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Mönchengladbach: Vom Duplo-Kicker zum Lego-Fußballer

Mönchengladbach : Vom Duplo-Kicker zum Lego-Fußballer

Jeden Morgen wacht Oliver Kirch auf. Nun gut, das alleine ist noch nichts Besonderes. Dies teilt er nicht nur mit Millionen von ebenfalls 21-Jährigen.

Doch unser Jüngling freut sich jeden Morgen - und das unterscheidet ihn schon von vielen Jahrgangs-Kollegen - auf seine Arbeit.

Oliver Kirch ist Berufs-Fußballer bei Borussia Mönchengladbach. Und wenn er am Samstag aufwacht, wird er sich ganz besonders freuen: Auf seinem Arbeitsplatz Bökelberg darf er ab 15.30 Uhr an der hochkarätigsten Liga-Aufgabe feilen - die Bayern kommen!

Doch die väterliche Frage, wies denn so um sein Seelenheil gestellt sei, angesichts Knie weich machender Namen wie Michael Ballack, Ze Roberto & Co., sollte man sich verkneifen.

Die vermeintliche Premiere mit der Übermannschaft aus dem Süden ist für Gladbachs Neuzugang gar keine. „Ich habe schon mit Verl in der Saison-Vorbereitung gegen die Bayern gespielt.” Und wie hoch verloren? „In der letzten Minute haben wir den 3:2-Siegtreffer erzielt.”

Das allein rechtfertigt kaum den Einsatz des Liga-Frischlings ausgerechnet bei der auf dem Papier unlösbaren Aufgabe gegen den Branchenführer. Doch nicht nur für seinen Trainer zählt der Aufsteiger vom Regionalligisten Verl zu den echten Gewinnern der letzten Wochen.

„Er ist schnell und will immer Fußball spielen”, beschreibt sein Trainer den Blondschopf. Und ist froh, dass Sportdirektor Christian Hochstätter Kirch nicht im Dorf gelassen hat.

100.000 Euro kostete der Mittelfeldspieler, der nach acht Spieltagen bereits sechs Einsätze in der Bundesliga verbuchen kann. Nicht schlecht für einen, der zu Saisonbeginn erst einmal „ein Lehrjahr” erwartet hatte.

Die Verletztenmisere spülte den Novizen vorzeitig in die Anfangsformationen. Doch unter Naturschutz wird er dennoch nicht gestellt, nach dem gönnerhaften Talente-Motto: Er darf ruhig Fehler machen.

„Das gestehe ich ihm nicht zu. Er muss seine Fehlerquote nach unten drücken. Darin mache ich keinen Unterschied, ob einer ein Jahr oder zehn Jahre in der Bundesliga spielt, ob einer jung oder alt ist”, sagt Holger Fach. Hart, aber gerecht: Oliver Kirch weiß, was er zu tun hat.

Sein Reduktions-Programm basiert auf einem nur oberflächlichen Widerspruch. Sein Trainer attestiert ihm eine überragende Fitness. Gemeinsam aber hat man ebenfalls erkannt, dass die Klops-Statistik nach einer Spiel-Stunde nach oben geht. „Ich muss meine Kräfte besser einteilen, ich gehe viele Wege umsonst.”

Und einen Weg scheut er noch. Den in den Strafraum. „Ich brech zu früh ab. Nachher sage ich mir: Blöd, gehe doch weiter.” Weiter, immer weiter - möglicherweise bis zu Torhüter Oliver Kahn, so er denn spielt.

Gegen die Bayern wird Kirch spielen, doch die Konkurrenz wird mit der Rückkehr von Igor Demo und Peer Kluge größer. „Ich muss mich durchbeißen”, will sich der 21-Jährige stellen. Und gesteht ein, dass ihm nun schwerer fallen würde, wieder auf der Bank oder gar Tribüne Platz zu nehmen.

Da bastelt einer akribisch an seiner Karriere. Und durchaus mit einem guten Schuss Kreativität. Die liegt ihm im Blut. Seine Mutter ist freischaffende Künstlerin. Und auch Klein-Olli trainierte im westfälischen Legden früh Feinmotorik und Ideen-Virtuosität - als Kleinkind mit Legos.

Nach dem Abitur begann er eine Tischler-Lehre, um anschließend Möbel-Design zu studieren. Dazu kam es nicht. Doch der Abbruch wird legitimiert durch seine sportlichen Entwicklung: Vom Duplo-Kicker in Verl zum Lego-Fußballer am Bökelberg.

Wohlmöglich mit einer erstklassigen Zukunft. Nicht im Playmobil-Stadion in Fürth, sondern in der Nordpark-Arena in Mönchengladbach.