1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: Wenn bei Steve Gohouri der Möbelwagen vorfährt ...

Mönchengladbach : Wenn bei Steve Gohouri der Möbelwagen vorfährt ...

Am Donnerstag fuhr ein großer Möbelwagen bei Steve Gohouri vor. Schreckensmomente für die Borussen-Interessierten in der Nachbarschaft. Doch die Entwarnung kam nach wenigen Sekunden: Es wurde aus- nicht eingeladen.

Das spricht nicht unbedingt für Absetzsignale, die man angesichts des (höchst) wahrscheinlichen Abstiegs in die Zweite Liga fürchten müsste. Umso wichtiger, weil der Abwehrspieler einer der nicht extrem zahlreichen Profis ist, die Borussia gerne halten möchte.

Neue Möbel also, neue Zukunft auch im Borussiapark? „Ich möchte gerne bleiben”, bekennt der Mann von der Elfenbeinküste.

Muss er eigentlich auch, denn schließlich hat der 25-Jährige einen Vertrag, wie die meisten seiner Kollegen, der auch für die Zweite Liga gilt (bis 2010). Allerdings inklusive einer Ausstiegsklausel, die dann greift, wenn ein Interessent eine bestimmte Summe aufruft (von mehr als zwei Millionen Euro).

„Selbst dann würde ich erst mal mit dem Klub reden”, verspricht Gohouri. Doch das schiebt er alles noch von sich weg. „Darüber will ich später mit dem Klub reden.” So redet keiner, dem es nur um einen eleganten Rückzug geht. Und der kampf- und kopfballstarke Abwehrspieler war selbst beim Wattebäuschchen-Auftritt in Hannover einer der wenigen, die dagegen hielten. Um so mehr setzten ihm die Gesänge der enttäuschten Borussen-Fans zu. „Außer Olli (Neuville) könnt ihr alle geh´n! Das hat schon weh getan.”

Sein Credo lautet dennoch: „Ich werde kämpfen bis zum Schluss.” Diese Mentalität gefällt auch Sportdirektor Christian Ziege. „Gohouri hat einen super Charakter, eine super Einstellung. Und ihm nehme ich auch ab, wenn er sagt, er will bis zum Schluss den Kopf frei haben und erst dann reden.” Kein Wunder, dass der Ex-Profi und Trainer Jos Luhukay den Verteidiger als einen der zukünftigen Führungsspieler sehen. „Das Vertrauen tut mir gut”, freut sich der Abwehrspieler.

Die sportliche Situation aber quält ihn, der voller Ehrgeiz erst im Winter zur Borussia gestoßen war. „Das ist nicht gut für für den Verein, die Fans, die Mannschaft, für unsere Karrieren, für die Stadt.” Deshalb ist er zwar zufrieden, schließlich fühlt er sich wohl am Niederrhein, aber nicht glücklich. Und auch die nur kurze Zeit im Gladbacher Dress stellt für ihn keine Entlastung dar. „Trotzdem fühle ich mich schuldig. Ich habe alles versucht, aber ich war bei all den verd... Niederlagen dabei.”

Auch wenn sich ab und zu Konzentrationsschwächen in sein Spiel einschleichen: Gohouri ist aus genau dem Holz geschnitzt, das für ein erfolgreiches Abschneiden in Liga 2 nötig ist: Hart gegen sich selbst - aber auch gegen andere. Seine fußballerischen Seiten will er noch ausbauen. „Im Aufbau könnte ich mich noch verbessern”, zeigt sich der Verteidiger kritisch. Imerhin startete er in den letzte Spielen schon mal zu Solo-Läufen. „Dazu musst du Vertrauen haben und die Mannschaft gut kennen.”

Da soll mehr kommen und auch in Sachen Torgefahr. In der Nationalmannschaft erzielte er zuletzt in drei Spielen drei Treffer. „Zwei mit dem Kopf, eines mit dem linken Fuß”, erzählt der ehemalige Stürmer. Für die Borussia hat er noch gar nicht getroffen. „Das gefällt mir nicht.”

Die Premiere könnte am Samstag gegen den VfB Stuttgart folgen - unter den Augen seines Nationaltrainers. Uli Stielike wird im Borussia-Park erwartet. Mit dem ehemaligen Borussen will sich dann auch Sportdirektor Christian Ziege zusammensetzen. Stielike als vierter Mann. Mit drei Stielike- Kollegen hat Gladbachs Jung-Manager schon gesprochen. Mit Morten Olsen (Dänemark), Köbi Kuhn (Schweiz) und Jogi Löw (Deutschland). Mit jeweils dem gleichen positiven Ergebnis. „Es ist nicht wichtig wo ein Nationalspieler spielt, nur dass er spielt und Leistung bringt”, sagt Ziege. Und hofft, dass Stielike sich diesen Kriterien anschließt.

Damit wäre auch eine große Sorge Gohouris ausgeräumt. Der Ivorer fürchtet in der Zweiten Liga um seine Nationalmannschaftskarriere. Und um seinen Traum: „Im Januar in Ghana mit unserem Team den Africa Cup holen.” Zusammen mit Super-Star Didier Drogba. Zwei Kraftpakete auf dem Fußballplatz. Doch für Gohouri ist eine andere Macht viel wichtiger. „Gott gibt uns die Kraft.”

Aber für den Muskelaufbau kann der bei dem super definierten Modelathleten nicht verantwortlich sein, gibt auch Gohouri zu - und verrät sein Rezept. „Arbeit, Arbeit, Arbeit.” Fürwahr ein sehr deutsches Motto. Doch der afrikanische Akzent fehlt nicht. „Du musst dich professionell auf dein Training und deine Spiele konzentrieren. Danach aber solltest du auch mal was anderes machen. So kriegst du den Kopf frei. Und dann wird auch jeder Afrikaner für den Verein alles geben.”