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Mönchengladbach: Viele traurige Gesichter im Borussia-Park

Mönchengladbach : Viele traurige Gesichter im Borussia-Park

Traurige Gesichter, wohin man auch schaute. Natürlich nur auf Mönchengladbacher Seite. Während die Schalker fröhlich erklärten, warum sie gerade einen glücklichen 1:0-Sieg bejubeln durften, gestand Max Eberl, dass er in der Kabine erst einmal durchschnaufen musste.

Entspannt sah Mönchengladbachs Sportdirektor auch 15 Minuten nach dem Schlusspfiff nicht aus. Ziemlich mitgenommen sogar. Und gestern, nachdem auch der SC Freiburg wie tags zuvor Eintracht Frankfurt sein Spiele gewonnen hatten, wird Eberl vielleicht gedacht haben, dass er am Freitagabend die Flinte doch schon ins Korn hätte werfen können. Fünf Punkte Rückstand auf Frankfurt, vier auf Freiburg und ein Punkt auf Hamburg, da müsste an den beiden letzten Spieltagen schon einiges passieren, um noch irgendwie zwei Klubs zu überholen und in die Europa League zu schlüpfen.

Ein Rückblick

Nach den furiosen internationalen Erlebnissen werden Fans und Spieler der verpassten Europareise nachtrauern, doch haben die Borussen tatsächlich einen Grund, traurig zu sein? Der Blick zurück kann nicht schaden: Am 32. Spieltag der Saison 2010/2011 hatte sich die Mannschaft von Trainer Lucien Favre mit dem 1:0-Sieg in Hannover die kleine Chance erhalten, noch die Relegation um den Klassenerhalt zu erreichen (was dann ja auch gegen Bochum später gelang). Mit einer Niederlage wäre der Abstieg so sicher besiegelt gewesen wie nun das Aus im Kampf um Europa.

Ist angesichts dieser Tatsache der nun am Ende der Saison vielleicht zu Buche stehende achte, neunte, zehnte oder elfte Platz wirklich eine Enttäuschung? Oberflächlich gesehen: Ja. Aber in der vergangenen Saison spielte die Borussia fast durchweg wie in einem Rausch, viele Spieler absolvierten 34 Partien an der oberen Leistungsgrenze, gepuscht vom finalen Klassenerhalt im Jahr zuvor und dem so befreienden 1:0-Sieg zum Saisonstart bei Bayern München. Man könnte auch schreiben: Jetzt steht die Borussia da, wo sie hingehört — zumal mit Dante, Romans Neustädter und Marco Reus ja nicht gerade Mitläufer den Klub verlassen haben.

Borussias Mannschaft ist jung, entwicklungsfähig — aber noch kein Spitzenteam in der Liga. „Die Spiele sind so eng, da entscheiden oft Kleinigkeiten“, sagt Eberl. Cleverness vor dem Tor zum Beispiel, das große Manko der Mönchengladbacher, die aber in den letzten Wochen zumindest wieder mit Leidenschaft Fußball spielten. Das ist so ziemlich das einzige, was man der Mannschaft vorwerfen kann, dass nicht in jeder Phase der Saison diese von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp so gern zitierte Gier nach Erfolgen zu spüren war.

Speziell die zweite Halbzeit gegen Schalke bot sehr unterhaltsamen und auch gutklassigen Sport, allein der Abschluss misslang. Kapitän Filip Daems konstatierte: „In manchen Situationen haben wir unsere Konter nicht gut ausgespielt, der letzte Pass hat gefehlt. Das müssen wir besser machen, wenn wir solche Spiele für uns entscheiden wollen.“

So sah es auch der Trainer, „es hat nicht viel gefehlt“, fand Lucien Favre, „nur der letzte Ball kam oft nicht an.“ Der wieder gut spielende Granit Xhaka hatte den Ball einmal auf die Latte gesetzt, Juan Arango einmal gegen den Pfosten. Und hätte der eingewechselte Branimir Hrgota sein feines Solo nicht mit dem Ball am Fuß in den Armen von Schalkes Torwart Timo Hildebrand beendet, wäre die Borussia wohl als Sieger vom Platz gegangen. Einig waren sich alle, Schalker und Borussen: Wer das erste Tor macht, gewinnt. Schalke machte dies im Stile einer Klassemannschaft: der feine finale Pass von Raffael auf Torschütze Julian Draxler und dessen humorloser Abschluss sprachen für sich. Und so sorgten sie für Frust in Gladbach, der jedoch nicht eskalierte. Roman Neustädters gespielte Angst war jedenfalls unbegründet. „Hoffentlich werde ich nicht verkloppt“, sagte der Ex-Borusse grinsend vor seinem Kabinenbesuch bei den alten Kollegen nach dem Spiel...