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Mönchengladbach: Unter Holger Fach ist das Glas wieder halbvoll statt halbleer

Mönchengladbach : Unter Holger Fach ist das Glas wieder halbvoll statt halbleer

Man muss dankbar sein, dass Holger Fach an Spieltagen einen Anzug trägt. Gar zu leicht könnte man Borussia Mönchengladbachs Trainer für einen seiner Spieler halten.

Böse Zungen werden diesen Konstruktions-Moment dazu benutzen zu behaupten, er würde sich dann auch auf jeden Fall selbst aufstellen. Unter mangelndem Selbstbewusstsein hat der Fußball-Lehrer in der Tat auch schon während seiner Profi-Zeit nicht gelitten.

Die optische Nähe zur Mannschaft entspringt aber der körperlichen Konstitution und Fitness. Der gebürtige Wuppertaler ist passionierter Läufer und kickt in einer Prominenten-Mannschaft. Und wenn der gertenschlanke Ex-Fußballer von Problemen mit Hüftpölsterchen spricht, wenn er mal gerade zwei Wochen nicht durch den Wald wieseln konnte, fangen selbst Gürtel vor Rührung an zu weinen.

Statur hin, Status her: Keiner seiner Spieler versteigt sich zur Aussage: „Er ist einer von uns.” Das fällt mitunter schwer zu glauben. Etwa wenn Fach mit den Spielern frotzelt. Doch etliche Mönchengladbacher haben ihren so charmant daher kommenden Übungsleiter schon ganz anders kennengelernt. Unangenehme Minuten in der Halbzeitpause oder bei Einzelgesprächen.

Doch die Kritik ist immer zielgerichtet: Es geht um Leistungsoptimierung, nicht um die missionarische Konfrontation mit einem Über-Maßstab, mit der sein Vorgänger Ewald Lienen die Profis zermürbte. Das Glas ist nun halbvoll statt halbleer.

Die leistungsraubende Kluft zwischen (ehemaligem) Trainerstab und Spielern - „Wir arbeiten professionell und vorbildlich, aber ihr setzt es nicht um” - ist einer Schulterschluss-Einstellung gewichen: gemeinsam für die gemeinsame Sache. „Er hat es geschafft, aus einem Haufen von Spielern eine Mannschaft zu formen. Jeder Spieler hat nun in der Woche das Ziel, unter die ersten 18 zu kommen”, beschreibt Kapitän Jörg Stiel die neue Ära.

Sportlich ist sie dadurch geprägt, dass nicht mehr Sicherheitsdenken die Maxime ist. Die komplette Mannschaft ist weiter vorn aufgestellt. Erst dadurch auch macht es Sinn, auf einen Mann wie Jörg Stiel als Nr. 1 im Tor zu setzen: Der Schweizer kann nur so seine Stärken als Extra-Libero zeigen.

Durch die Umstellung von 4-3-3 auf 4-4-2 schöpft Fach zudem das Angebot an Stürmern besser aus. Bei einem Dreier-Angriff könnte nur van Lent, Sverkos, van Hout oder Skoubo als Mittelstürmer spielen. So aber besitzt Borussia noch einen zweiten torgefährlichen Mann in Strafraumnähe - ein probates Mittel, die Torflaute zu bekämpfen.

Dass trotz der lockeren Art grundlegende Dinge zurückerarbeitet wurden, ist vor allem ein Verdienst des neuen Trainers. „Er hat wieder Ordnung reingebracht, auf und neben dem Platz”, sagt Jörg Stiel. „Das liegt an seinem Disziplinverständnis. Er ist kein Diktator, aber alles, was er verlangt, ist logisch.”

Und authentisch. „Du kannst viel erzählen. Aber wenn du es nicht selbst vorlebst ...”, blickt der Borussen-Kapitän noch mal zurück in die jüngste Vergangenheit. Auch die Gefahr, dass die allseits als so angenehm empfundene Lockerheit und Nähe zur Mannschaft sich in einer Krisensituation als Bumerang erweisen könnte, sieht der Schweizer nicht. „Die schwierigste Situation haben wir doch bereits gehabt: In den ersten Wochen gabs von außen nur Druck, innen ist uns nichts gelungen. Aber da hat Holgers Gradlinigkeit geholfen. Er ändert sich nicht. Wenn er was will, weiß man, was läuft.”