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Leverkusen: Van Lent & Co.: Couragiert gespielt, bitter enttäuscht

Leverkusen : Van Lent & Co.: Couragiert gespielt, bitter enttäuscht

Sie rüttelten heftig am Thron, aber mit ihrer Tradition mochten sie (noch) nicht brechen: Borussia Mönchengladbach ist weiterhin der best gelittene Gast in der Fußball-Bundesliga.

Seit dem 10. September 2002 (2:1 bei Hertha BSC) ist der Bökelberg-Klub auswärts ohne Sieg. Und das änderte sich auch nicht am 10. Spieltag der laufenden Saison.

Mit 0:1 unterlagen van Lent & Co. bei Bayer Leverkusen und hievten die Heimelf zurück auf den Liga-Thron, den sie kurzfristig nach den Samstag-Spielen an den VfB Stuttgart verloren hatte.

Jenseits der reinen Ergebnisorientierung erwies sich Gladbach speziell in Halbzeit 2 als gleichwertiger Gegner und verpasste nur mit Pech den verdienten Ausgleich.

Keine Punkte, aber die Erkenntnis: Holger Fach hat mit der vor kurzem noch völlig von (taktischen) Sinnen agierenden Mannschaft einen weiteren Schritt nach vorn getan.

„Ich hab fast das Gefühl, dass ich mich für diese drei Punkte entschuldigen muss. Wir wussten, dass es ein hartes Stück Arbeit wird. Zweimal haben wir Gladbach beobachtet: Gegen Bayern hätten sie gewinnen und beim HSV das 2:0 machen müssen. Die sind nicht so schlecht wie ihr Tabellenplatz”, urteilte Bayer-Coach Klaus Augenthaler.

„Für das Lob können wir uns nichts kaufen”, ärgerte sich der Gladbacher Trainer trotzdem. „Wir sind bitter enttäuscht. Wir haben couragiert gespielt, hätten nicht verlieren müssen. Aber wenn man in Leverkusen gewinnen will, muss man seine Chancen auch nutzen. Jetzt stehen wir gegen Rostock gehörig unter Druck.”

„Es wird ein Geduldsspiel”, hatte Bernd Schneider gemutmaßt. In der Annahme, der Gast von der anderen Seite des Rheines würde sich mit zitternden Knien vor den eigenen Strafraum verkriechen. Nun war es nicht so, dass die Borussia den Branchenführer überrollte.

Im Offensivspiel deutete Bayer durchaus an, dass es zur Zeit in einer „anderen” Liga spielt. In der Defensive aber erwies sich die Augenthaler-Elf nicht unbedingt als Tabellenführer würdig. Doch den Mönchengladbachern fehlte bei ihren Kontern die letzte Präzision.

Für den meisten Wirbel in der Offensive sorgte Rückkehrer Robson Ponte. Mehr als einmal musste Vertragsamateur Enrico Gaede hinter dem Edel-Techniker herlaufen. Ponte besaß die besten Chancen: Doch nach einem Demo-Fehler verfehlte er knapp (16.), um dann noch knapper an den Pfosten zu zielen (22.).

König Fußball gefällt sich häufig im Kapriolen schlagen. Und so öffnete er nach der Pause das Kapitel „kann nicht sein”: Ausgerechnet Bernd Schneider, bis dahin dank Ojigwe überhaupt nicht im Spiel, donnerte ein Zuspiel von der Strafraumecke ins Netz (49.).

Borussia aber reagierte nicht mit Panik. Stück für Stück arbeitete sich die Elf ins Spiel zurück, Fach setzte mit der Einwechslung von Lawrence Aidoo und später mit Extra-Stürmer Marcelo Pletsch auf Offensive total.

Der Lohn blieb aus, weil der zur Pause eingewechselte Joris van Hout sich nicht als Phantom der BayArena zeigen wollte. Eine Ulich-Flanke köpfte er Butt auf den Körper, und hatte dafür eine Entschuldigung: Durch seine Gesichtsmaske (nach Jochbein-Bruch) ist sein Sehfeld stark eingeschränkt.


Dieses „Augencap” besaß Sladan Asanin nicht. Mit freier Sicht köpfte der Verteidiger in der letzten Minute einen Eckball Richtung Tor. Und - König Fußball blätterte Kapitel 2 seines Kuriosen-Büchleins auf - Schneider wehrte auf der Torlinie ab. „Dann muss er wohl der Matchwinner gewesen sein”, so das lakonische Schlusswort von Klaus Augenthaler.