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Mönchengladbach: Was passiert hinter Meyers breitem Kreuz?

Mönchengladbach : Was passiert hinter Meyers breitem Kreuz?

Eigentlich geht es um Fußball. Sollte man meinen. Doch der Profi-Zirkus tickt eben anders - nicht nur in Mönchengladbach. Personen, Menschen stehen im Blickpunkt, die lassen sich auch einfacher beschreiben als der doch recht komplexe Sport mit dem ehemaligen Lederball.

Das hat sich auch - oder sollte man sagen erst recht - nicht mit dem Quer-Einstieg von Hans Meyer geändert. In den ersten Monaten waren die Objektive - hat aber auch gar nichts mit objektiv zu tun - auf den Trainer gerichtet.

Der hieß damals Jos Luhukay, nun heißt er halt Meyer - und bringt nicht nur ein paar Kilo mehr mit. Die Gewichte sind verschoben, statt Nettigkeiten vom kleinen Niederländer gibt´s nun (verbale) Haue vom bulligen Thüringer. Die Pressekonferenz als Schlachtfeld: „Was interessiert Euch, wie Hans Meyer die Mannschaft anspricht”, fragt der 66-Jährige provozierend vor dem schier aussichtslosen Unterfangen, am Samstag die wieder erstarkten Münchner Bayern zu besiegen. „Dass Ihr die Nase in die Arbeit von Fußball-Verantwortlichen stecken dürft - das gibt es nicht in England oder sonst wo.”

Dabei will doch keiner über Fußball schreiben oder senden. Wohl aber über Spieler, die sauer oder glücklich sind, darüber dass sie am Samstag nicht spielen oder spielen dürfen.

Gegenfragen haben Hochzeit bei Begegnungen mit Hans Meyer. Kritik auch, nun mal in die andere Richtung. Und das Schlachtfest findet auch auf anderer Ebene statt. Während sich Jos Luhukay nur halb- bis viertelherzig am post-konferenzlichen Essen labte, greift der Zwei-Zentner-Mann herzhaft zu. Grünkohl mit Mettwurst - „Zu gerne würde ich noch ein drittes Mal zuschlagen, aber dann schreiben sie wieder negativ über mich”, bewahrt der Trainer nur schwer die Gew(s)ichtskontrolle.

Eins aber eint die so unterschiedlichen Fußballlehrer, die sich in ihrem Verständnis von Fußball recht nahe sind: Hinter beiden kann sich eine Mannschaft trefflich verstecken.

Den Windschatten Luhukays vermochten die aufgepeppten Aufsteiger allerdings nicht gewinnbringend - vom Sieg über Werder Bremen einmal abgesehen - nutzen.

Selbst die Kölner ...

In dieser Woche hatten die Profis wieder relative Ruh´. Nicht nur wegen des breiten Meyer-Kreuzes, auch wegen ihres Kleinsten: Marko Marin. Bundesweit interessiert die großen Medien nur Oliver Neuville und eben Marin, bevor Hans Meyer hinzustieß.

Nach Marins Gala-Auftritt bei Arminia Bielefeld thematisierte fast niemand mehr die noch stets fehlende Balance innerhalb der Borussen-Mannschaft. Hinterfragte niemand mehr, ob nicht dieser Dreier nicht ebenso wie der gegen Bremen mehr ein Ausreißer denn die Frucht intensiver Arbeit war.

Der junge Mann, der noch immer kein gestandener Bundesligaspieler ist, konnte eigentlich auch nicht mehr höher gespielt werden als schon in den Wochen zuvor.

Also konnte die Steigerung nur heißen: Kauft ihn Real Madrid, der FC Chelsea oder eben Bayern München weg. Ach ja, eine ganz spannende Variante wollen wir nicht verschweigen: Selbst der 1. FC Köln giert nach dem immer noch Talent.

Huijuijui! Schlaflose Nächte für alle, die ein Herz für Borussia und ihren kleinsten aber womöglich einmal großen Fußballer besitzen. Nicht so Hans Meyer.

Der kennt das Geschäft und weiß, wie schnell all den vermeintlichen Überfliegern wie Marcel Ketelaer, Benjamin Auer und womöglich auch Marcell Jansen die Flügel gestutzt wurden.

Und vor einem Spiel wie gegen den Branchenführer von der Isar schläft es sich besonders entspannt. „Etwa vor einem möglichen Pokalspiel bei Carl Zeiss Jena wären die Nächte wesentlich unruhiger”, beschreibt der Borussen-Coach seinen Seelenfrieden.

Wir haben nichts zu verlieren, lautet die allenthalben geäußerte Mutmach-Parole. Abgeklopft bleibt nicht viel Kerniges übrig: Drei Punkte sind zu verlieren, und Borussia Mönchengladbach ist weit davon entfernt in der Lage zu sein, mit einer Aufholjagd zu warten, bis wieder vermeintliche Gegner auf Augenhöhe sich vorstellen: Nach dem Spiel gegen die Bayern geht´s nach Gelsenkirchen.

Zwei Niederlagen - und auch das Kreuz von Hans Meyer würde langsam anfangen zu schmerzen.