gegen Bremen haben wir uns zusammengesetzt, in Stuttgart dann 0:0 gespielt und heute 1:0 gewonnen. Es ist aber jedem klar, dass wir weiter hart arbeiten müssen. Heute ging es alleine darum zu gewinnen. Das ist uns gelungen.”

Manager Andreas Rettig zeigte sich dermaßen erleichtert über diesen Sieg, bei dem sich die spielstärkeren Freiburger dem schwachen Kölner Niveau anpassten, dass er Friedhelm Funkel innigst umarmte und ihm einen Kuss auf die Wange drückte.

„Das bin ich gewohnt, das hat er schon des öfteren gemacht”, zeigte sich der Trainer wenig überrascht von der Liebesbekundung. Rettig: „Die Anspannung erreichte vor allem in den letzten Minuten des Spiels den Grenzwert der Belastbarkeit. Das war sicher keine Glanzleistung, aber es ging um die Punkte. Und die haben wir geholt.”

Volker Finke fasste süffisant zusammen: „Die Kölner haben uns sicher nicht alles abverlangt. Aber trotzdem Glückwunsch. Hier entsteht ein sehr schönes Stadion. Und in vier oder fünf Jahren wird beim FC sicher großer Fußball gespielt.”

Ablenken von der eigenen Niederlage wollte Finke damit nicht, sondern nannte den simpelsten aller Gründe für diese Niederlage: „Wir haben kein Tor geschossen und daher zu Recht verloren.”

Das lag auch daran, dass die Kölner Defensive an diesem Tag in erster Linie dank Torschütze Dogan und Cichon meistens ordentlich arbeitete. Wille und Kampfbereitschaft waren vorhanden.

Dies und die drei Zähler reichten allemal, die Fans zu versöhnen. Kapitän Dirk Lottner: „Wir sind für unseren großen Einsatz belohnt worden. Den Fans wollten wir zeigen, dass wir Gas geben und gewinnen wollen. Das ist uns gelungen.”

Mustafa Dogan versprach für die kommenden Aufgaben mehr: „Wir haben jetzt zweimal zu Null gespielt. Das gibt Sicherheit. Wir werden selbstbewusst auftreten.”

Übrigens „drohte” Charly Körbel - auch vor dem Anpfiff im RheinEnergieStadion - schon einmal prophylaktisch und ebenfalls mit breitem Grinsen dem nächsten Gegner vom Rhein: „Wenn Köln nach Frankfurt kommt, hauen wir die weg.”

Dies aber wollte er als Scherz verstanden wissen. Kommt es so, dürfte Funkels Stuhl nach nur einer Woche Ruhe wieder heftigst wackeln...