1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: Vom Prügelknaben zum Stammspieler: Sladan Asanin

Mönchengladbach : Vom Prügelknaben zum Stammspieler: Sladan Asanin

Die medialen Scharfrichter sind gnadenlos. Jeden Samstag ab 15.30 Uhr werden die Messer gewetzt. Die Stadien der Fußball-Bundesliga als Hinrichtungsstätte.

Mit Noten oder ätzenden Formulierungen werden Profis abgestraft. Ohne Gnade, egal, was links und rechts passiert, ob sich Spieler X gerade in Scheidung befindet, Spieler Y sein biologisches Tief oder justament der Hund von Spieler Z gestorben ist.

Der Profi an sich hat zu funktionieren, für anderthalb Stunden werden menschliche Wesen auf roboterähnliche Spiel- und Kampfmaschinen reduziert.

Nun muss nicht jeder Fußballer, der beim Spiel um Millionen (Euro und Nerven) leistungsmäßig danebenliegt, gerade ein seelische Krise durchleben. Doch mitunter empfiehlt sich vor der Ausfüllung des Spielbogens die Trainer-Frage: „Wie gehts Dir, wie gehts Deiner Familie?”

Hätte Holger Fach dies beherzigt, wäre ein sportlicher Wendepunkt für seine Mönchengladbacher Borussen schon vor 13 Tagen statt eine Woche später in Wolfsburg möglich gewesen.

„Ich mache mir den Vorwurf, ihm nichts gesagt zu haben”, erzählt Sladan Asanin. Kurz vor dem Anstoß im Berliner Olympiastadion erhielt der Familienvater einen Anruf von seiner Frau Jasna: Söhnchen Luka (anderthalb Jahre) musste im Krankenhaus operiert werden: Polypen raus, Ohren frei machen.

Der Verteidiger fällt eine folgenschwere Entscheidung. „Ich dachte, ich sei stark genug im Kopf, um das zwei Stunden auszublenden. Aber das war ein Irrtum.”

Der eigentlich kopfballstarke Kroate (1,85m) kreidet sich den Ausgleichstreffer ausgerechnet durch ein Kopfballtor von Hertha-„Zwerg” Luziao (1,78m) an. Dieser mentale Aussetzer leitete die Niederlage ein, die im 2:1 durch Alexander Madlung mündete.

Wie professionell muss ein Fußball-Profi sein? Kleinkind mit Zahnschmerzen oder Blähungen - das leistungsoptimierte Exemplar entflieht der nächtlichen Ruhestörung und siedelt ins ruhige Nebenzimmer um. Der Beruf geht schließlich vor.

Die Idealvorstellung einiger Trainer aber wird durch die Emanzipation immer mehr untergraben. Noch gibt es keine Stillgruppen für Fußball-Väter, aber die Tendenz geht zur aktiven Teilnahme auch an den eher unangenehmen Kinder-Zeiten.

Die Prioritäten werden anders gesetzt: „Die Familie steht immer an erster Stelle. Das ist menschlich. Ich liebe meinen Beruf, aber Gesundheit und Familie sind am wichtigsten”, sagt Sladan Asanin, der auch noch eine fünfjährige Tochter (Anja) hat.

Zuletzt beim Sensationssieg in Wolfsburg war der 32-Jährige der beste Borusse. „Und auch vor dem Hertha-Spiel war meine Leistung ganz ordentlich.” Doch noch vor wenigen Wochen musste der Schlacks eine Menge Kritik einstecken, von außen, aber auch von innen.

So viele Krankheiten konnten seine Kinder gar nicht haben. Die Malaise war hausgemacht. Unter Ewald Lienen musste der Rechtsfuß auf der linken Abwehrseite aushelfen und wurde dort zum Prügelknaben für Trainer und Öffentlichkeit.

Erst Holger Fach erlöste den Kroaten von seiner Leidensposition: „Bei mir wird er nie links in der Kette spielen.” Asanin dankte es ihm mit (überwiegend) guten Leistungen. „Ein Trainer muss um die Stärken seines Spielers wissen. Ich habe nie links gespielt, sondern mein Leben lang in der Innenverteidigung.”

Beschwert hat er sich damals nicht - „Ich bin einer, der nicht labert, sondern lieber arbeitet” -, wohl gewundert, weil mit Jeff Strasser ein Linksfuß in der Innenverteidigung spielte, der die Außenposition von Kaiserslautern her kannte. Die „verkehrten” Zeiten sind vorbei.

Dafür naht eine neue Verhandlungsrunde: Im Sommer läuft der Vertrag des 32-Jährigen aus. „Aber das ist nicht der Grund, warum ich so gut spiele”, schmunzelt Asanin. „Das war vielleicht so, als ich vor drei Jahren verlängert habe. Jetzt bin ich 32 und verspüre diesen Druck nicht mehr so. Ich will noch zwei, drei Jahre Fußball spielen.”

Ob bei Borussia oder woanders: Sein privater Ehrgeiz ist der Klassenerhalt. Ich bin mit 28 gekommen, als Borussia erstklassig war. Und Borussia soll erstklassig sein, wenn ich gehe.”

Ein Schrittchen Richtung Klassenerhalt kann heute mit einem Sieg über Kaiserslautern gemacht werden. Und die Zeichen stehen gut - was Asanin betrifft: „Luca gehts wieder hervorragend.”