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Marbella: Torsten Frings: „Die Kritik schweißt uns zusammen”

Marbella : Torsten Frings: „Die Kritik schweißt uns zusammen”

Mittwoch, 16. Juli 2003: Borussia Dortmund gewinnt das Ligapokalspiel in der Saisonvorbereitung mit 2:1 gegen den VfL Bochum. Torsten Frings (27) spielt 90 Minuten durch, scheinbar ohne Probleme.

Doch am Tag danach traten Schmerzen im Knie auf, Diagnose: Kreuzbandriss. Knapp sechs Monate später hat der Ex-Alsdorfer und -Alemanne wieder gegen den Ball getreten.

Nach seinem Comeback im Trainingslager in Marbella sprach unser Redakteur Bernd Schneiders mit dem gebürtigen Würselener.

Der 9. Januar war für Sie ein besonderer Tag.

Frings: Ja, das war mein zweites Weihnachtsfest: Es war wahnsinnig schön, endlich mal wieder Fußballspielen zu dürfen. Super schön, nachdem ich Monate nur laufen durfte.

Nur knapp sechs Monate nach dem Kreuzbandriss! Ihr Trainer spricht von einer begnadeten Physis.

Frings: Das ist wohl mein Alsdorfer Heilfleisch...

Sie haben 60 Minuten gegen Shanghai gespielt: Wie fremd fühlt sich da das Knie noch an?

Frings: Es tut nicht mehr weh. Klar, es spannt noch. Aber das ist normal.

Und die Angst spielt mit?

Frings: Nein, keine Sekunde!

Ein wie braver Reha-Patient war denn Torsten Frings?

Frings: Ich wollte unbedingt schon vor Weihnachten spielen, konnte es kaum noch aushalten. Schließlich wollte ich dem Verein helfen. Man hat mich aber nicht gelassen. Im Nachhinein war es wohl besser so. Die Sicherheit geht vor.

Haben Sie sich in den fünf Monaten verändert?

Frings: Ja, man schätzt seinen Beruf viel höher ein. Es ist ein Super-Job, etwas ganz Besonderes.

Und darüber hinaus?

Frings: Mir hat die Pause auch mental gut getan. Ich hatte in den Jahren zuvor keine Sekunde Urlaub gehabt. Nun habe ich physisch und psychisch auch profitiert.

Der BVB soll in großen Finanz-Schwierigkeiten stecken. Angeblich müssen Spieler verkauft werden. Macht man sich da Gedanken?

Frings: Es liegt ja nicht an uns Spielern. Dass muss der Verein entscheiden. Solange es noch nicht soweit ist, mache ich mir keine Gedanken. Man muss die Rückrunde abwarten. Aber klar ist: Ein Verein wie Dortmund muss in der Champions League spielen.

Konnten Sie in ihrer Reha-Zeit der Mannschaft von außen helfen?

Frings: Da hatte ich meine eigenen Sorgen. Außerdem kannst du nicht deine Klappe aufreißen, wenn du nichts leisten kannst. Das geht überhaupt nicht.

Ihr seid massiv kritisiert worden, weil ihr beim Laufen Walkman tragt. Zu Unrecht?

Frings: Das ist doch ein Witz. Wir können über dieses Theater nur lachen. Das machen wir schon seit Jahren. Und es wird so bleiben.

Kann man sich in einer Atmosphäre, in der jeder euch mit Argusaugen beobachtet, vernünftig vorbereiten?

Frings: Klar, all diese Kritik von außen fördert den Prozess, die Mannschaft wieder zu einer Einheit zusammenwachsen zu lassen.

Wie kommt ein Junge aus Alsdorf denn nach dem beschaulichen Bremen damit zurecht, in Dortmund permanent auf dem Präsentierteller zu sein?

Frings: So schlimm ist das doch gar nicht. In den Medienstädten wie Hamburg, München oder Berlin gehts ganz anders zur Sache. Außerdem lasse ich keinen an mich ran, blocke alles ab.

Man sagt, nach einer schweren Verletzung benötigt man noch einmal die gleiche Zeit, um wieder richtig spielfit zu sein. Wann werden Sie wieder bei 100 Prozent sein?

Frings: Ich geb nichts auf Prognosen. Ich werde nicht sofort zaubern können. Aber ich bin zum Auftakt dabei. Das zählt.

Ist das besonders schön, weil es Schalke ist?

Frings: Quatsch, weil es mein erstes Pflichtspiel ist! Schalke ist mir egal. Von mir aus könnte es auch Cottbus sein.