Aachen: Unglücklicher Zufall: Die Münster-Verbindung des Schiedsrichters

Aachen: Unglücklicher Zufall: Die Münster-Verbindung des Schiedsrichters

Gibt es schneller ein Wiedersehen mit Preußen Münster als erwartet? Möglicherweise wird die Partie ein Nachspiel haben, denn der DFB soll angeblich Ermittlungen gegen den Schiedsrichter Martin Thomsen aufgenommen haben, wie am Mittwochabend bekannt wurde.

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„Wir haben die Info auch erhalten und werden ihr nachgehen”, erwägt Alemannia Aachens Sportdirektor Uwe Scherr einen Einspruch gegen die Partie, was bis maximal 48 Stunden nach Abpfiff möglich ist.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Thomsen, der gebürtig aus Kleve stammt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Unternehmensrechnung und -besteuerung der Universität Münster, wo er von 2006 bis 2010 auch studiert hat. Und damit war Unparteiische, der ein paar ganz eigene Ideen während der Partie hatte, dieses eben möglicherweise nicht.

Die Alemannia steckt im Morast der Abstiegszone. Doch der Verein reagierte ungewöhnlich. Er schickte niemanden weg, sondern holte jemanden. Das wird vermutlich nicht der Standard bei einer Mannschaft, die zuletzt beängstigend oft verlor. Die Personalie ist ein Reflex auf den schlechten Saisonstart. „Der eine oder andere hat bisher nicht die Erwartungen erfüllt, deswegen reagieren wir”, sagt Scherr.

Der „eine oder andere” ist im Ressort Angriff zu finden, wo zudem noch „der eine und der andere” verletzt ist. So verpflichtet der Verein zum ersten Male einen Japaner. Norikazu Murakami erhält einen Vertrag bis zum Saisonende, die Spielgenehmigung wird am Samstag in Chemnitz wohl noch nicht vorliegen.

Der 30-Jährige ging in Singapur und Südafrika in den ersten Ligen auf Torejagd, ehe es ihn im November nach Düren verschlug, wo Gert Engels lebt, der in Japan erfolgreich als Trainer gearbeitet hat. Norikazu wollte im Profibereich arbeiten, aber da waren gerade die Transferfenster verrammelt. Der 30-Jährige schloss sich dem Bezirksligisten Sportfreunde Düren an.

Im Sommer begegnete er Alemannia Aachen beim Testspiel (10:2) gegen eine Dürener Kreisauswahl, seit September ist der Asiate am Tivoli und bekommt nach dreiwöchigem Casting nun den Zeitvertrag. „Er kann uns sofort weiterhelfen”, sagt sein neuer Trainer René van Eck.

Auf dem richtigen Weg

Die Situation ist kurios: Alemannia landet erstmals seit Wochen im Rotlicht-Milieu, aber erstmals seit Wochen muss das Team nicht in Büßerhemden auflaufen. René van Eck hat in drei Spielen nicht das kleinste Pünktchen geholt, aber aus diesem energischen Auftritt gegen Münster schöpft der Verein wieder Mut. „Wir sind auf dem richtigen Weg”, sagt Uwe Scherr, „die Leistung hat sich stabilisiert, die kämpferische Einstellung war richtig gut.”

Der neue Tivoli ist bislang keine Festung, sondern eher eine Geschenkboutique, aber diese letzten 20 Minuten gegen Münster weckten sehnsuchtsvolle Erinnerungen. Der Funke sprang von der enorm kämpfenden Mannschaft auf die zerstrittene Südkurve über. Das ziemlich letzte Aufgebot des Klubs stemmte sich entschlossen gegen die Niederlage.

Das misslang auch deshalb, weil Thomsen ein paar exklusive Ideen hatte, aber dieser Rückschlag wird eher als Fortschritt interpretiert. „Wir sind durchaus in einer kritischen Phase, aber die Richtung stimmt wieder”, sagt Scherr. Sein Trainer rief die niedergeschlagenen Profis nach Spielende zusammen, spendete Mut. „Wie die Mannschaft in dieser schwierigen Phase durchgezogen hat, verdient Respekt.”

Die ersten Korrekturen stehen bereits an. Zwei weitere erfahrene Angreifer spielen derzeit vor. Henrich Bencik, knapp 34 Jahre alt, spielte u. a. in Ahlen, Freiburg und zuletzt beim VfL Osnabrück, Cecilio Lopes, 34, war in Dordrecht, Heerenveen, Sparta Rotterdam und beim FC Zwolle unter Vertrag.