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Bremen: Toppmöller sieht Licht am Ende des Tunnels

Bremen : Toppmöller sieht Licht am Ende des Tunnels

Es ist ein lokales gastronomisches Großereignis an der Weser - die traditionelle „Bremer Nacht”. Zum Gelingen der abendlichen Festlichkeiten trugen am Nachmittag auch die Fußball-Gäste aus Leverkusen ihren Teil bei.

Die Bayer-Profis ließen drei Punkte an der Weser, obwohl ihre von den UEFA-Cup-Reisestrapazen ziemlich geschlauchten Gegner geradezu darum gebettelt hatten, sie einzusammeln und mitzunehmen.

Klar, dass die Gäste am Morgen nach der 2:3-Niederlage ungleich mehr Grund hatten, in den werkseigenen Topf mit Mittelchen gegen Kopfweh zu greifen als die fröhlich verkaterten Hanseaten.

Eher im Scherz hatte Meinolf Sprink vor dem Anpfiff eine „taktische Änderung” empfohlen: „Vielleicht sollten wir ja sehen, dass wir diesmal in Rückstand geraten.” Sehr zum eigenen Leidwesen sollte der Sportbeauftragte der Bayer AG mit seiner Einschätzung richtig liegen.

Die spielfreudige Bayer-Elf ging zum sechsten Mal beim sechsten Bundesliga-Auftritt in Führung (Thomas Brdaric/11.), und danach lief der Horrorfilm nach gewohntem Drehbuch ab. Wie gehabt wollte es zunächst nicht gelingen, trotz guter Möglichkeiten den Vorsprung auszubauen. Dann reichten sechs Minuten für die nächste Pleite.

Zunächst pfiff Schiedsrichter Wolfgang Stark einen Elfmeter, „der wo keiner war” (Bayer-Trainer Klaus Toppmöller). Zugegeben, ausschlaggebend war ein derber Ballverlust von Bernd Schneider und es war auch nicht einfach zu erkennen, ob Lucio seinen Landsmann Ailton noch vor dem Strafraum-Strich foulte.

Das vermeintliche Opfer nahm das Geschenk jedenfalls dankend an (25.). Dann dröhnten den Rheinländern gleich zweimal griechische Rhythmen in die Ohren und weckten Assoziationen mit der schwarzen Nacht von Athen.

Angelos Charisteas traf gleich zweimal (27., 31.), wobei die Abwehr erneut Auflösungserscheinungen zeigte und Torwart Frank Juric nicht eben souverän wirkte.

Dass die Bayer-Verantwortlichen nach dem Abpfiff Licht am Ende des Tunnels zu sehen glaubten und eher positiv gestimmte Kommentare zu Protokoll gaben, hatte zwei Gründe. Einerseits wäre es unklug und unangemessen zudem gewesen, vor dem Champions League-Match am Dienstag gegen Manchester United die nächste Tracht Prügel zu verteilen.

Andererseits gab es zwar kein Happy End, doch der Film lief diesmal nach einer anderen Dramaturgie ab. Ramelow & Co. bäumten sich energisch auf, beherrschten die entkräfteten Werderaner auch fast nach Belieben, doch zu mehr als zum Anschluss (durch Stalteris Eigentor/42.) reichte es nicht.

Nach dem schwer nachzuvollziehenden Doppelplatzverweis für Berbatow und Bremens Micoud (54.) fehlten die Ideen für das entscheidende Zuspiel in die Spitze.

„Das war unsere beste Saisonleistung, leider sind wir wieder nicht belohnt worden”, klagte der von einer Nebenhöhlenvereiterung geplagte Toppmöller, „diese Unkonzentriertheit, diese Fehler machen mich wahnsinnig.”

Und die Perspektiven sind nicht gerade gut, denn die sportliche Führung hat eigentlich schon alle derzeit denkbaren Optionen benutzt. Einschließlich des Torwart-Wechsels, den man jetzt dringend rückgängig machen sollte.

Nun warten sie sehnsüchtig auf die Gesundung von Placente, Sebescen und Juan, von Nowotny ganz zu schweigen. Sie wollen den Rekonvaleszenten Zeit lassen.

Aber die Zeit wird schon knapp. Denn auch diese mit Stars gespickte Mannschaft braucht am Ende mindestens 40 Punkte . . .