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Köln: „Was es braucht, ist eine neue Frische”

Köln : „Was es braucht, ist eine neue Frische”

Der 1. FC Köln hatte Grashopper Zürich während der Verhandlungen über einen Wechsel von Trainer Hanspeter Latour an den Rhein ein Tauschgeschäft angeboten: Uwe Rapolder gegen den 58-jährigen Schweizer Coach, so schlug die Kölner Führungsetage vor.

Dies bestätigte Zürichs Präsident Walter A. Brunner am Donnerstag in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Blick”: „Obwohl ich Rapolder für einen guten Mann halte, wollte ich ihn nicht. Er hat zurzeit das Image eines Verlierers.”

Zudem nennt die Zeitung eine Ablösesumme von 200.000 Franken, die Köln an die Grashopper für Latour überwiesen haben soll, was Brunner freilich nicht bestätigen wollte.

Die Summe scheint aber realistisch zu sein. FC-Manager Michael Meier sprach bei der Präsentation des Trainers von einer „Größenordnung, die am Gehalt zu messen ist, das in der Schweiz für eine halbe Saison gezahlt wird”.

Zudem gestand Brunner eine eigene Fehleinschätzung der Situation ein, als Latour ihn Ende Dezember um Erlaubnis gebeten hatte, mit Köln sprechen zu dürfen: „Mein Gedanke war: Latour hat doch in Köln keine Chance.”

Und genau die will das Temperamentsbündel nutzen. 600 Zuschauer empfingen den Fußballlehrer am Donnerstagmorgen am Geißbockheim überaus freundlich, als er erstmals das Training leitete. Nicht dabei waren Lukas Podolski (Entzündung im Knie), die an Grippe erkrankten Anthony Lurling und Peter Madsen sowie Özalan Alpay (Rückenprobleme). Patrick Weiser absolvierte erstmals eine komplette Einheit.

Das geneigte Publikum staunte, gab sich beeindruckt und nur vereinzelt skeptisch. „Der gibt ja richtig Zunder”, sah ein „Kiebitz” das Vorurteil widerlegt, nach dem speziell ein Mensch aus dem Berner Oberland selbst unter den Eidgenossen als die Schnecke unter den Schweizern gelten soll.

Zuvor in der Kabine schon hatte sich Latour als Mann wirksamer Gesten präsentiert, als er eine Zeitung mit der Schlagzeile „Latour soll den FC retten” zerriss und den Berufsfußballern ins Stammbuch schrieb: „Nicht ich rette den FC. Wir retten ihn. Alleine kann ich gar nichts bewirken.”

Das kam an bei den Profis. Wie die anschließenden ersten beiden Sportstunden auch. Albert Streit stellte danach fest: „Es hat Spaß gemacht. Der Trainer war sehr präsent und sehr laut.” Da allerdings gibt es Steigerungspotenzial. Der Schweizer TV-Kollege Martin Meyer jedenfalls kündigte an: „Wartet ab, wenn der richtig auftrumpft...”

Der Zuschauer draußen merkte sofort: Der Mann hat Adrenalin im Blut. „Was es hier braucht, ist eine neue Frische, eine neue Stimmung”, sagte Latour und traf die Seele des Kölners, der eine tiefe Winterdepression zu bekämpfen hatte. „Der braucht keinen Müsli-Riegel, der hat genug Power”, staunte ein entzückter Fan, während sein Nachbar doch sketischer blieb: „Abwarten. In ein paar Wochen sehen wir weiter.”