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Köln: Und Overath staucht wieder das Personal beim FC zusammen

Köln : Und Overath staucht wieder das Personal beim FC zusammen

Etwas untergegangen in der öffentlichen Empörung über die nächste desolate Darbietung des 1. FC Köln ist ein wunderbarer neuer Vereinsrekord.

Lukas Podolski - wer sonst? - verbesserte ihn. 9 Minuten und 57 Sekunden nach der völlig verkorksten Partie gegen 1899 Hoffenheim (0:4) verließ er frisch geduscht das Stadion. Weder zu seinem Rekord noch zum Horrorfilm auf dem Platz ließ sich der Heimkehrer befragen.

Er sauste in ungeahntem Tempo nach Hause und meldete sich am Wochenende erst einmal krank.

Vielleicht ist sein Trainer Zvonomir Soldo nicht so unglücklich über das temporäre Schweigegelübde. Vor ein paar Jahren brach es aus Jungstar Poldi heraus, als er auf die Taktik von Uwe Rapolder angesprochen wurde. Ein paar Tage später räumte Rapolder seinen Spind beim FC.

Soweit ist es für Soldo noch nicht, für den Freitag erhält er eine Sitzplatzgarantie von seinem Manager Michael Meier bei der Partie in Bochum. Meier und Soldo gehören vorerst zusammen wie Tünnes & Scheel, denn es war die Manager-Idee, den Neuling mit der gewohnt schwierigen Aufgabe in Köln zu betrauen.

Die wenig zartfühlende Kölner Medien haben dann auch gleich die Schuldigen angeklagt. Unter Soldo „wird der Fußball immer schlechter”, beobachtet der „Stadtanzeiger”, obwohl die Mannschaft teuer mit Maniche und Podolski verstärkt worden sei.

Der Mannschaft fehle Offensivkraft und Hierarchie. „Einen Kader voller Ich-Ags einem Trainer-Novizen zu übergeben, der das Gegenteil eines Kommunikators ist, bedeutet auch das Versagen der Sportlichen Leitung um Michael Meier”, stellt das Blatt fest und fordert Konsequenzen.

Leviten lesen

Für die ist in der Domstadt Wolfgang Overath zuständig, der der Mannschaft schon nach der vorletzten Heimpleite gegen Hannover 96 (0:1) öffentlichkeitswirksam die Leviten las. Für Overath ging es danach aufwärts, die Jahreshauptversammlung war „die ruhigste, die ich je erlebt habe”.

Sein Appell an die Mannschaft dagegen verhallte ungehört. Sie spielte weiter schlecht, zusammenhang- und ideenlos, punktete aber unverdient in Berlin.

Auch der „Kicker” rechnete Michael Meier am Montag seine Versäumnisse bei der Kaderfindung vor. Die Außenverteidigerposition bleibt eine Problemzone. Großverdienern wie Maniche oder Petit fehle die Spritzigkeit. Und zu dem defensiv uninteressierten Milivoje Novakovic wurde der defensiv uninteressierte Lukas Podolski gestellt.

Moderieren soll die Veranstaltung Soldo, aber gerade der Kroate fiel bislang eher durch Wortkargheit auf. Auf den Lautsprecher Daum folgt der Leisesprecher Soldo.

In der Theorie war das in ein interessanter Ansatz. In der Praxis hat der ruhige Trainer viel durchgehen lassen, und gegenüber seinen undisziplinierten Balltretern zu selten sportlichen Konsequenzen gezogen.

Die zog auch Wolfgang Overath am Montag nicht. Er zog es vor, in der Öffentlichkeit zu schweigen. Am Sonntagnachmittag stauchte er mit Hilfe einiger Dolmetscher wieder einmal das Personal zusammen. Das wird zur ständigen Einrichtung beim FC. Nur genutzt hat es bislang nicht.