Aachen: Van Gaal geht dann doch mit einem Lächeln im Gesicht

Aachen: Van Gaal geht dann doch mit einem Lächeln im Gesicht

Bastian Schweinsteiger hatte dem nichts mehr hinzuzufügen. Strammen Schrittes marschierte der Bayern-Star Richtung Mannschaftsbus, um den Hals einen Riesen-Kopfhörer, glänzend, als wäre er mit Blattgold verziert. Zumindest fiel „Schweini”, als Erster frisch geduscht aus der Kabine kommend, jetzt kurzzeitig auf - was während der 90 Pokal-Minuten nicht der Fall war.

Immerhin: Bei seinem vierten Besuch an der Krefelder Straße nahm der Nationalspieler zum ersten Mal was sportlich Zählbares mit.

Frei von Selbstzweifeln

Der Rekordmeister und -pokalsieger hatte nach erneut turbulenten Tagen letztlich souverän die Pflichtaufgabe erledigt, eine „unruhige Woche professionell und gut abgeschlossen”. Louis van Gaal machte auch diesmal einen von Selbstzweifeln freien Eindruck. „Ich finde, dass wir sehr zufrieden sein können.”

Das Lob galt überraschenderweise weniger seinem Keeper. Der sensationelle Reflex von Thomas Kraft, der neuen Nummer 1, gegen Feisthammels Kopfball taugte van Gaal nicht zum Lorbeerkranz. „Wenn er vorher die normale Orientierung hat, gibt es keine Ecke” und also auch keine Parade, „das werde ich Thomas Kraft morgen sagen.” Zu ganz großer Form lief der Niederländer dann auf, als er doch bitteschön die Frage beantworten sollte, wie wichtig der Sieg in Aachen gewesen sei im Spiel 1 nach Mark van Bommel.

Solche Wünsche nach Erläuterung gehen Louis van Gaal auf den Geist - weil sie seiner Meinung nach von wenig Kenntnis der Materie zeugen. Sein zweibändiges Werk „Biografie & Vision” ließ er im vergangenen Jahr vielsagend bewerben: „Willst Du auch klug werden und keine dummen Fragen mehr stellen?”

Am Mittwochabend konterte der 59-Jährige. „Das letzte Spiel, das wir verloren haben, war - mit van Bommel. Das ist ein Medien-Thema. Ich denke, dass die Frage Quatsch ist, tut mir leid.” Als dann auch noch Interesse bestand zu erfahren, wie wichtig der Gewinn des DFB-Pokals sei, wo doch in der Meisterschaft nichts mehr ginge, holte Louis van Gaal die große Bürste heraus: „Am Anfang war das noch ein sehr hohes Niveau auf dieser Pressekonferenz. Aber in den letzten fünf Minuten...”

Am Spieltag hatte der Amsterdamer in großen Buchstaben gelesen: „Fliegt van Gaal heute?” Diese Folklore gehört zum Business, „das wird immer so sein. Ich bin Trainer von Bayern München.” Der wies noch mal darauf hin, dass die Personalie Mark van Bommel überbewertet werde. Nun sei halt der bisherige Stellvertreter Philipp Lahm Kapitän, der habe das Amt ja schon zuvor praktisch im Trio mit dem Neu-Mailänder und Bastian Schweinsteiger bekleidet, und überhaupt Schweinsteiger: „Er ist schon lange Kapitän, er hatte immer Einfluss. Auf dem Platz vielleicht noch mehr als van Bommel.” Ausnahmen - wie in Aachen - bestätigen die Regel.

Buch von Hyballa

Natürlich wird Louis van Gaal wieder geärgert mit dem Thema, vielleicht schon am Samstag nach dem Ligaspiel in Bremen. Thomas Müller, zweifacher Torschütze auf dem Tivoli, übernahm einen Teil der Antworten auf viele Fragen und stellte wenig überraschend fest, dass der Einzug ins Pokal-Halbfinale „für den ganzen Verein wichtig ist”. Louis van Gaal verließ den Saal dann doch mit einem Lächeln im Gesicht: Peter Hyballa hatte ihm sein ungleich dünneres Buch über den niederländischen Nachwuchsfußball geschenkt. Acht Seiten sind dem Bayern-Coach gewidmet. Aus fachmännischer Sicht.

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